Ummern: Erika Bertram gehört zu den 160 Damen der Gifhorner Jägerschaft / Domäne wird langsam aufgebrochen

„Wir werden von Männern ernst genommen“

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Die Jägerschaft Gifhorn hat insgesamt 1870 Mitglieder. Davon sind 160 Jägerinnen. Obwohl die Männer noch dominieren, fühlen sich die Frauen ernst genommen.

Ummern. Sie ist 68 Jahre alt und Jägerin aus Leidenschaft zur Natur und Tier: Erika Bertram. Vor 30 Jahren hat sie ihren Jagdschein gemacht. „Das war schon sehr exotisch als Frau“, schmunzelt sie. Frauen als Jägerinnen sind auch heute noch in der Minderheit.

„In der Jägerschaft Gifhorn haben wir 1870 Mitglieder. Davon sind 160 weiblich. Das entspricht 8,5 Prozent“, erklärt Bertram, die das Amt der Schriftführerin in der Gifhorner Jägerschaft bekleidet. Schade, wie die Jägerin findet. Der Grund sei für Bertram aber leicht nachzuvollziehen: „Das kommt einfach noch von früher her. Sozusagen aus der Tradition, denn die Jagd war immer eine Männerdomäne. Erst langsam kam dann die ein oder andere Frau hinzu. “.

Dabei sind die rechtlichen Grundlagen gleich. „Wir werden nicht geschont“, spricht Bertram aus Erfahrung. Sie leiste genau die gleiche Arbeit wie ihre männlichen Kollegen. Auch die Ausbildung ist für alle gleich. Den Jagdschein kann man ab 16 Jahren erwerben. „Aber in diesem Alter darf man nur in Begleitung eines Erwachsenen jagen“, gibt sie zu Bedenken, denn mit 16 Jahren sei man als Jungjäger noch nicht strafmündig. Erst ab dem 18. Lebensjahr darf dann an Gesellschaftsjagden teilgenommen werden.

Erika Bertram hat ihr Jagdgebiet in Ummern.

Doch vorher muss der Jagdschein gemacht werden. Das ist unabdinglich, denn auf einem Jäger lastet eine große Verantwortung. „Worte lassen sich zurücknehmen aber eine abgeschossene Kugel ist nicht mehr aufzuhalten“, merkt die erfahrene Jägerin an. Der Kurs sei anstrengend und benötige einiges an Zeit, weil ein großes Pensum absolviert werden müsse. „Er beinhaltete mehrere Fächer, in denen man dann auch geprüft wird“, erklärt Bertram und erinnert sich an ihre Prüfungen zurück.

Darunter fallen zum Beispiel das Schießen: „Eine Kugel hält niemand auf. Dem sollte man sich bewusst werden.“ Auch die so genannte Wildbrethygiene sei wichtig, „denn so lässt sich zum Beispiel überprüfen, ob ein Tier gesund ist. Dabei prüft man die Innereien.“ Ein dritter Teil sei dann die Wildtierkunde. „Schließlich ist es unabdingbar zu wissen, welches Tier man vor sich nun sieht.“ Der Jäger oder auch die Jägerin kennt sich im Revier bestens aus. Dazu wird fleißig geübt. In Reviergängen werden Bräuche verinnerlicht, gelernt wie man Fährten liest, wo sich Tiere zu welcher Zeit aufhalten und vieles vieles mehr.

Für Bertram ist mit dem Jagdschein ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. „Ich wollte schon immer Jägerin sein. Als Kind habe ich alle Bücher über den Wald förmlich verschlungen“, sagt sie. Und es erginge ihr noch immer so. „Es macht mir immer noch Spaß. Wenn man einmal infiziert ist...“, schmunzelt sie und ihre Augen strahlen. Obwohl Bertram in Gifhorn wohnt, hat sie ihren Eigenjagdbezirk in Ummern gepachtet. „Es kann sein, dass ich täglich unterwegs bin, oder auch mal nur dreimal in der Woche.“ Mit dem umfangreichen Wissen aus der Ausbildung schaut sie mit einem ganz anderen Auge „in den Wald und auf die Tiere“.

Übrigens: „Es lässt sich ein leichter Trend erkennen, dass jüngere Frauen den Jagdschein machen“, meint Bertram. Es gebe zwar kein Rezept, Frauen für die Jagd zu motivieren, aber „Viele werden aus ihrem Elternhaus aus geprägt. Sie wachsen damit auf“.

Obwohl „das Verhältnis noch zu Gunsten der Männer liegt“ sieht sich Bertram aber keinesfalls mehr als Exotin in der Jägerschaft: „Wir werden von den Männern ernst genommen.“ Das sei aber eher Nebensache, denn für Bertram zählt die Nähe zur Natur und zu den Tieren. Noch kann sie sich mit ihren 68 Jahren nicht vorstellen, mit der Jagd aufzuhören. „Es liegt im Ermessen eines jeden Jägers. Fühlt man sich nicht mehr fähig für die Jagd, sei es durch ein eingeschränktes Sehen oder durch zitternde Hände, dann sollte man die Waffe lieber zu Hause lassen und einfach nur mit offenen Augen und dem Fernglas durch den Wald gehen“, meint Bertram.

Von Maike Scholz

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