Ein Knesebecker sorgt sich, dass mancher das Chipsystem ausnutzen könnte

Mülltourismus? Der Abfall der Anderen

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Knesebeck. Zigarettenschachteln, Pickelcreme, Zahnpflegemittel, dazwischen weitere leere Verpackungen und diverser anderer Abfall: Es war nicht der appetitlichste Job, den Heinrich-Rolf Eberhardt und seine Ehefrau kurz vor dem jüngsten Müllabfuhr-Termin in Knesebeck zu erledigen hatten.

Ein Raucherhaushalt, in dem man gerne knabbert und Gesichts- und Zahnpflege betreibt: Echte Hinweise auf die Herkunft des unerwünschten Müllsacks hat Heinrich-Rolf Eberhardt nicht gefunden. Der Knesebecker entsorgt ungern den Müll anderer Leute.

Aber beide wollten doch gern wissen, wer ihnen denn ungefragt einen prall gefüllten schwarzen Müllsack auf ihre schwarze Tonne gelegt haben könnte. Und so suchten sie in dem großen Beutel nach Hinweisen. Fündig wurden sie nicht. „Ich hätte schon gern gewusst, wer seinen Müll bei fremden Leuten entsorgt“, sagt Eberhardt. Er berichtet, dass die Müllabfuhr den Extra-Abfall auf seiner Tonne zwar mitgenommen habe, dass er aber dafür nun bezahlen müsse – die Mitarbeiter hätten den Sack „eingebongt“. Der Knesebecker fürchtet nun, dass das neue Chipsystem, bei dem Haushalte Müllgebühren sparen können, wenn sie ihre Tonne nicht so oft an die Straße stellen, zu solcher Art von Mülltourismus verleiten könnte.

Antje Präger, Leiterin des Fachbereichs Umwelt beim Landkreis Gifhorn, geht allerdings davon aus, dass es vor Ort ein Missverständnis gab: Der schwarze Sack müsse offiziell erworben werden, für 4 Euro pro Stück. Der Fahrer des Müllwagens habe den Vorgang vermutlich lediglich elektronisch registriert, jedoch nicht, um Eberhardt die Mitnahme in Rechnung zu stellen. Präger vermutet, dass durch geänderte Abfuhrtage und viel Weihnachtsmüll vielleicht bei einem Haushalt ein Entsorgungsproblem aufgetreten sein könnte. Oder wollte sich jemand die Leerung der eigenen Tonne sparen? Solo-Säcke werden laut Präger nicht mitgenommen, nur in Verbindung mit einer Tonne. Sparen könne man aber nicht, wenn der Sack erst einmal gekauft ist – denn der sei teurer als die einmalige Tonnen-Leerung. Dass das neue Abfuhrsystem besonders zum Tricksen verleitet, glaubt die Fachbereichsleiterin nicht – solche Vorfälle habe es auch beim bisherigen System schon gegeben.

Bürger, die Opfer von Mülltourismus werden oder solchen beobachten, können das dem Landkreis unter (05371) 820 melden. Die Verursacher der Ordnungswidrigkeiten müssen mit Bußgeldern in Höhe von einigen hundert Euro rechnen – je nach Menge und Art des Abfalls.

Von Holger Boden

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