Digitaltechnik macht Wittinger Kino zu schaffen – aber Betrieb soll weitergehen

„Auf kleiner Flamme“

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Die Wittinger Lichtspiele geraten angesichts der digitalen Revolution ins Hintertreffen.

Wittingen. „Keine Vorstellung“ hieß es zuletzt immer mal wieder im Wochenprogramm des Wittinger Kinos. Mancher in Wittingen vermutete daher schon den kompletten Sendeschluss.

Dem ist aber nicht so: „Wir machen zunächst einmal auf kleiner Flamme weiter“, sagt der Inhaber Volker Schmid.

Sein Problem: die Digitalisierung der Kino-Technik. Die ist in der Branche inzwischen so gut wie abgeschlossen. Doch umsonst ist die Umrüstung für ein Lichtspielhaus freilich nicht zu haben – die Investitionen sind gerade für kleine Kinos ein ziemlicher Brocken.

Schmid macht keinen Hehl daraus, dass die Wittinger Lichtspiele „keine Goldgrube“ sind. Und so hat er bisher darauf verzichtet, auf Digitaltechnik umzustellen. Die Kosten dafür beziffert er auf 70- bis 80 000 Euro, mit 3D-Technik seien es wohl um die 90 000.

Das Dilemma: Analoge Kopien für die klassische Filmrolle waren zuletzt immer schwerer zu bekommen, und zum Jahresende haben nun laut Schmid fast alle Verleiher den Verleih der Rollen eingestellt. Rund 93 Prozent der deutschen Kinos haben sich inzwischen Digitaltechnik zugelegt, schätzt Schmid. Europaweit seien Kopierwerke für die guten alten Zelluloid-Streifen (die zuletzt meist aus Polyester bestanden) geschlossen worden.

Den Kinobetreibern kommen inzwischen kleine Festplatten ins Haus, mit der digitalen Version des georderten Films. „Selbst für alte Filmtitel werden inzwischen digitale Kopien geschickt“ sagt Schmid. „Fast nirgends rattert noch eine Filmrolle mit einem 35-Millimeter-Streifen. Die hat ausgedient, die will heute auch keiner mehr lagern.“

Die Filmrollen des 21. Jahrhunderts sind eckig – die Streifen werden auf Festplatten (im Vordergrund) an die Kinos geliefert.

Schmid bekommt also kaum noch Filme für Wittingen. Vom „Hobbit“ hat er noch eine Kopie besorgen können, den Blockbuster kann er am Sonntag zeigen. Auch von „Fack ju Göhte“ erwartet er ein Exemplar. Am Sonntag läuft zudem „Die Jagd“, ein Drama mit Tiefgang, das im Rahmen der Reihe „Kirchen und Kino“ gezeigt wird. Auch die Schulkino-Wochen von Mitte bis Ende Februar sollen in den Wittinger Lichtspielen wie geplant stattfinden.

An Schließung denkt Schmid, dem das Kino-Gebäude gehört, nicht: „Ich will ja nicht nach 22 Jahren zumachen.“ Als er 1992 an den Start ging, schloss der Inhaber die Lücke, die sich nach dem in den 60er Jahren einsetzenden großen Kino-Sterben auch in Wittingen aufgetan hatte.

Er wolle nun versuchen, wieder einen regulären Spielbetrieb aufzubauen, sagt Schmid. Er hofft, für die nötigen Investitionen Fördertöpfe zu finden, zudem setzt er auf fallende Preise bei der Digitaltechnik. Sein Kino am Gifhorner Steinweg hat er bereits umgerüstet. Dafür seien Landeszuschüsse geflossen, und auch die Stadt Gifhorn habe ihn beim Umbau finanziell unterstützt. Seite 16

Von Holger Boden

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