Lebensraum Gewerbegebiet

Artenschutz: Butting-Pläne am Wittinger Hafen in Warteschleife

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Hier will auch Butting Produkte umschlagen – doch die Pläne für einen Standort am Hafen hängen in der Wartschleife. Nicht nur wegen der maroden Liegestelle. 

Wittingen/Knesebeck – Ein Butting-Standort am Wittinger Hafen? Bereits im Dezember 2015 hatte das Knesebecker Unternehmen Pläne für eine Fertigungshalle im Hafengelände kommuniziert.

Dort soll Anlagenbau betrieben werden, die schweren Produkte sollen direkt am Hafen auf Schiffe verladen werden, neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Mehr als drei Jahre später sind allerdings immer noch planerische Hausaufgaben seitens der Behörden notwendig.

Dabei geht es nicht nur darum, zusätzliche Kapazitäten für den Umschlag zu schaffen – die Absichten der Stadt Wittingen, die marode Liegestelle des Wasser- und Schifffahrtsamtes zu erwerben und zu ertüchtigen werden seit Jahren diskutiert und sind hinlänglich bekannt. Zusätzlich ist für die rund 2,6 Hektar große Fläche, die die Firma Butting für ihr Vorhaben erworben hat, noch eine naturschutzfachliche Kartierung nötig. Damit soll herausgefunden werden, ob auf dem Areal geschützte Arten leben und wenn ja, welche Schutzmaßnahmen oder Ersatzlebensräume geschaffen werden müssen.

Dass eine solche Kartierung in einem Gewerbegebiet notwendig ist, das ja explizit für die Ansiedlung von Unternehmen ausgewiesen wurde, erstaunt. Kreisrat Mirco Schmidt, beim Landkreis unter anderem für den Fachbereich Umwelt zuständig, erklärt das auf IK-Anfrage: „Im Rahmen eines Bauleitplanverfahrens werden in neueren aktuellen Verfahren alle naturschutzfachlichen Belange soweit berücksichtigt, dass für die Erteilung einer konkreten Baugenehmigung keine weiteren Naturschutz-Untersuchungen mehr erforderlich sind.“ Für den Bebauungsplan am Wittinger Hafen seien seinerzeit jedoch keine Kartierungen und Maßnahmen zur Berücksichtigung des besonderen Artenschutzes erfolgt. Deshalb sei nun ein Gutachten rechtlich vorgeschrieben, um die Baugenehmigung erteilen zu können.

Es sei keineswegs so, dass bislang ungenutzte Flächen am Hafen über die Jahrzehnte zu Biotopen geworden sind – der Biotop-Status, so Schmidt, würde jede Beeinträchtigung verbieten. Vom Grundsatz her bleibe es bei der Butting-Fläche um ein Gewerbe-Areal, dennoch müsse man geschützte Arten ermitteln.

Von einer Verhinderung der Baumaßnahme geht der Kreisrat nach den ersten Vorergebnissen denn auch nicht aus. Und Schmidt betont, dass auf der Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung im Nordkreis ein besonderes Augenmerk liege. Ziel seie es, den Unternehmen ihre Planungen im Rahmen der gesetzlichen Rahmenbedingungen zu ermöglichen.

Was nun am Hafen genau für den Artenschutz getan werden muss und welche konkreten Folgen das für das Butting-Vorhaben geben wird, das könne man erst sagen, wenn die Kartierungsergebnisse vorliegen, betont Schmidt. Seitens des Unternehmens gibt es nach wie vor ein prinzipielles Interesse an dem Projekt, das allerdings auch davon abhängt, wie lange sich die naturschutzfachlichen Untersuchungen noch hinziehen.

VON HOLGER BODEN

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