Hier endet das 20. Jahrhundert

Aufräumen auf dem Wittinger OHE-Gelände – Beginn einer Transformation

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Hier wird der Schotter gebrochen – die Stadt will das Material noch verwenden.

Wittingen – Blühende Landschaften statt sprießendem Unkraut – das ist die Zielvorstellung, die die Stadt Wittingen für die ehemalige OHE-Fläche am Bahnhof ausgegeben hat.

Auf dem Areal östlich der Bahnlinie Uelzen-Braunschweig sollen auf rund 4,5 Hektar einmal Unternehmen angesiedelt werden, die möglichst in Zukunftsbranchen aktiv sind.

Dafür weicht derzeit ein Stück Wittinger Vergangenheit. Die Schienen und Schwellen, die in den letzten Wochen herausgerissen worden sind, stehen für das Industriezeitalter, für das 20. Jahrhundert, für Handels- und Logistikstrukturen, die irgendwann nicht mehr benötigt wurden.

Mit der Neugestaltung des OHE-Geländes ist auch für diesen Prellbock Endstation.

Auch wenn viele ältere Wittinger beim Gedanken an das Rattern der Loks und an das „Klonk“ einkoppelnder Waggons den Geruch von Öl und Diesel in der Nase haben – belastet sind die Bahnstränge auf dem Areal nicht, das haben Untersuchungen ergeben. Die Salzwedeler Firma, die das Gelände im Auftrag der Stadt „abräumt“, bricht den Schotter und stellt ihn der Stadt dann wieder zur Verfügung. Das Material soll unter anderem beim Ausbessern von Wirtschaftswegen zum Einsatz kommen, sagt Wirtschaftsamtsleiter Günter Kruse. Die Gesamtmenge schätzt er auf 1500 Kubikmeter.

Die Länge der Gleise auf dem Areal beträgt rund 1000 Meter, das macht also rund zwei Kilometer Schienenmetall. Das darf die Firma ebenso für sich verwerten wie die etwa 360 Tonnen Schwellenholz, das ist Teil des Gesamtpakets, auf das sich die Stadt und der Auftragnehmer geeinigt haben.

Neu trifft Alt: Direkt vor dem maroden OHE-Gebäude wird eine Ladesäule aufgestellt. Fotos: boden

Die Schuppen auf dem Gelände sollen ebenfalls restlos verschwinden, später auch die bislang von Brio-Tours genutzten Gebäude am Südzipfel der OHE-Fläche. Die Sträucher werden beseitigt, ein kleiner Hügel wird abgetragen. „Alles wird höhengleich“, sagt Kruse. Freilich spielen beim Aufräumen der Brache auch Naturschutzaspekte eine Rolle, nach ersten Prüfungen sehe es in dieser Hinsicht aber „entspannt“, aus, so der Amtsleiter. Offenbar also keine wertvollen Biotope.

„Wir wollen Investoren eine vernünftig aussehende Fläche zeigen können“, erklärt Kruse. Das soll ab 2020/2021 möglich sein, je nachdem, wie schnell es mit der Bauleitplanung für das geplante Gewerbegebiet vorangeht.

Wittingen hätte sich dann nach langer Stagnation im Bahnhofsbereich mächtig aufgehübscht: moderner Bahnsteig, neugestaltetes Bahnhofsumfeld, Ladesäulen, flottes Gewerbegebiet, neuer Busbahnhof. Vielleicht sogar irgendwann auch Toiletten? Das war zuletzt immer ein Thema, das von der Politik – bisher ergebnislos – auch im Zusammenhang mit dem alten OHE-Gebäude diskutiert wurde. Dessen Zukunft ist noch unklar, es bleibt vorerst so etwas wie die verfallene Insel inmitten eines bald runderneuerten Areals zwischen der Bahnlinie und der Straße „Am Kleinbahnhof“.

Bei der Stadt wartet man auf ein Sanierungskonzept für das Haus, Anfang 2020 soll es vorliegen. Dann wird man schauen, was aus dem Gebäude – vielleicht auch mit Hilfe von Fördergeldern – werden kann.

VON HOLGER BODEN

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