Frust am Wintertag

In Wahrenholz nicht mitgekommen: Erixx entschuldigt sich bei Mann mit Elektro-Scooter

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Der barrierefreie Umbau des Bahnhofs in Wahrenholz sollte im Oktober losgehen, wurde aber verschoben.

Wahrenholz – Ein ehemaliger Nordkreisler mit Behinderung, der heute in Salzgitter wohnt, hadert mit der nicht vorhandenen Barrierefreiheit auf dem Wahrenholzer Bahnhof – und mit der Tatsache, dass eine vom Streckenbetreiber Erixx zugesagte Hilfe beim Einsteigen vom Personal vergessen wurde.

Das Unternehmen bedauert den Vorfall.

Thomas Winkel war im Rahmen der Feiertage in seiner alten Heimat Oerrel, wo seine Mutter wohnt, und wollte am 29. Dezember mit einem Zug ab Wahrenholz nach Salzgitter zurückfahren. Er reiste mit seinem Elektroscooter, mit dem er auch die Strecke von Oerrel nach Wahrenholz zurücklegte. Seit er mit 44 einen Schlaganfall hatte, ist der heute 48-Jährige auf das Gefährt angewiesen, sein Behinderungsgrad beträgt 70 Prozent.

Am 25. Dezember rief Winkel bei Erixx an, um im Vorfeld um Unterstützung beim Einstieg zu bitten – weil der Bahnsteig um etwa 30 Zentimeter tiefer liegt als die Zugkante, kann er dort nicht einfach mit dem Scooter in den Passagierwaggon fahren. Einen Lifter oder eine Rampe gibt es nicht.

„Mir wurde versichert, dass jemand da sein würde, der mir hilft“, berichtet Winkel von dem Telefongespräch. „Jemand hat sich meinen Namen notiert. Aber am Bahnhof war dann niemand zum Helfen.“

Erixx-Sprecher Björn Pamperin bestätigt die Version des Salzgitteraners. „Die Anmeldung ist bei uns eingegangen und wurde im System auch angelegt, das heißt, sie lag den Kollegen im Zug auch vor.“ Leider, so der Sprecher, habe der Lokführer diese Anmeldung aber übersehen, weil er „am Bahnhof ein betriebliches Problem mit der Leitstelle zu klären hatte“. Einen Fahrgastbetreuer habe es auf dem Zug regulär nicht gegeben.

Winkel sagt, er habe vor Ort sogar die Auskunft bekommen, dass man den Scooter gar nicht mitnehmen könne. Jedenfalls kam er nicht in den Waggon – der Zug fuhr ohne ihn ab. Per Scooter ging es für ihn deshalb wieder zurück nach Oerrel, was mit einigen Unannehmlichkeiten verbunden war: „Es war nicht gerade warm. Und der Akku hat gerade so mitgemacht.“ Die Vermieterin seiner Mutter habe ihn dann erneut zum Bahnhof gefahren, damit er einen späteren Zug nehmen konnte. Seinen Scooter ließ er in Oerrel, obwohl er im Alltag eigentlich darauf angewiesen ist.

Winkel äußert nun die Hoffnung, zumindest den Fahrpreis erstattet zu bekommen – auch, um seinen Scooter wieder abzuholen, der noch immer in Oerrel steht. Die Fahrten seien für ihn ein erheblicher Kostenfaktor, das könne er sich „nicht mal eben so“ leisten. An dem betreffenden Sonntag selbst habe er niemanden mehr ans Telefon bekommen, sein Ticket habe er inzwischen bei Erixx eingereicht.

Pamperin sagt: „Wir bedauern den Vorfall sehr, das darf eigentlich nicht vorkommen. Wir können Herrn Winkel nur um Entschuldigung bitten, hier haben wir tatsächlich einen Fehler gemacht.“ Gerne wolle man sich persönlich entschuldigen, leider habe es bisher keinen direkten Kontakt gegeben.

Die gute Nachricht für alle Betroffenen: Pamperin zufolge soll es normalerweise überhaupt kein Problem sein, mit einem Elektro-Scooter für Behinderte im Erixx mitzufahren. Und Zustiegshilfen an den Bahnhöfen seien ein generell möglicher Service für die Betroffenen, die Mitarbeiter seien dafür auch ausgebildet.

VON HOLGER BODEN

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