Stadt als „Sicherer Hafen“ ausgezeichnet

Eine Arche für Wittingen

Die Stadt Wittingen wird als „Sicherer Hafen“ ausgezeichnet.
+
Ein Label und eine Arche für Wittingen: Stadtbürgermeister Andreas Ritter (v.l.) mit Martin Wrasmann, Helene Rausch (Abteilungsleiterin für Bildung und Generationen), Henrik Werner und Ulf Neumann.
  • Holger Boden
    vonHolger Boden
    schließen

Wittingen – Martin Wrasmann, Ulf Neumann und Henrik Werner hatten gestern eine kleine Arche dabei, als sie das Wittinger Rathaus besuchten. Das Schiffchen aus Holz und ein zugehöriges Plakat überreichten sie Stadtbürgermeister Andreas Ritter, um die Stadt mit dem Label „Fairankern – Sicherer Hafen“ auszuzeichnen.

Die drei Vertreter der „Initiative Sicherer Hafen Wittingen“ reagierten damit auf den mehrheitlichen Beschluss des Stadtrats aus dem Februar, wonach Wittingen sich zum „sicheren Hafen“ für Flüchtlinge deklariert. Das Label, so Werner, solle „ein sichtbares Gegengewicht zu steigender Fremdenfeindlichkeit“ sein.

Wittingen ist nach der Stadt Gifhorn die zweite Kommune im Kreisgebiet, darüber hinaus wurden schon Einrichtungen, Kirchengemeinden, Beratungsstellen und Betriebe ausgezeichnet. Wrasmann sagte, die Arche solle Sicherheit und Zukunftsperspektive symbolisieren.

Ritter sagte, der verabschiedete Resolutions-Text sei das eine – nun gehe es aber auch um die Frage, wie sich die Absichtserklärung mit Leben füllen lässt. Erfreulich sei, dass es in der Stadt rund 200 Geflüchtete gebe, ohne dass das weiter auffalle – das werte er als Zeichen vielfach erfolgter Integration. Was wohl auch deshalb möglich sei, weil es keine Sammelunterkünfte gebe. „So soll es sein“, stimmte Wrasmann zu. Dezentralisierung sei „immer gut“, doch es gebe leider Orte, wo das nicht so gut funktioniere.

Als Stadt könne man nun vielleicht versuchen, die Flüchtlingssozialarbeit zu stärken oder auch andere Akteure ins Boot zu holen, meinte Ritter. Ein Problem sei es, dass wegen der Pandemie Sprachkurse ausfallen.

Neumann fand, dass ohnehin „Corona alles überlagert“. Das gelte auch für das öffentliche Bewusstsein für die Not von Flüchtlingen, erst jetzt habe es wieder über 120 Todesopfer bei einem Bootsunglück vor Libyen gegeben.

Als einen Bereich, in dem Integration befördert wird, identifizierten Ritter und Wrasmann die Arbeitswelt. Dort komme es zum Teamwork von Einheimischen und Geflüchteten, dort finde auch viel Sprachvermittlung statt. Der Rathauschef nahm die Anregung auf, zu prüfen, ob Flüchtlingen Arbeitsmöglichkeiten beim städtischen Bauhof geboten werden können.

Zu den Institutionen, die im Stadtgebiet bereits mit dem „Fairankern“-Label ausgezeichnet wurden, gehören laut Wrasmann beispielsweise die Flüchtlingssozialarbeit Nord des Kirchenkreises Wolfsburg-Wittingen, der DRK-Treffpunkt Henri, die Integrationswerkstatt der Butting-Akademie in Knesebeck und die Kirchengemeinde Wittingen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare