Landwirten drohen Verluste

A 39: Flurbereinigungsverfahren laufen an – Glüsinger Starttermin im Januar

Die Karte des Amtes für regionale Landesentwicklung zeigt das 386 Hektar große Gebiet, das in der Glüsinger Gemarkung von der Flurbereinigung betroffen ist. An der B 244 treffen die A 39-Planungsabschnitte 5 und 6 aufeinander.
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Die Karte des Amtes für regionale Landesentwicklung zeigt das 386 Hektar große Gebiet, das in der Glüsinger Gemarkung von der Flurbereinigung betroffen ist. An der B 244 treffen die A 39-Planungsabschnitte 5 und 6 aufeinander.

Glüsingen. Für den Bau der knapp 100 Kilometer langen A 39 zwischen Wolfsburg und Lüneburg wird mit einem Flächenverbrauch von mehr als 500 Hektar kalkuliert – das macht in den Gemarkungen entlang der Trasse überall Flurbereinigungsverfahren nötig.

Der Grundgedanke dabei ist, den Landverlust auf mehrere Schultern zu verteilen und die Nachteile für landwirtschaftliche Betriebe nach Möglichkeit zu mindern. Dr. Hermann Meyer, Flächenbesitzer aus Glüsingen, fürchtet, dass auf Landwirte trotzdem zum Teil hohe Verluste zukommen könnten.

Der 72-Jährige ist pensionierter Forstbeamter und selbst Besitzer einiger Flächen – und agiert für den Glüsinger Bereich als Ansprechpartner der Flurbereinigungsbehörde. Das ist das Amt für regionale Landesentwicklung Braunschweig (ArL).

Dr. Hermann Meyer blickt auf eine Planungsskizze, die den Verlauf der Autobahn bei Glüsingen darstellt. 

Meyer verweist nun darauf, dass Ersatzflächen für Landwirte derzeit rar sind und entsprechend hoch gehandelt werden: „Die Krux ist, dass die Behörde gehalten ist, nach Bodenrichtwerttabellen zu rechnen.“ Die dort genannten Preise entsprächen aber in der Regel nicht den aktuellen Verkehrswerten. Dem Vernehmen nach würden momentan 3 Euro pro Quadratmeter aufgerufen, tendenziell auch mehr. Wer also mit 2,50 Euro entschädigt werde und für 3,50 Euro neu kaufen müsse, der mache bei einer Fläche von 5 Hektar einen Verlust von 50.000 Euro.

Ein Rechenbeispiel, das die Dimensionen illustriert, in denen gedacht wird, wenn in den nächsten Monaten Behördenvertreter und Landwirte an einen Tisch kommen. „Man kann die Nachteile abmildern, aber nicht verhindern“, weiß Meyer. Verweigern können die Flächenbesitzer sich nicht, denn nach § 19 des Bundesfernstraßengesetzes sind auch Enteignungen zulässig, damit die Autobahnplaner an die gewünschten Grundstücke kommen. Bis zu 5 Prozent der Fläche dürfen pro Eigentümer üblicherweise – gegen Entschädigung – eingezogen werden.

Für die Betroffenen in der Glüsinger Gemarkung hat das ArL jetzt den sogenannten Aufklärungstermin für die Flächenbesitzer und Erbbauberechtigten anberaumt: Donnerstag, 17. Januar, 17 Uhr, Hotel Nöhre. Das Verfahrensgebiet umfasst 386 Hektar außerhalb des Ortes und betrifft 82 Eigentümer. Diese werden sich 2019 als Teilnehmergemeinschaft (Körperschaft öffentlichen Rechts) aufstellen.

Gerade für den Bereich Glüsingen sieht Meyer eine besondere Problematik: Durch die Flurneuordnung nach dem Bau des Elbe-Seitenkanals seien „günstige Schlagstrukturen“ geschaffen worden, die von der A 39 nun „diagonal zerschnitten“ werden. Wege, Gewässer und Beregnungsleitungen werden abgetrennt. Die Gespräche über den Neuzuschnitt und neu anzulegende Verbindungen dürften also komplex werden. Meyer erwartet eine „mühsame Suche nach Kompromissen“.

Die lange dauern kann. Bis zum Ende eines Flurbereinigungsverfahrens können 10, vielleicht auch 20 Jahre ins Land ziehen. Die eigentlichen Planungen für den Autobahnbau beeinflusst das nicht: Für einen Baubeginn muss die Flurbereinigung nicht erledigt sein.

Von Holger Boden

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