300.000 Euro in der Schwebe

Nachforderungen für Klärbecken: Wasserverband und Baufirma weiter uneins

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Über das Setzen der Spundbohlen ist man beim Bau des neuen Nachklärungsbecken schon längst hinaus. Im März soll der Bau abgeschlossen sein.

Wittingen. Ein Ende ist nun endlich in Sicht: Nach zwischenzeitlichen Problemen zwischen dem Auftraggeber Wasserverband und der ausführenden Baufirma sowie Verzögerungen, gehen die Bauarbeiten am neuen Nachklärbecken an der Wittinger Kläranlage wieder relativ planmäßig voran. Sie sollen voraussichtlich Anfang März abgeschlossen sein.

Das teilte jetzt Andreas Schmidt, Geschäftsführer des Gifhorner Wasserverbandes, mit. Eine Fertigstellung zu diesem Zeitpunkt würde dennoch eine Verzögerung von 20 Wochen bedeuten.

Und auch finanziell ist trotz der nun etwas entspannteren Situation noch längst nicht alles geklärt. Denn die Baufirma hat bedeutende Nachforderungen in Höhe von rund 300 000 Euro gestellt, die der Wasserverband allerdings nicht anerkennt. „Wir sind sicher, dass es für die Nachträge keine rechtliche Grundlage gibt“, sagt Schmidt, der nicht ausschließt, dass die Sache vor Gericht geklärt werden muss. „Es kann sein, dass die Baufirma einen Rechtsstreit anstrebt. Wie die Sache am Ende ausgeht, wissen wir deshalb noch nicht.“

Aus der Sicht der beauftragten Firma Hofschröer aus dem Emsland sind die Nachforderungen durchaus berechtigt. Denn: „Bei den Gründungsarbeiten hat es aufgrund von unvorhersehbaren Bedingungen im Boden erhebliche Schwierigkeiten gegeben, die Gründungsebene für das Nachklärbecken und die Tiefengründung herzustellen“, erklärt Oberbauleiter Thomas Budden. Die vor Vertragsabschluss vom Wasserverband zu Verfügung gestellten Unterlagen, wie Bodengutachten oder Leistungsbeschreibung, hätten die realen Verhältnisse nicht korrekt wiedergespiegelt, so Budden. Das sei auch der Grund für die zeitlichen Verzögerungen beim Bau des Nachklärbeckens.

Insgesamt habe der Auftrag bei der Firma Hofschröer mittlerweile für ein Minus von etwa 361 000 Euro gesorgt. Budden: „Die zusätzlich entstanden Kosten aus den unserer Meinung nach bauseitig zu vertretenen Behinderungen sind somit bislang allein von uns gezahlt worden.“ Ein Gerichtsverfahren schließt auch der Familienbetrieb deswegen nicht aus, will aber zunächst auf eine außergerichtliche Einigung mit dem Wasserverband setzen, teilt Budden mit. Rechtsstreit oder nicht: Sollte der Wasserverband die Nachforderungen begleichen müssen, würde das die Verbraucher belasten.

Bisher allerdings ist es laut Schmidt zu noch keiner relevanten Kostenüberschreitung bei dem insgesamt mit 855 000 Euro bezifferten Projekt gekommen. Lediglich einer Nachforderung der Baufirma in Höhe von etwa 6000 Euro sei der Wasserverband nachgekommen.

Glimpflich kam der Wasserverband auch in Sachen Fördergelder davon. Durch die Verzögerungen am Bau habe man einige Förderfristen verpasst. Durch erklärende Gespräche mit der zuständigen Bank habe man aber letzlich 75 000 Euro der Fördermittel, die ursprünglich bei 93 000 Euro liegen sollten, „retten“ können, so Schmidt. Dass der Wasserverband versuchen wird, sich die Differenz von 18 000 Euro von der Baufirma zurückzuholen, sei nicht ausgeschlossen.

Mittlerweile, so Schmidt, gebe es am Vorgehen der Baufirma allerdings nichts mehr zu kritisieren. Derzeit laufen die Arbeiten für das Verfüllen der Baugrube sowie der Einbau der Rohrleitungen. Danach sollen das Schlammpumpwerk und die Maschinentechnik installiert werden. Inzwischen ist das Nachklärbecken komplett betoniert und erfolgreich auf seine Dichtheit überprüft worden. „Das ist eine Fachfirma mit guten Referenzen und das zeigt sie jetzt auch“, sagt Schmidt.

Von Steffen Schmidt

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