Unternehmen RWE Dea will stillgelegte Felder reaktivieren / Gemeinde: „Viele haben sich schon die Finger wund gebohrt“

Bald wieder Ölförderung in Wesendorf?

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Das Unternehmen RWE Dea vermutet unter Feldern bei Wesendorf und Leiferde ein Förderpotenzial von insgesamt über 100 000 Tonnen Erdöl.

Wesendorf. Das Unternehmen RWE Dea will stillgelegte Erdölfelder im Landkreis Gifhorn reaktivieren. Das Land Niedersachsen hat dazu eine Genehmigung für die Orte Wesendorf und auch Leiferde gegeben.

„Neue Bohr- und Produktionstechniken sowie der deutliche Anstieg des Ölpreises haben RWE Dea veranlasst, das Potenzial der Altfelder noch einmal zu überprüfen“, erklärt der Unternehmenspressesprecher Derek Mösche auf IK-Anfrage.

Bis in die 90er Jahre prägte die Ölförderung in Niedersachsen durch die Pferdekopfpumpen das Landschaftsbild – auch im Isenhagener Land. Sinkende Fördermengen und ein niedriger Ölpreis führten vielfach zur Einstellung der Produktion.

Bei der Reaktivierung steht das Unternehmen noch ganz am Anfang. Momentan wird laut Mösche ermittelt, ob die erneute Erschließung von Feldern wirtschaftlich durchführbar ist. Das heißt, dass Geologen und Geophysiker Informationen und Quellen interpretieren, um eine mögliche Bohrlokation zu finden. „Derzeit liegen aber noch keine Ergebnisse vor“, sagt Mösche.

Was bedeutet eine eventuelle Förderung für die Gemeinde Wesendorf? „Wir haben immer mal wieder Leute gehabt, die nach Öl gebohrt haben – zum Beispiel in Ummern und zwischen Wesendorf und Wagenhoff“, erklärt der stellvertretende Gemeindedirektor René Weber. Viele hätten sich „die Finger wund gebohrt“, schmunzelt Weber im IK-Gespräch.

Er ist sich nicht sicher, ob Ölfunde in der Gemeinde zu einer reichen Ausbeute für das Unternehmen führen könnten. „Für die Gemeinde wäre das aber sicherlich sehr interessant. Wenn Öl gefunden wird, dann wäre das gut für Einnahmen über die Gewerbesteuer“, sagt er. Auch die Landwirte würden sich freuen, da sie vom Ölfund – ausgedehnt unter ihren Feldern – profitieren würden.

Verstehen kann Weber die Förderungsüberprüfung allerdings nicht: „Eigentlich ist die wirtschaftliche Situation nicht passend. Der Ölpreis liegt doch eher im Keller, also wäre das kein guter Zeitpunkt für eine Förderung.“

Zuvor hatte die RWE Dea im Jahr 2011 Anträge auf zwei Bewilligungen beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie eingereicht. Konzessionen wurden für Leiferde und Wesendorf gewährt, die beide im sogenannten „Gifhorner Trog“ liegen, einem Sedimentbecken, das vor mehr als 200 Millionen Jahren entstand. „Wir vermuten in beiden Feldern ein Förderpotenzial von insgesamt deutlich über 100 000 Tonnen wirtschaftlich förderbaren Erdöls“, meint der Pressesprecher. Zu finden sei das wichtige Speichergestein im Bereich Wesendorf in rund 1000 Metern Tiefe und 1800 Metern Tiefe.

Ob und wo genau Öl in Wesendorf gefördert wird, ist noch offen. „Es steht noch gar nicht fest, denn nun wird zunächst das Gestein untersucht. Die Auswertungen sind noch im Fluss. Wir sind also noch in der Findungsphase mit viel Schreibtischarbeit“, erklärt Mösche. Eine Entscheidung falle in einem Jahr. Fest stehe aber, dass bei einer Bohrung der Umweltschutz im Vordergrund stehe. Ein Fracking-Verfahren sieht Mösche nicht als erforderlich an.

Von Maike Scholz

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