„Sozusagen der schwarze Kanal“

Änderungen beim DVB-T-Empfang frustrieren TV-Zuschauer bei Wittingen

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Der Sprung von DVB-T zu DVB-T2 macht nicht jedem Zuschauer Freude – vor allem, weil vom Bokeler Fernsehturm dafür nun kein Sendesignal mehr kommt und Zusatzantennen nötig werden können. 

Isenhagener Land – Jürgen Kieschke wohnt in Neuekrug, gleich hinter der Landesgrenze, nur ein paar Kilometer von Erpensen entfernt.

Neulich nahm er seinen Fernseher unter den Arm und fuhr nach Wittingen zum Elektronik-Fachhändler Rönneberg, denn sein Bildschirm blieb schwarz. Kieschke musste erfahren: Am TV-Gerät lag’s nicht. Die Spur führt nach Bokel.

Denn dort steht der sogenannte Fernsehturm, in Fachkreisen auch „Sender Behren-Bokel“ oder gar „Sender Uelzen-Sprakensehl“ genannt. Für Leute wie Kieschke sendet der Sender jetzt nicht mehr, denn der Altmärker empfängt seine Programme bisher über den Standard DVB-T. Über seine Zimmerantenne bekam er damit die öffentlich-rechtlichen Sender ins Haus, inklusive 3Sat, Phoenix und ähnlicher Spartenkanäle. das genügte ihm. Doch ab dem 22. Mai blieb der Fernseher stumm. „Das ist sozusagen der schwarze Kanal“, witzelt Kieschke.

Am 22. Mai erfolgte im nordöstlichen Bereich Niedersachsens die Umstellung von DVB-T auf DVB-T2. 

Am 22. Mai ist, wie der NDR auf IK-Nachfrage erklärt, für das nordöstliche Niedersachsen die Umstellung von DVB-T auf DVB-T2 erfolgt. Die Programme können dadurch nun in HD-Qualität empfangen werden. Der Zuschauer braucht allerdings ein DVB-T2-fähiges Endgerät.

Das war aber noch nicht alles: Die Signale kommen nicht mehr aus Bokel, sondern aus Uelzen, sie haben es damit nun weiter bis zu Kieschkes Antenne – und zu allen anderen Haushalten rund um Wittingen, die auf den terrestrischen Digital-Empfang setzen. Das macht Investitionen nötig, wie der NDR dem IK gegenüber einräumt: „Durch den Wechsel des Senderstandortes von Uelzen-Sprakensehl auf Uelzen-Stadt ist im Bereich Wittingen für den Empfang nunmehr eine Dachantenne erforderlich.“ Das ZDF hat sich, wie der NDR ergänzt, ganz von der terrestrischen Verbreitung seiner Signale in der Region verabschiedet, sendet weder über Bokel noch über Uelzen, und kommt nur noch über Satellit, Kabel oder Internet ins Haus.

Kieschke fühlt sich als Opfer einer voranschreitenden Technik, die all jene zurücklässt, die nicht ständig nachrüsten: „Dafür zahle ich nun Gebühren. Und man hört immer, dass die Dörfer gestärkt werden sollen. Das Gegenteil ist hier der Fall.“ Den Anteil der Haushalte in Nordostniedersachsen, die von der Umstellung auf DVB-T2 betroffen sind, schätzt man beim NDR auf etwa 5 Prozent.

Kieschke ist im Wittinger Raum kein Einzelfall – der Wittinger TV-Experte Matthias Rönneberg sagt, dass zuletzt viele Kunden wegen derselben Probleme bei ihm vorstellig wurden.

VON HOLGER BODEN

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