Auf der Überholspur

Wahrenholz: Uwe Blechinger war mehr als 30 Jahre im Motorradsport aktiv

+
Uwe Blechingers Leidenschaft ist der Motorradsport. 30 Jahre lang übte seine Leidenschaft aus. Nun gibt der Wahrenholzer seine Erfahrungen an Jüngere weiter.

Wahrenholz. „Wenn du am Start stehst, pocht das Blut durch die Adern. “ Die Augen von Uwe Blechinger leuchten, wenn er über die Cross-Maschine spricht. Der 67 Jahre alte Wahrenholzer ist noch immer bereit, sich in einem Pulk ganz nach vorne zu kämpfen, bereit zum Sprung am nächsten Sandberg – oder zum Absturz. Und der kam.

Angefangen hatte es 1977 mit Motorrad-Geländesport. Die Zuverlässigkeit des Motorrades und die Ausdauer des Fahrers entschieden die Rennen, weniger die Geschwindigkeit. „Ich fuhr klassische Strecken über rund 80 Kilometer.“ In der B-Klasse der ADAC-Läufe sammelte der Wahrenholzer erste Erfahrungen und gewann 1980 die Norddeutsche Meisterschaft. Später kam der Aufstieg in die A-Klasse. Bald konnte er einen passenden Sponsor finden. Die meisten Läufe waren im Süden des Landes. In der Deutschen Meisterschaft im Geländesport fuhr Uwe 1982 im Rennen mit Erwin Schmider. Der war eine Ikone im Motorrad-Geländesport und elfmal Europameister – ein Rekord, der bis heute von keinem anderen Fahrer erreicht wurde. Im Vergleich mit dem Profi sammelte Blechinger wertvolle Eindrücke. Er arbeitete an seinem Fahrstil, wurde zunehmend besser. Bereits ein Jahr darauf fuhr er in Velstove die Norddeutsche Meisterschaft. 1986 belegte er in der Klasse 2 der Norddeutschen ADAC Geländemeisterschaft den zweiten Platz.

Aufgrund von Auflagen kam es zu vielen Einschränkungen bei den Rennen. Zusätzlich steigende Kosten führten dazu, dass das Interesse am Geländesport zurückging. Auch bei Blechinger. Nach etwa zehn Jahren wechselte er zum Motocross. „Beim Cross gibt es viele Sprünge und hohes Tempo. Der Schnellste darf am Start der Erste sein. Im Vergleich dazu war der Geländesport anspruchsvoller, da die Strecken oft unberechenbar waren und teilweise über öffentliche Straßen gingen.“ Cross fand dagegen auf abgesperrtem, nicht öffentlichem Gelände statt. „Das machte es einfacher.“ Was Blechinger davor nur so nebenbei gefahren war, konnte er nun bei bis zu zwölf Rennterminen im Jahr gezielt ausleben. Seine Körpergröße von knapp 1,70 Meter war beim Motocross eher von Vorteil. Selten war der Hintern auf der Sitzbank. „Der Reiz lag darin, in extremen Situationen mit hohem Tempo zu fahren“, erklärt er dazu.

Seine Familie passte sich den Terminen an. Stollen, Schweiß und Staub begleiteten ihn ständig. Oft auf Achse. Sein Beruf führte Blechinger 1993 ins Ausland. In Südafrika, wo er ein Jahr blieb, nahm er an Rennen in Kapstadt teil. Zurück in Deutschland holte sich Blechinger im Folgejahr den Norddeutschen Meisterschaftstitel im Motocross. Weitere Siege folgten. Ende der 90er Jahre schickte ihn sein Arbeitgeber nach Mexiko. Und auch in dieser Zeit nahm er an seinen freien Wochenenden an Rennen teil. Ihm zu Ehren richteten die dortigen Motorsportfreunde 2001 zum Abschied eine „Campeonato Super Cross“, ein Meisterschaftsrennen, aus.

Die Regale sind gefüllt mit glänzenden Pokalen, Medaillen und Fotografien. Wie viele es sind, weiß er nicht. An die 100 Auszeichnungen mögen es sein. „Pokale sind eine Bestätigung, zu den ersten Fünf im Geländesport oder den ersten Drei im Cross gehört zu haben“, schmunzelt er. „Mir ging es immer darum, die richtige Spur zu finden, um Sekunden herauszuholen.“ Vollgas für den Körper. Natürlich nicht ohne Folgen. Verletzungen hatte er genug. Gebrochene Rippen und die Schulter sind Beispiele dafür.

2010 schafft es Blechinger zum Norddeutschen Motocrossmeister. Mit 60 fuhr er in der Klasse 50 plus. In dieser Klasse fuhr er bis 2012. Auf einer Cross-Strecke über der Rosshöhe bei Westerhausen im Harz versuchte Blechinger sich im ersten Lauf vom sechsten Platz nach vorne zu kämpfen. In der dritten Runde passierte es dann: ein Blackout. Er verlor die Kontrolle über sich und seine Maschine, ließ den Lenker los und stürzte am Hügel rund zehn Meter in die Tiefe. Ein Hirn-Schädel-Trauma beendete seine Karriere. Seitdem musste er lernen vom aktiven Motorsport loszulassen – zurück auf normal.

Aus der aktiven Zeit steht nur die Kawasaki, mit der er den Unfall hatte, in der Garage. Sie hat kaum etwas abbekommen. Beim Motocross Club Helmstedt gibt Blechinger Erfahrungen und Tipps an jüngere Fahrer weiter. Dort dreht er noch die eine oder andere Trainingsrunde.

Von Tobias Tantius

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare