Alle warten auf klare Aussagen

Die Wittinger Realschule.

Landkreis Gifhorn - Von Holger Boden. Hoffnungen auf gymnasiale Zweige, Angst vor einer Schwächung des Gymnasiums Hankensbüttel, eilige Beschlüsse, Anträge in der Warteschleife – die Oberschule bringt derzeit Dynamik, aber auch Verunsicherung in die schulpolitische Diskussion im Landkreis Gifhorn. Das liegt vor allem daran, dass mit hohem Tempo eine Schulform her soll, für die das Niedersächsische Kultusministerium noch keine konkreten Bestimmungen vorgelegt hat.

Gestern Vormittag beschäftigte das Thema die Hauptverwaltungsbeamten der Städte, Gemeinden und Samtgemeinden im Landkreis, die sich zu einem Abstimmungsgespräch getroffen hatten. Eine Runde, an deren Ende nach IK-Informationen vor allem das Ergebnis stand: abwarten, bis das Land deutliche Vorschriften macht.

So ist laut Landkreis-Schulamtsleiter Karsten Kreutzberg zum Beispiel nach wie vor offen, ob eine Kommune wie Hankensbüttel, die bisher keine Realschule hatte, nun eine Oberschule beantragen kann, in der Haupt- und Realschüler unterrichtet werden. Diesbezügliche Aussagen, wie sie der schulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Karl-Heinz Klare, gemacht hat (er hatte die Frage bejaht), werden von einer Handreichung des Kultusministeriums („Hinweise für die kommunalen Schulträger“) nicht bestätigt. Kreutzberg: „Diese Hinweise konterkarieren zum Teil Aussagen, die vorher gekommen sind.“

Als nicht unwahrscheinlich gilt derzeit unter Beobachtern, dass man im Kultusministerium die besondere Situation im Landkreis Gifhorn nicht auf der Rechnung hatte – denn in vielen Landkreisen ist es heute üblich, dass alle weiterführenden Schulen in der Trägerschaft des Kreises sind. Mit Blick auf die vorliegenden „Hinweise“ meint denn auch der Schulamtsleiter: „Das Konstrukt passt so nicht für unseren Landkreis.“

Auch für die Wittinger Schullandschaft ist es nicht unerheblich, ob Hankensbüttel eine Oberschule einrichten darf oder nicht. Bekäme der Luftkurort die Erlaubnis nicht, würden auch die Realschüler aus der Samtgemeinde weiterhin in Wittingen zur Schule gehen. Eine eigene Oberschule könnte die Brauereistadt wohl trotzdem einrichten.

Völlig offen ist die Frage der gymnasialen Zweige in Kommunen, wo es dieses Angebot bisher nicht gab. Klar dürfte sein: Werden alle zu erwartenden Wünsche bedient, dann geht das nicht ohne erhebliche Schwächung des Gymnasiums Hankensbüttel. Zeit also für ein klares Wort des Landkreises, der ja den Standort eigentlich nicht gefährden, sondern sogar ausbauen will? „Wir halten ein derartiges Statement zum jetzigen Zeitpunkt nicht für geeignet“, sagt Kreutzberg. „Dafür ist noch zu viel Unklarheit im Gesamtsystem Oberschule.“ Kritik an diesen Unklarheiten gab es gestern Abend auch im Schulausschuss der Samtgemeinde Hankensbüttel (mehr dazu in der morgigen Ausgabe).

Im Schulamt des Landkreises will man zunächst die konkreten Vorstellungen der Kommunen hören, dann „alle Szenarien durchspielen“ – und erst dann ein Verdikt zum Gymnasium Hankensbüttel und/oder möglichen Zweigstellen abgeben. Die Frage ist auch: Wer wird Schulträger, wenn eine Oberschule aus Haupt- und Realschule (in Trägerschaft der Kommune) einen gymnasialen Zweig (Trägerschaft Gymnasium: Landkreis) bekommt?

Zudem muss nicht nur innerhalb der Landkreisgrenzen verhandelt werden: Nimmt man die „Hinweise“ zum Maßstab, dann muss bei der Einrichtung eines Gymnasialzweigs in Brome auch die Stadt Wolfsburg gefragt werden – weil viele Schüler aus der Samtgemeinde dortige Schulen besuchen.

Anträge für Oberschulen können zwischen Anfang Februar und Ende Mai gestellt werden. Irgendwann in der Mitte dieses Zeitraumes wird auch mit dem fertigen Gesetz gerechnet. Zum 1. August die ersten Oberschulen zu eröffnen, sei ein „sportliches Ziel“, räumt Kreutzberg ein.

Normalerweise müssen vergleichbare Veränderungen – etwa die Beantragung einer Ganztagsschule – bis zum 30. November des Vorjahres auf den Weg gebracht sein ...

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