Zuständige Behörde betreibt enges Monitoring der Kanalbrücken

Alles tragfähig am Elbe-Seitenkanal

Kanalbrücke am Wittinger Hafen: Das Wasser- und Schifffahrtsamt sorgt mit regelmäßigen Kontrollen dafür, dass die Querungen über den Elbe-Seitenkanal in Schuss bleiben. Foto: Boden
+
Kanalbrücke am Wittinger Hafen: Das Wasser- und Schifffahrtsamt sorgt mit regelmäßigen Kontrollen dafür, dass die Querungen über den Elbe-Seitenkanal in Schuss bleiben.
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
    schließen

Wittingen/Uelzen. Der Einsturz eines Brückenneubaus für die A 7 bei Schweinfurt hat kürzlich auf tragische Weise erneut den Blick auf ein drängendes verkehrspolitisches Thema gelenkt: Deutschlands Brücken – vor allem im Zuge der Autobahnen – kommen in die Jahre.

Insbesondere geht es dabei um Bauwerke, die mittlerweile 40 Jahre oder älter sind. Zu dieser Generation gehören auch die Überquerungen des Elbe-Seitenkanals, der kürzlich 40-jähriges Bestehen feierte. Droht da ein ähnlicher Investitionsstau?.

Viele Verschleißteile

Nein, sagt Frank Steinmann, zuständiger Ingenieur für Brücken beim Wasser- und Schifffahrtsamt Uelzen (WSA) und damit verantwortlich für 60 Kanalquerungen zwischen Artlenburg und Edesbüttel. Dass es um die Brücken über den Elbe-Seitenkanal deutlich besser bestellt ist als um viele Talbrücken der bundesdeutschen Autobahnen, liegt zunächst mal an einer ganz simplen Tatsache: Auf ihnen liegt längst nicht so viel Verkehrslast. Was die Sache für die Uelzener Wasserstraßen-Behörde zusätzlich vereinfacht: Autobahnbrücken sind großflächigere, meist längere und damit technisch komplexere Bauwerke.

Was nicht heißt, dass die Verantwortung für die Brücken über den Elbe-Seitenkanal ein triviales, müheloses Geschäft ist. „Eine Brücke ist ein bisschen wie ein Auto“, sagt Steinmann. Es gebe viele Verschleißteile und damit regelmäßig Erneuerungsbedarf. Zum Beispiel bei Teilen, die Korrosion ausgesetzt sind, zum Beispiel aber auch bei den Querfugen im Asphalt, die beim Drüberfahren das „Wupp-Wupp“ verursachen und dafür sorgen, dass sich die Brückenfahrbahn bei Hitze ausdehnen kann. Solche so genannten Fahrbahnsicherungskonstruktionen werden nach Bedarf gewechselt.

Analog zum Pkw gibt es auch für die Kanalbrücken regelmäßige TÜV-Termine. Alle sechs Jahre steht eine Hauptprüfung an, dazu alle sechs Jahre ein vereinfachter Check, bei dem es im Wesentlichen um eine Sichtprüfung geht. Macht ein Intervall von drei Jahren. Hinzu kommen jährliche Sichtungen durch den zuständigen Außenbeamten des Wasser- und Schifffahrtsamtes – im Wittinger Fall der Außenstellenleiter – sowie regelmäßige Kontrollen eines Dammbeobachters.

Ergebnis der TÜV-Prüfungen sind laut Steinmann Protokolle, in denen mit einem Notensystem die Standfestigkeit, die Dauerhaftigkeit und die Verkehrssicherheit bewertet werden. Das Ganze mündet in eine Bauwerksnote.

Langfristige Finanzplanung

Mit solchen Informationen betreibt das WSA ein Monitoring seiner Bauwerke, das eine langfristige Investitionsplanung erlaubt. Die normale Unterhaltung werde „peu à peu abgearbeitet“, doch schaue man im Brücken-Etat auch stets auf die nächsten 15 bis 20 Jahre, um rechtzeitig Grundinstandsetzungen einzuplanen. Die können durchaus auch mal nötig werden, auch wenn Steinmannn sagt: „Wir haben noch keine Brücke gefunden, die nicht mehr tragfähig war.“

Die vorausschauende Arbeitsweise soll einen Investitionsstau verhindern. Denn wenn eine Brücke dann mal „richtig“ an der Reihe ist, dann können die Kosten sich schon mal zwischen 500 000 und über 1 Million Euro bewegen.

Drei Grundinstandsetzungen pro Jahr – mehr ist laut Steinmann im Prinzip nicht drin. Das liege nicht notwendigerweise am Geld: Für mehr Projekte reiche die Manpower nicht. Denn es geht nicht nur um den Elbe-Seitenkanal: Neben den ESK-Brücken fallen weitere 60 Straßenquerungen im Zuge des Mittellandkanals in Steinmanns Aufgabenbereich.

Gleichwohl ist der auf Bauwerknoten basierende Investitionsplan nicht in Stein gemeißelt: Kommt es an einer Brücke zu einem spontanen Schaden – etwa durch einen Unfall – dann bekommt diese Baustelle freilich Vorfahrt.

Von Holger Boden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare