Aufruf zum privaten Ausstieg

In Wittingen kamen am Montagabend rund 100 Menschen zur Mahnwache auf dem Marktplatz zusammen. Foto: Boden

Wittingen. Es werden immer mehr: Der japanische Atom-GAU bringt im Isenhagener Land die Menschen auf die Straße. An der Mahnwache in Wittingen nahmen am Montagabend auf dem Marktplatz rund 100 Kernkraftgegner teil.

Nach zwei Mahnwachen in Hankensbüttel – rund 80 Menschen waren dort letzte Woche zusammengekommen – ist die Zahl der Teilnehmer in dieser Woche noch einmal angestiegen. Menschen allen Alters aus dem Wittinger, Hankensbütteler und Wesendorfer Raum versammelten sich vor der Kirche. Mit dem Landtagsabgeordneten Klaus Schneck und einigen Ratsherren aus den Reihen von SPD, FWG und Grünen war auch die Politik vertreten. Parteipolitische Kommentare gab es nicht.

Einige Teilnehmer in Wittingen hatten Kerzen angezündet, andere schwenkten Anti-Atomkraft-Fahnen. Ein Redner erinnerte an die Bilder von japanischen Kindern, die nun unter den Folgen des Erdbebens wie auch des Atom-Desasters zu leiden haben. Mit Blick auf die Tschernobyl-Katastrophe vor 25 Jahren wurden mahnende Worte laut, und Pastorin Meike Drude wiederholte ihre Forderung aus der Vorwoche: Von einer Technik, die keine Fehler erlaube, solle der Mensch besser die Finger lassen. Einer der Teilnehmer rief dazu auf, mit dem Atomausstieg im eigenen Haushalt anzufangen und den Anbieter zu wechseln, „hin zum Ökostrom“.

Wer sich mit dieser Frage beschäftigt, dem wollen die Grünen im Nordkreis demnächst Hilfestellung geben. Der Kreistagsabgeordnete Peter Dietz kündigte eine Info-Veranstaltung in Wittingen an, bei der es um Ökostromtarife und Wechsel-Modalitäten gehen soll.

„Das Verbraucherverhalten kann Einfluss nehmen auf den Ausbau und die Weiterentwicklung der erneuerbaren Energien“, ist Dietz überzeugt. Ein Hindernis sei für viele Verbraucher, dass sie den bürokratischen Aufwand scheuen und den unübersichtlichen Markt der Naturstromanbieter nicht sachgerecht beurteilen können.

Auch in Brome trafen sich Bürger am Montagabend vor dem Rathaus zur dritten Mahnwache, um ihrer Trauer und Angst angesichts der Ereignisse in Japan Ausdruck zu verleihen. Auch dort wurde zum privaten Ausstieg aus dem Atomstrom aufgerufen.

Den Termin der Veranstaltung in Wittingen, die auf seine Initiative hin stattfindet und für die er einen Experten gewinnen konnte, will Dietz in Kürze bekannt geben. Auch das Stromsparen soll an dem Abend eine Rolle spielen. Wer sich vorab schon mal informieren will: Das Verbraucherportal www.verivox.de bietet einen Ökostrom-Preisvergleich und Informationen über Zertifikate und Gütesiegel. Ähnliche Infos gibt es unter www.atomausstieg-selber-machen.de.

Die Mahnwachen im Nordkreis gehen unterdessen weiter – am kommenden Montag um 18 Uhr in Hankensbüttel und Brome.

Von Holger Boden

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