Wittinger Zahnmediziner verschärft Kritik an IT-Plänen

„Arzt wird Datenlieferant“

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„TI“ steht für Telematik-Infrastruktur – Dr. Rolf Mahlke sieht das Vorhaben kritisch.

Wittingen – Man geht zum Vorstellungsgespräch, und der potenzielle neue Chef kennt schon die Krankenakte der letzten zehn Jahre? Ein Albtraum für Arbeitnehmer und Datenschützer, doch genau solchen Datenlecks wird derzeit der Weg bereitet, fürchtet ein Teil der deutschen Ärzteschaft.

Unter ihnen auch der Wittinger Zahnmediziner Dr. Rolf Mahlke. Die von ihm mitbegründete IG Med arbeitet in einem neuen „Arbeitsbündnis gegen Datenmissbrauch in der Medizin“ mit. .

Dieses Bündnis wurde Anfang Dezember in Frankfurt aus der Taufe gehoben. Im Visier hat es die Telematik-Infrastruktur für Arztpraxen, die das Bundesgesundheitsministerium unter Jens Spahn durchsetzen will. Die Daten aller Kassenpatienten sollen in einer Cloud gespeichert werden – Mahlke und andere Kritiker fürchten Missbrauch.

Für unsicher halten sie insbesondere auch den sogenannten Konnektor, der die Praxen mit der Cloud verbinden soll (das IK berichtete). Die Fachpresse hält das verordnete System für veraltet, Mahlke spricht von „40 Jahre alter Technik“. Das System solle offenbar durchgezogen werden, weil bei 150 000 Praxen und 3000 Euro pro Exemplar plus Wartungsvertrag ein enormes wirtschaftliches Interesse dahinterstehe.

Bestätigt fühlt der Wittinger Zahnarzt sich durch ein jüngst publik gewordenes Datenleck in einer Celler Praxis – ein IT-Experte hatte die Sicherheitslücke aufgedeckt. Dabei sieht Mahlke sich und seine Kollegen in einer weitgehend hilflosen Rolle: „Wir sind verantwortlich, aber wir sind keine IT-Fachleute. Wir müssen uns auf Dienstleister verlassen.“

Mahlke schätzt, dass sich 10 bis 15 Prozent aller Mediziner und Zahnmediziner dem Konnektor-System verweigern. Auch seine Praxis – er nimmt dafür einen Honorarabzug von 1 Prozent für 2019 als Strafe in Kauf. 2020 werden es dann 2,5 Prozent sein.

Mahlke ist sich sicher: „Mit dem Anschluss des Konnektors endet das Arztgeheimnis unwiederbringlich.“ Der Arzt werde zum Datenlieferanten für die Cloud – und werde gleichzeitig „per Standleitung kontrollierbar“.

VON HOLGER BODEN

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