Zombies: Vortrag im Junkerhof beleuchtet früheren Aberglauben in der Region

Tot – aber nicht tot genug?

Dieser Leichnam einer 30- bis 39-jährigen Frau wurde mit einer Sichel „gesichert“, um ihre Rückkehr zu verhindern.
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Dieser Leichnam einer 30- bis 39-jährigen Frau wurde mit einer Sichel „gesichert“, um ihre Rückkehr zu verhindern.

Wittingen. Vampire und Zombies – seit mindestens zehn Jahren gibt es kein Entkommen vor ihnen, zumindest, wenn man die Fernsehzeitung oder das Kinoprogramm aufschlägt. Und ob „Herr der Ringe“ oder Dracula: Die Untoten gehören nicht erst seit dem 21. Jahrhundert zur Popkultur.

Die historischen Hintergründe der Beschäftigung mit den Wiedergängern präsentiert ein Experte nächste Woche an einem schaurig-schönen Spätherbst-Abend im Junkerhof.

Daniel Nösler

Daniel Nösler kommt am Dienstag, 14. November, auf Einladung der Gifhorner Kreisarchäologie nach Wittingen. Sein Vortrag „Untote – Wiedergänger – Vampire. Die Archäologie der lebenden Toten“ beginnt um 20 Uhr (Eintritt frei) und ist Teil der Veranstaltungsreihe „Archäologie im Landkreis Gifhorn und Umgebung“.

Nösler ist Kreisarchäologe in Stade und hat sich nicht zuletzt für ein Buchprojekt intensiv mit der uralten Furcht vor Untoten befasst. Und damit auch mit Bräuchen, die damit zu tun haben, dass man einem Toten die Rückkehr maximal erschweren wollte – und die sich zum Teil noch heute in der Bestattungskultur niederschlagen: „Dass Schließen der Augen und des Mundes gehört zum Beispiel dazu“, sagt Nösler. „Und man trug einen Leichnam schon immer mit den Füßen voraus aus der Tür – damit er nicht zurückblicken konnte.“

In Krisenzeiten konnte sich die Angst vor den Toten zur Hysterie ausweiten. Zum Beispiel, so Nösler, nahm man bei einer Pest mitunter an, dass die schon bestatteten Toten die Lebenden aus dem Grab heraus schädigen. Man grub sie wieder aus – und steckte sich so erst recht an. Vor dem Hintergrund solcher Denkweisen ist es zu erklären, dass Maßnahmen ergriffen wurden, die heute als Leichenschändung gelten würden. Tote wurden gepfählt oder im Grab mit Steinen beschwert, damit sie ja nicht wieder aktiv werden konnten.

Der Archäologe Nösler kennt historische Quellen, die belegen, dass derartige Bräuche auch in der Lüneburger Heide und im Wendland weit verbreitet waren. Bei Növenthien seien solche Riten anhand von Grabstellen nachgewiesen. Und der Gifhorner Nordkreis? Direkte Nachweise kennt Nösler hier nicht – es gebe aber keinen Grund anzunehmen, dass die Menschen im Isenhagener Land von solchem Aberglauben früher unbeleckt blieben.

Von Holger Boden

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