Wittingen: Pretty Shoes schließt am Ende der Adventszeit die Türen

Altstadt ohne Schuhladen

Die Pakete sind die Internet-Bestellungen einer Nacht, im Laden geht nicht mehr viel: Sabine Fliegner (v.l.), Thomas Lück und Christiane Mialschegrosch machen online weiter. Foto: Boden
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Die Pakete sind die Internet-Bestellungen einer Nacht, im Laden geht nicht mehr viel: Sabine Fliegner (v.l.), Thomas Lück und Christiane Mialschegrosch machen online weiter.
  • Holger Boden
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Wittingen. Wittingen, Schusterstadt? In der Altstadt wird es Ende des Jahres kein Schuhgeschäft mehr geben. Die Firma Pretty Shoes schließt am 23. Dezember ihre Türen. Inhaberin Sabine Fliegner und Thomas Lück wollen weiter Schuhe verkaufen – per Internet.

Das Ladengeschäft – früher in der Junkerstraße zu Hause, heute in der Langen Straße angesiedelt – wäre im nächsten Frühjahr 25 Jahre alt geworden. „Wenn es sich tragen würde, würden wir weitermachen“, sagt Fliegner. Doch der Umsatz, so rechnet Lück vor, habe sich in den letzten zehn Jahren um vier Fünftel verringert.

Lück macht für diese Entwicklung vor allem politische Entscheidungen zur Ansiedlung von Geschäften verantwortlich: „Die Märkte draußen machen die Innenstadt kaputt“, ist der frühere HGV-Vorsitzende überzeugt. Seinerzeit ließ er Schaufenster zukleben, um den Kunden plastisch vor Augen zu führen, wie sich eine leerstehende Altstadt anfühlt. Mit dem Wechsel von Rossmann an die Knesebecker Straße und der Schließung des Edeka-Marktes an der Junkerstraße sei die Kundenfrequenz bei Pretty Shoes endgültig eingebrochen.

Das Geschäft habe einst fünf Mitarbeiter gehabt, in der Zwischenzeit habe man vier dieser Stellen streichen müssen: „Die Resonanz der Kunden hat das nicht mehr gerechtfertigt“, sagt Fliegner. Der Inhaberin ist bewusst, dass mit ihrem Rückzug ein weiterer Baustein aus dem Altstadt-Angebot herausbricht. „Es tut uns leid für die Kunden und auch für die anderen Geschäfte“, sagte Fliegner, „aber hier weiterzumachen, wäre ein sehr teures Hobby.“

Bereits seit 2010 bieten Fliegner und Lück auch Schuhe über das Internet an – nun wollen sie sich ganz auf den Versand konzentrieren, den sie bisher aus dem Geschäft in der Langen Straße abgewickelt haben. Künftig soll das von ihrem privaten Wohnsitz in der Altmark aus erfolgen. Ihre letzte verbliebene Mitarbeiterin Christiane Mialschegrosch, im Laden ausgebildet, wollen sie dabei weiterhin beschäftigen.

Auf zirka 5000 Paar Schuhe pro Jahr beziffert Lück den derzeitigen Absatz per Internet. „Ohne das Geschäft im Netz wären wir schon lange pleite.“ Der Versandhandel habe zudem die Möglichkeit geboten, auch den stationären Verkauf attraktiver zu machen: mehr Verkaufsvolumen, mehr vorrätige Größen. Bestellungen kämen aus aller Welt – auch aus Wittingen.

Der zweite HGV-Vorsitzende und Ortsbürgermeister Matthias Rönneberg bedauert die Schließung von Pretty Shoes sehr: „Das ist verdammt schade.“ Vor allem, weil es wieder die Bekleidungsbranche treffe. Die ganze Schuld bei den Ausweisungen von Gewerbeflächen außerhalb der Innenstadt zu suchen, hält Rönneberg für zu kurz gegriffen: „Wenn wir keine großen Verkaufsflächen bieten können, kommen wir hier auch nicht weiter.“ Es gebe auch Geschäfte in Wittingen, die mit den neuen Märkten gut zurecht kämen. Rönneberg gesteht aber zu, dass es je nach Produktprogramm unterschiedlich schwer sein kann, in Zeiten von Internethandel zu bestehen.

Fliegner und Lück suchen jetzt einen Nachmieter, bisher vergeblich.

Von Holger Boden

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