Zankapfel der Wittinger Politik

Boitzenhagener Dorfgemeinschaftshaus: 64.000 Euro und die Kostenkontrolle

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Richtfest Mitte 2014 – da war die Welt noch in Ordnung. Trotz reichlich Eigenleistung wird die Sanierung in Boitzenhagen teurer als erwartet.

bo Boitzenhagen. Wenn heute Abend der Wittinger Stadtrat den Nachtragshaushalt beschließen will (19 Uhr, Rathaus), dann stehen im Entwurf auch 64 000 Euro, die noch benötigt werden, um die Sanierung des Boitzenhagener Dorfgemeinschaftshauses abzuschließen.

Für die CDU war das am Dienstagabend im Finanzausschuss Anlass, dem Zahlenpaket nicht zuzustimmen – von den Christdemokraten kommt nach wie vor scharfe Kritik an der Vorgehensweise bei dem Projekt.

Für das Vorhaben waren mal 308 000 Euro eingeplant, plus 90 000 Euro an Eigenleistungen. Inzwischen sind, wie die CDU vorrechnet, aus städtischen Mitteln 326 000 Euro ausgegeben, weitere 64 000 sollen nun folgen. Eigentlich wird sogar mit einem Zusatzbedarf von 98 000 Euro kalkuliert, doch davon sollen weitere 34 000 Euro über Eigenleistungen aufgefangen werden.

Man erkenne das Engagement der Boitzenhagener Dorfgemeinschaft an und wolle eine Fertigstellung, sagte Jörn Wolter (CDU). Doch sehe seine Fraktion „die Gefahr eines Präzedenzfalls“, wenn für das Projekt immer weiteres Geld nachgereicht werde. Sein Parteikollege Henning Lütkemüller verwies auf 6100 Euro, die für Arbeiten im Schießstand verwendet worden seien, der gar nicht zum Planungsumfang gehört habe – und stellte die Frage, ob nun nicht auf eine Akustikdecke für 17 000 Euro verzichtet werden könne.

Hans-Heinrich Koch (SPD) sagte, Estricharbeiten im Schießstand seien aus Gründen der Praktikabilität „mitgemacht“ worden, das Ganze sei aber kostenneutral, weil die Bürger im Gegenzug Isolierungsarbeiten übernommen hätten. FWG-Chef Dr. Thomas Weiland betonte wie auch Koch, man behandele das Boitzenhagener Projekt „wie alle anderen“ – auch andernorts sei finanziell schon nachgelegt worden. Er fürchte, das Vorhaben werde nun „zerredet“. Ähnlich sein Fraktionskollege Klaus Palluck, Ortsvorsteher in Boitzenhagen: „Wie oft wollen wir das noch diskutieren?“

Darauf entgegnete Uwe Hoppmann (CDU), es sei „schon diskussionswürdig“, wenn man bei der Sanierung eines vorhandenen Gebäudes inzwischen inklusive Eigenleistungen über 500 000 Euro liege.

Fraktionsübergreifend wurden Vorwürfe laut, die Kostenkontrolle habe nicht funktioniert. Das gestand Stadtbürgermeister Karl Ridder zu: „Die Kostenkontrolle war verwaltungsseitig nicht exakt genug, das muss ich einräumen.“ Der mit dem Projekt beauftragte Architekt war nach dem Beginn des Vorhabens verstorben.

Auf Fragen aus der CDU, was passiere, wenn die 64 000 Euro auch nicht reichen sollten, sagte SPD/FWG-Gruppensprecher Koch: „Dann wird sich die Gruppe schwertun, weitere Mittel zu bewilligen.“

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