Wesendorf: Zwei 500-Kilo-Bomben gesprengt / Vier Evakuierungs-Verweigerer

Wasser gegen Splitter

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Der Krater, den eine der beiden 500-Kilo-Bomben gerissen hat.

Wesendorf. Um 11.46 Uhr, nachdem sich der Rauch verzogen hatte, war alles vorbei – ohne größeren Schaden.

Am Sonnabend sprengte das Bombenräumkommando vom Kampfmittelräumdienst Niedersachsen zwei deutsche Fliegerbomben à 500 Kilogramm nahe des Wohngebietes Brutlohs Heide, zirka 750 Meter nordwestlich der B 4, unweit des Hotels Zum Pilz.

Zwei große, fünf Meter tiefe Krater blieben dort zurück, wo zuvor die explosiven Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg mehr als 65 Jahre lang unentdeckt im Kiefernwald unter einem halben Meter Waldboden gelegen hatten. Nur durch puren Zufall während der Sondierungsmaßnahmen bei der vorangegangenen Bombensprengung seien die beiden Flieger-Bomben neben einem ehemaligen Schutzwall für deutsche Kampfflugzeuge entdeckt worden, berichtete Wesendorfs Samtgemeindebürgermeister Walter Penshorn. Zuletzt waren 18 Granaten zu je 50 Kilogramm kontrolliert gesprengt worden (das IK berichtete).

Penshorn und Gemeindebrandmeister Torsten Winter koordinierten gemeinsam mit der Polizei Gifhorn, dem Räumkommando und der DRK-Bereitschaft den Einsatz am Sonnabend. Die betroffenen Anwohner waren aufgerufen, ihre Häuser bis spätestens 8.30 Uhr zu verlassen und die Versorgungsleitungen zu schließen.

Wie aus Feuerwehrkreisen verlautete, weigerten sich vier Personen, ihre Wochenendhäuser zu verlassen. Zum einen hätten sie argumentiert, es passiere sowieso nichts, zum anderen seien dringende Hausarbeiten wichtiger, als evakuiert zu werden. Und eine Bewohnerin, die sich nur an bestimmten Wochenenden in Brutlohs Heide aufhält, gab gegenüber den Einsatzkräften an, noch nicht in ihren Briefkasten geschaut zu haben – sie war gerade unwissend mit ihrem Hund im Waldgebiet unterwegs. Nachdem das betroffene Gebiet dann komplett evakuiert war, sondierten vier berittene Ordnungshüter und ein Polizeihubschrauber, ausgerüstet mit Wärmebildkamera, das Areal, um potenzielle noch unwissende Personen aufzufinden.

Um 11.17 Uhr zündete das Räumkommando – aus sicherer Entfernung in einem gepanzerten Polizeifahrzeug – die erste Bombe mit einem externen Zündmechanismus . Eine knappe halbe Stunde dann die zweite Detonation. Um die zu erwartende enorme Splitterwirkung und Druckwelle zu minimieren, kam ein neues Verfahren zum Einsatz: Die Sprengmeister ummantelten mit zwei Wassermatten à 30 000 Liter die Sprengkörper. Üblicherweise wird sonst feinkörniger Sand verwendet. „Dieser erste Versuch lief, wie von uns erwartet, sehr positiv“, erklärte Thomas Bleyer vom Kampfmittelräumdienst.

Während der Explosionen hielten sich einige Evakuierte in der Mensa der Wesendorfer Europaschule auf. Das DRK versorgte die Leute mit Kaffee, Tee, Weihnachtsgebäck und Gulaschsuppe.

Von Thomas Frankewitsch

Bombensprengung bei Wesendorf

Bombensprengung bei Wesendorf

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