Knesebeck steuert auf Versorgungslücke zu / KVN: Gemeinden sollten günstige Bedingungen schaffen

Ärzte aufs Land? Wittinger Politik gefordert

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Volle Wartezimmer sind immer noch besser als gar keine Wartezimmer – doch die Nachbesetzung von Praxen ist längst kein Selbstgänger mehr. 

bo Isenhagener Land. Zu wenige Ärzte wollen aufs Land – ein Problem, das im Landkreis Gifhorn seit Jahren diskutiert wird.

In Knesebeck könnte das Thema demnächst akut werden: Die beiden Allgemeinmediziner des 2800-Einwohner-Ortes gehen stark auf die Pensionierung zu, mittelfristig droht eine Versorgungslücke. Das muss jetzt auch die Stadtpolitik beschäftigen – denn bei der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) sieht man Kommunen längst in einem Wettbewerb um den Medizinernachwuchs.

Mancher in Knesebeck blickt derzeit ein bisschen neidisch nach Wahrenholz, wo die Kommune das Heft des Handelns in die Hand genommen hat und ein Ärztehaus bauen will. Zuschüsse sollen über die Dorferneuerung fließen, um die Belegung mit einem Mediziner muss die Kommune sich selbst kümmern. „Da steckt viel Arbeit drin“, sagt Bürgermeister Herbert Pieper.

Dass solche Pläne der richtige Weg sein können – diese Auffassung vertritt man auch bei der KVN: „Unser Ansatz ist es, Gemeinden zu ermutigen, günstige Bedingungen für die Ansiedlung von Ärzten zu schaffen“, sagt der stellvertretende Pressesprecher Dr. Uwe Köster.

Ein Landesfonds stellt laut Köster Gelder zur Verfügung, die zur Unterstützung von Neuansiedlungen fließen können: pro Einzelfall bis zu 50 000 Euro als Investitionsförderung. Maximal 2 Millionen Euro sind landesweit im Topf, da könne es natürlich sein, dass man auch mal zu spät kommt: „Das geht nach dem Windhundprinzip – grundsätzlich gibt es da schon einen gewissen Wettbewerb zwischen den Gemeinden.“

Warum es angeraten sein könnte, jungen Medizinern eine fertige Praxis hinzustellen, das erläutert Stefan Hofmann, Geschäftsführer der Braunschweiger KVN-Bezirksstelle: „Die klassische Einzelpraxis ist immer schwieriger zu besetzen.“ Der Trend zum Leben in der Stadt, die mitunter fraglichen demografischen Perspektiven in ländlichen Regionen, dazu die eigene Life-Work-Balance – das Landarzt-Leben sei nicht mehr so attraktiv, und mancher wolle lieber angestellt arbeiten als selbstständig.

Den Fall Knesebeck habe man angesichts der Altersstruktur der Ärzteschaft „auf dem Schirm“, sagt Hofmann. Allerdings läuten bei der KVN erst die Alarmglocken, wenn in einem Bereich die Versorgungsquote unter 75 Prozent fällt – und Betrachtungsraum ist nicht der einzelne Ort. Im Nordkreis sind die Stadt Wittingen und die Samtgemeinde Hankensbüttel zusammen der Bereich, für den die ärztliche Versorgung gemessen wird. Und die nackten Zahlen sind derzeit gut: Die KVN kommt für Wittingen/Hankensbüttel auf eine Versorgungsquote von 110,6 Prozent. Wenn in Knesebeck beide Ärzte aufhören, läge sie noch bei 94,8 Prozent.

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