Leitbild: Stadtmarketing-Arbeitskreis stellt sich die Frage nach Wittinger Identität

Das alte Problem seit 1974

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Der Arbeitskreis kam zu dem Schluss, dass ein künftiges Stadtmarketing vor allem auch nach innen gerichtet sein muss, also auf die Bürger der 25 Orte abzielen sollte.

Wittingen. Es ist eine Frage, die die Stadt Wittingen seit 43 Jahren nicht loslässt, die aber mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder gestellt wird: Wie viel gemeinsame Identität ist da zwischen Wunderbüttel und Boitzenhagen, Stöcken und Vorhop? Und innerhalb der Stadtmauern des Kernortes?

In der zweiten Arbeitskreissitzung für das Leitbild-Update ging es ums Stadtmarketing, und da kam das Thema wieder auf die Tagesordnung.

Ausgangspunkt war eine Feststellung von Christiane Dwenger-Röber: „Ich möchte, dass wir wieder stolz auf unsere kleine Stadt sein können.“ Und dann wurde immer deutlicher, dass es beim Stadtmarketing nicht nur um die Außendarstellung geht, sondern auch um ein Marketing nach innen. Christine Gehrmann, beim Landkreis unter anderem zuständig für das Kreisentwicklungskonzept, diagnostizierte bei den 25 Orten „eine gemeinsame Suche nach Identität“. Und Kurt-Ulrich Blomberg konstatierte nüchtern, dass offenbar „der Prozess seit 1974 nicht die nötige integrative Kraft entwickelt hat“. 1974 – Franz Beckenbauer und Sepp Maier wurden Fußballweltmeister – führte die Gebietsreform die 25 Orte der Stadt Wittingen in ihrer heutigen Form zusammen.

Immerhin: Im Arbeitskreis war man sich einig, dass Zentrum und Umland sich gegenseitig brauchen: „Die Stadt lebt auch von den Dörfern“, meinte Natascha Engst-Wrede mit Blick auf das gemeinsame Adventskalender-Projekt. Und Gehrmann war überzeugt: „Je besser es der Stadt geht, desto besser geht es auch den Dörfern.“ Mithin, das betonten mehrere Teilnehmer, gelte es, den Kernort mit seiner Infrastruktur besonders zu stärken.

Die Landfrauen-Vorsitzende Dörte Dreblow sagte, dass es nicht immer leicht sei, die Orte für Aktionen in Wittingen zu gewinnen. Glüsingens Ortsvorsteher Uwe Hoppmann befand, dass eine Plattform für die 25 Orte fehle. Eine Art Neujahrsgespräch für alle Bürger in der Stadthalle „wäre eine tolle Sache“. Für den Ort Wittingen plant Ortsbürgermeister Matthias Rönneberg so eine Zusammenkunft für den September (IK berichtete).

Interessant, das Identifikation vielleicht auch eine Frage des Alters ist: Die Hagenerin Regina Schulze, eine der jüngsten im Arbeitskreis, sagte ganz deutlich: „Für mich ist Wittingen meine Stadt.“ Gleichwohl: Die Runde wiederholte das bekannte Lamento, dass es im Stadtgebiet zu wenige regelmäßige Angebote für Jugendliche gibt. Michael Holtmann regte an, dass eine Arbeitsgruppe aus Schülern der IGS, der Oberschule und des Gymnasiums Hankensbüttel ausarbeiten könnte, was Jugendliche von Wittingen erwarten. Über den Stadtrand hinausblicken wollte auch Jochen Bellin – er plädierte für mehr interkommunale Kooperation: „Wittingen und Hankensbüttel gehören zusammen, wir müssen endlich über unseren Schatten springen.“

Der Arbeitskreis Stadtmarketing wird seine Diskussionen am 13. Februar fortsetzen. Hoppmann sah in dem Leitbild „Chancen, mehr Einheit nach innen zu kommunizieren“. Nicht nur deshalb müsse der zweite Wurf aber auch weniger abstrakt daherkommen.

Am Montag, 30. Januar, 19 Uhr, tagt im Rathaus der dritte Arbeitskreis: „Wohlbefinden in moderner Lebensqualität.“

Von Holger Boden

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