Wesendorf: Manuel Eisbrenner über Start-up-Schwierigkeiten

„Wirklich harte Zeit“

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Bis die ketogenen Backwaren im Wesendorfer Edeka-Markt angeboten werden konnten, musste Manuel Eisbrenner mit seinem Start-up-Unternehmen einige Hürden nehmen.

Wesendorf. Aller Anfang ist schwer. Besonders, wenn man im ländlichen Raum ein Startup-Unternehmen gründen will. Diese Erfahrung hat Manuel Eisbrenner in Wesendorf gemacht. Mit seinem Unternehmen „Keto-Up“ will er Lebensmittel für ketogene Ernährung vermarkten.

„Das war eine Riesenherausforderung“, bilanziert Eisbrenner heute. „Echt hart.“

Der Grundstein für die Unternehmensidee war früh gelegt: „Als Jugendlicher war ich gegen viele Lebensmittel und Pollen allergisch“, blickt der Geschäftsführer des Wesendorfer Edeka-Marktes zurück. Besuche bei Ärzten und Heilpraktikern brachten langfristig keine Linderung – die Symptome wurden stärker, neue Krankheitsbilder kamen hinzu. „Dann bin ich auf das Thema Ernährung gestoßen“, so Eisbrenner. „Von einem Tag auf den nächsten habe ich Zucker und Weißmehl komplett weggelassen. Das schlug an.“ Daraus entstand die Unternehmensidee: „Ich wollte Produkte anbieten, mit denen Menschen eine solche ketogene Ernährung ohne Kohlenhydrate gut mitmachen können, essen können, ohne verzichten zu müssen.“

Was ist „ketogen“? 

Die ketogene Diät ist eine Form der Low-Carb-Ernährung und basiert auf einer fettreichen und extrem kohlenhydratarmen Lebensmittelzufuhr. Durch den Kohlenhydratmangel verbrennt der Körper vermehrt Fett als Energielieferanten.

Konkret geworden ist diese Vorstellung dann im September 2016. „Ich habe begonnen, mich aus dem Tagesgeschäft zurückzuziehen, weil ich mich der Unternehmensgründung widmen wollte. Das hat anfangs nur ganz schlecht geklappt.“ Dazu kamen Kontaktaufnahmen und Verhandlungen mit einer italienischen Firma. „Das hat aber leider auch nicht funktioniert.“ Parallel dazu hat Eisbrenner einen Onlineauftritt für seine Firma entwickelt und auch dazu Partner gesucht. Außerdem war die größte Hürde noch nicht genommen: Es fehlte ein Lieferant. „Das war eine wahnsinnig harte Zeit, sieben Tage die Woche reichen da kaum aus, um das alles zu stemmen“, so Eisbrenner. „Und das hat alles wenig mit dem Tagesgeschäft im Markt zu tun.“

Für diese Front hat Eisbrenner dann aber doch eine Lösung gefunden. „Der Schlüssel zum Erfolg liegt ganz klar im Personal. Ich habe einen neuen Marktleiter gefunden und ein ganz tolles Team. Dadurch konnte ich mich auf Keto-Up konzentrieren.“

Denn im April wurde das Unternehmen aus der Taufe gehoben, Mitte des Jahres war dann auch ein Lieferant für ketogene Backwaren gefunden. „Eigentlich hatte ich vorgehabt, schon im Mai die ersten Waren im Regal stehen zu haben. Es hat aber alles viel länger gedauert als geplant – und so ist es erst im November was geworden“, blickt der Unternehmer zurück. „In der Regel geht einfach alles schief, was man sich so vorstellen kann. Eine Sieben-Tage-Woche ist Standard. Eine wirklich harte Zeit. Aber ich habe in dieser Zeit auch sehr viel gelernt.“ Ihm seien natürlich auch oft Zweifel gekommen. „Manchmal ist man ja Gefangener seines eigenen Konstrukts. Aber man muss einfach durchhalten.“

Nun stehen die ketogenen Backwaren als Testlauf im Wesendorfer Edeka-Markt. Auch im Markt seines Vaters in Weyhausen hat Eisbrenner die Produkte getestet. „Dort sind sie mittlerweile fester Bestandteil des Sortiments. Aber auch, wenn die Kaufkraft hier im Nordkreis geringer ist und die Produkte noch vergleichsweise teuer sind, werden sie auch hier gekauft.“ Der Testlauf soll noch weiterhin andauern und auch auf andere Märkte ausgeweitet werden. „Aber momentan müssen wir etwas vorsichtiger mit den Ergebnissen sein, die Weihnachtszeit ist nicht unbedingt repräsentativ für solche Produkte“, sagt Eisbrenner schmunzelnd.

Geplant ist außerdem die Erweiterung des Angebots. Neben Backwaren und Nudeln kann sich Eisbrenner gut vorstellen, auch ketogene Aufstriche oder Snacks anzubieten. „Aber das muss intensiv vorbereitet und vorfinanziert werden.“

Von Dennis Klüting

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