Schule kritisiert Votum des Ortsrates

Ärger um Knesebecker Bushaltestellen

An der Lindenstraße könnte eine neue Bushaltestelle für die Knesebecker Schulkinder entstehen.
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Die Lindenstraße in Knesebeck: Bei der Ampel führt ein Fußweg zur Grundschule., in diesem Bereich soll laut Ortsrat eine Bushaltestelle eingerichtet werden.
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
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Knesebeck – In vielen Fällen werden Ortsratsentscheidungen von den Fachausschüssen der Stadt Wittingen bestätigt – bei dem Votum zu den Bushaltestellen, das der Knesebecker Ortsrat am Donnerstagabend im Schützensaal abgegeben hat, könnte das anders aussehen. Am Ende der Sitzung stand eine Einwohnerfragestunde, die viel Fassungslosigkeit offenbarte. So schienen der immer mal wieder quietschende Tisch im Ratsrund und die schlechte Akustik ein Stück weit symbolhaft zu sein für den Sand im Getriebe der Knesebecker Haltestellen-Diskussion.

Die Empfehlung des Ortsrates beinhaltet im Wesentlichen folgendes Paket: Erstens soll die Bushaltestelle der Grundschule an der Kirchstraße erhalten bleiben, aber nur noch von der Linie 137 angefahren werden. Zweitens soll an der Lindenstraße – von wo es einen direkten Fußweg zur Schule gibt – eine weitere Haltestelle für die Schüler geben. Ortsbürgermeister Heinz-Ulrich Kabrodt (SPD) skizzierte, dass die Anfahrt dann stets über Schützen- und Gartenstraße erfolgen werde, damit die Busse ausschließlich an der Schulseite halten. Drittens soll die Haltestelle an der Tankstelle nun doch nicht verlegt, sondern barrierefrei ausgebaut werden. Das galt aus Platzgründen lange Zeit als nicht machbar, soll aber nun unter bestimmten Bedingungen doch möglich sein. Die Empfehlung beinhaltet viertens die Option für einen Umsteigeplatz am Bahnhof, aber darum ging es an diesem Abend nur am Rande.

FWG-Fraktionschef Dr. Thomas Weiland hatte kurzfristig einen Antrag gestellt, der ein Haltestellenkonzept sowie ein Park- und Verkehrsleitkonzept für die Grundschule vorsieht. Gleichzeitig machte er keinen Hehl daraus, dass er eine Vertagung des Themas bevorzugen würde: „Das sollte nach der Wahl der neue Ortsrat behandeln, das wäre angemessen. Dann würden hier neue Leute sitzen, die das alles vielleicht anders beurteilen und unvoreingenommen sind.“

Eckhard Meyer (BA) konnte sich damit nicht anfreunden: „Ich komme mir vor wie bei ‘Täglich grüßt das Murmeltier’ – wir sollten den Lösungsansatz, der in der Vorlage steht, verabschieden.“ Damit bezog er sich auf das oben umrissene Maßnahmenpaket. Zustimmung fand er damit bei Hans-Heinrich Koch (SPD), der der FWG vorwarf, „nicht kompromissbereit“ zu sein und ihren Antrag viel zu spät „zugeschoben“ bekommen zu haben: „Dieser Ortsrat macht sich langsam lächerlich – wir sollten das zum Abschluss bringen.“ Weiland sagte dazu, es gehe nicht um Kompromisse, sondern um die beste Lösung, und kurzfristige Anträge seien ein vollkommen üblicher Vorgang. Auch Elisabeth Schulze (CDU) hatte das derweil zuvor als „nicht der richtige Stil“ bezeichnet.

Walter Schulze (CDU, beratendes Ortsratsmitglied) meinte hingegen: „Ich sehe keinen Beschlussvorschlag.“ Tatsächlich gab es auch keinen – die Verwaltung hatte empfohlen, einen solchen in der Sitzung zu formulieren. Für ihn, so Schulze, seien einige Dinge noch nicht abschließend geklärt. Bei Einrichtung einer Haltestelle an der Lindenstraße könne man den Halt in der Kirchstraße vielleicht ganz aufgeben.

Zuvor hatte Thomas Knöfel (FWG) eingewandt, dass die Grundschule nach seinen Informationen nicht gewährleisten kann, an zwei Bushaltestellen – Linden- und Kirchstraße – Aufsicht zu führen. Er riet zudem mit Blick auf den Durchgangsverkehr davon ab, „kleine Kinder an die Lindenstraße zu stellen“. Oberstes Ziel müsse ein sicherer Schulweg sein.

Knöfel schlug vor, zu dem Thema die Schulleiterin Annett Rietz zu hören, die unter den Zuhörern saß. In vielen Sitzungen wird so etwas zugelassen, wenn das Gremium das einstimmig befürwortet, doch in diesem Fall erteilte Koch umgehend eine Absage.

Weiland stellte daraufhin förmlich den Antrag, die Sache zu vertagen. Das wurde bei drei Nein-Stimmen (2 SPD, 1 BA) abgelehnt. Elisabeth Schulze enthielt sich, ihr Fraktionskollege Matthias Rode fehlte entschuldigt. Mit dem gleichen Stimmenverhältnis brachten Kabrodt, Koch und Meyer dann den Lösungsansatz aus der Vorlage durch, Weiland und Knöfel votierten dagegen, Schulze enthielt sich.

Die Reaktionen aus dem Publikum kamen umgehend: „Das kann nicht wahr sein, das können wir nicht“, sagte eine Lehrerin der Grundschule – und meinte damit die gleichzeitige Busaufsicht an Kirch- und Lindenstraße. „Dann stellt Ihr Euch da hin“, rief eine andere Lehrerin in Richtung Ortsrat.

Schulleiterin Rietz bestätigte dann in der Einwohnerfragestunde die Einwände: Ja, man könne an der Lindenstraße Aufsicht führen, aber nicht parallel auch an der Kirchstraße: „Ich habe acht Lehrkräfte – ich weiß nicht, wo ich die Aufsichten hernehmen soll.“ Zudem halte sie das Warten an der Lindenstraße für deutlich gefährlicher. Eine Sorge, die auch von anderen Bürgern artikuliert wurde. Kabrodt wurde gefragt, ob der Ortsrat sich überhaupt Gedanken über die Sicht der Schule gemacht habe. Henning Haven wollte wissen, warum Kinder nun an der Lindenstraße aussteigen sollen, wenn es doch eigentlich nur um die Haltestelle an der Tankstelle gegangen sei. Dazu sagte Kabrodt, man wolle auch die Kirchstraße entlasten.

Stadtbürgermeister Andreas Ritter wies am Ende darauf hin, dass das Thema noch in einen Fachausschuss komme. Die endgültige Entscheidung der Politik sei damit offen.

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