Wahrenholz: Runder Tisch Milch über langfristigen Stromausfall und neue Vorschriften in der Landwirtschaft

Wenn im Kuhstall das Licht ausgeht

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Beim Runden Tisch Milch in Wahrenholz wurde diskutiert, was ein längerer Stromausfall im Kuhstall für Konsequenzen mit sich bringt.

Wahrenholz. 30 Milcherzeuger kamen auf Einladung des Kreislandvolkverbandes Gifhorn in die Wahrenholzer Mühle zum „11. Runden Tisch Milch“ zusammen.

Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen von zukünftigen Bau-, Umwelt- und Naturschutzauflagen sowie Gefahren für die Landwirtschaft von längerfristigen Stromausfällen.

Dazu referierte zunächst Andreas Lindenberg, Bauingenieur der Niedersächsischen Landgesellschaft (NLG) über das Thema „Bauen für die Landwirtschaft mit den Besonderheiten im Bereich von Jauche, Gülle und Silage“. Hierbei werden sich gerade im Bereich des Bauens von Kuhställen weitere Auflagen und Herausforderungen nach der Neufassung der „Technik Regelwerk Sicherheit 792“ (TRwS 792) ergeben, so der Referent. Stallbauten sind Funktionsbauten, deren Einflussnahme von Licht, Luft, Liegefläche, Bewegungsfläche, Futter und Tränkewasser sowie zum Beispiel auch der Milchlogistik und des Kuhverkehrs innerhalb des Stalles eine wichtige Rolle spielen.

„Die Gülle- oder Jauchelagerung, das Futter- und Komponentenlager für hochwertiges, sauberes Futter, die Logistik für die Anlieferung und Zuführung des Futters sowie die Vermeidung von Wasserschäden vor allem des Oberflächen- und Grundwassers sind dabei herausragende Elemente der Bauvorschriften“, sagte Lindenberg. Der Wasserschutz, das Auffangen von Schmutzwasser und die Entsorgung des Schmutzwassers sind dabei Herausforderungen, die nach der TRwS 792 für die bäuerlichen Betriebe eine ganz besondere und komplizierte Herausforderung, verbunden mit sehr hohen Kosten und kaum noch nachvollziehbaren Argumenten verknüpft sind.

Bei der weiteren Entwicklung der bäuerlichen Höfe / Betriebe muss unabhängig von der Größe, dem Gewässerschutz in der Peripherie immer mehr Bedeutung beigemessen werden, schilderte Lindenberg den Milcherzeugern die künftige Situation, was bei den Milchbauern zunehmend auf Kritik stößt, weil die Auflagen kaum noch zu finanzieren sind.

Ferner hörten die Milcherzeuger einen Vortrag von Klaus Ackermeier zu den Gefahren für die Landwirtschaft bei längerfristigem Stromausfall im hiesigen Raum. Der Referent, Oberstleutnant a.D. der Bundeswehr und Leiter des Kreisverbindungskommandos (KVK) der Bundeswehr für den Landkreis Gifhorn, gab Einblick in die Aufgaben des KVK, das im Katastrophenschutzstab des Landkreises angesiedelt ist. Ackermeier machte deutlich, welche Gefahren sich ergeben, wenn der Strom in einem Kuhstall ausfällt und keine Katastrophenvorsorge getroffen worden ist. Das geht vom kurzfristigen Stromausfall über kurzzeitige Spannungsabsenkung, Stromausfall im Kraftwerk bis hin zum mittel- und langfristigen Stromausfall, schilderte Ackermeier Szenarien, die die Milcherzeuger schwer treffen könnten. Was passiert bei einem Blackout im Kuhstall, wenn die Melkanlage nicht mehr funktioniert, die computergesteuerte Fütterungsanlage nicht mehr funktioniert und der Betrieb stillliegt, fragte Ackermeier die Landwirte. „Was haben sie selbst an Vorsorge für einen solchen Fall getroffen?“ Es gebe keine Vorsorgemaßnahmen, wie die Landwirte sagten. Und auch auf Kreisebene denke man nicht an derartige Szenarien, wie der Referent die Lage beurteilte. Ackermeier empfahl den Landwirten, sich selbst durch Notstromaggregate abzusichern.

Von Hans-Jürgen Ollech

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