Ein Jahr nach dem Brand der Wallpassage: Wittinger Feuerwehr sieht sich gut aufgestellt

Als die Altstadt 200 Schutzengel hatte

+
Der Brand der Wallpassage am 11. Mai 2018. Als Ursache ermittelte die Polizei nach aufwändigen Untersuchungen schließlich einen technischen Defekt.

Wittingen. Ein sonniger Mai-Tag beginnt heute vor einem Jahr für die meisten Wittinger vor dem Wecken: Gegen 4 Uhr zerreißen Alarmsirenen die Nachtruhe. Eine riesige Rauchsäule steht über der Innenstadt und ist für die herbeieilenden Feuerwehren schon von Weitem zu sehen.

Die Wallpassage brennt – am Ende werden rund 200 Einsatzkräfte in den Kampf gegen die Flammen eingebunden sein.

Großbrände sind oft der Punkt, an dem auf den Prüfstand gestellt wird, ob bei den Strukturen im Löschwesen nachgebessert werden muss. Der 11. Mai 2017 – das lässt sich mit einem Jahr Abstand festhalten – hat gezeigt, dass die Wittinger Stadtfeuerwehr schlagkräftig aufgestellt ist. Die Altstadt und sogar die unmittelbaren Nachbargebäude konnten vor einem noch größeren Inferno bewahrt werden.

„Die Stärken sind ausreichen, das Gerät auch“, lautet denn auch das Fazit von Stadtbrandmeister Heinrich Kruse. Dass eine zweite Drehleiter aus Gifhorn angefordert werden musste, führe nicht zu der Forderung, dass ein zweites solches Fahrzeug in Wittingen vorgehalten werden muss – dies sei utopisch. In derartigen Extremfällen sei man nun einmal auf Hilfe von außen angewiesen.

Auch für Wittingens Ortsbrandmeister Torsten Bötticher hat der Wallpassagen-Brand „gezeigt, dass unsere Ausrüstung und unser derzeitiger Fahrzeugbestand richtig und wichtig sind“. Heißt: Mehr muss nicht sein – aber eben auch nicht weniger.

Der intensive und letztlich erfolgreiche Kampf gegen einen noch höheren Schaden für die Altstadt hat laut Bötticher die eingesetzten Kräfte auch noch enger zusammenwachsen lassen: Feuerwehr, Polizei, DRK – die Kommunikation und gegenseitige Unterstützung klappte bestens. Dazu kam die Erfahrung, dass in solchen Situationen auch Rückhalt aus der Geschäftswelt kommt, sei es in Form von Getränken, Lebensmitteln oder Parkflächen für die Helfer.

Ein Jahr nach dem Brand kommt auch langsam wieder neues Leben in die Wallpassage. Die Hotelzimmer im Frontbereich an der Langen Straße sollen schon bald wieder auf Vordermann sein, sagt Inhaber Bernd Franke: „Wir legen nächste Woche den Teppich.“ Der Betrieb des Hotels soll noch in diesem Monat wieder aufgenommen werden.

Für den mittleren Bereich – dort, wo das Feuer alles zerstört hat – wartet Franke auf die Baugenehmigung. Für die künftige Nutzung sei man in Verhandlungen, noch sei aber nichts spruchreif. Franke bringt derweil die Immobilie als denkbaren Standort der geplanten Tourist-Information ins Spiel. Die Lage sei schließlich „ideal“, und Toiletten baue man auch wieder ein.

Von Holger Boden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare