Großer Weidekampsee: Weitere Maßnahme nach Einrichtung von Flachwasserzonen

12 Tonnen Holz für die Artenvielfalt

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Mit schwerem Gerät wurden die über 300 Kilogramm schweren Totholzbündel am Sonntag im Großen Weidekampsee bei Weißenberge versenkt.

Westerholz. Im dritten Anlauf hat es geklappt. Das Totholz liegt nun auf dem Grund des großen Weidekampsees.

„Nun mussten wir es machen, sonst wäre es zu spät geworden“, sagte Kerstin Fritsche, Vorsitzende des Vereins für Fischerei und Gewässerschutz (VFG) Schönewörde und Umgebung, am Sonntag. Denn dann war sie mit vielen ehrenamtlichen Helfern aus dem Verein am vereinseigenen Baggersee in der Gemarkung Westerholz, gleich in Sichtweite von Weißenberge. Zweimal musste der Termin verschoben werden, weil eine Eisfläche das Einbringen der Hölzer verhinderte.

VFG-Vorsitzende Kerstin Fritsche (l.) und ihre Helfer trotzten der eisigen Kälte.

Nun brachten die Helfer 70 jeweils 320 bis 350 Kilogramm schwere, mit 180 bar gepresste Bündel aus Hainbuche, Hasel und Birke, von den Landesforsten zur Verfügung gestellt, in die Uferregionen des Großen Weidekampsees. „Damit wollen wir eine Struktur im See schaffen, die nicht vorhanden ist, da es sich um einen Baggersee handelt. Die Uferregion fällt steil ab“, erklärte Fritsche. Nicht ausreichend sei das für eine üppige Artenvielfalt. Mit den Holzballen soll Fischen, vor allem den Jungfischen, eine Deckungsmöglichkeit gegeben werden. Zudem erhofft man sich eine größere Artenvielfalt von Amphibien, Vögeln, Insekten wie Libellen und anderen Tieren, für die der Baggersee bisher nicht das geeignete Ökosystem gebildet hat. „Mehr Fischarten wird es allerdings nicht geben“, erklärte Dr. Thomas Klefoth, Verbandsbiologe des Anglerverbands Niedersachsen, der das Projekt wissenschaftlich begleitet. Denn weitere Fischarten kommen ohne Zulauf nicht in den See.

Wohl aber können sich die Zahlen der vorhandenen Fischarten verändern. Das will man in den kommenden sechs Jahren beobachten, mittels Elektrofischerei. „Auf einer Standardstrecke werden die Frische elektrisch kurzzeitig betäubt, gezählt, bestimmt, gewogen, und dann schwimmen sie weiter“, erklärt Klefoth. Vor allem der Hecht sollte von der Maßnahme profitieren, weil die Junghechte sich vor ihren eigenen Artgenossen in Sicherheit bringen können. Ein Fischbesatz durch die Angler darf es in den kommenden Jahren nicht geben.

Beschwert wurden die Totholzballen mit Sandsäcken. „Die Säcke und die Schnürbänder sind aus verrottbarem Sisal, die Steine stören auch nicht“, so Klefoth. Insofern bleibt alles auf dem Grund des Sees, wie er erklärte. Der Große Weidekampsee ist der achte See in Niedersachsen, bei dem diese Untersuchung vorgenommen wird. Nicht nur am Sonntag war ein studentisches Filmteam zur Dokumentation vor Ort. Auch die weiteren Arbeiten sind Stoff für einige Doktorarbeiten. Insgesamt lassen sich zwei Bundesministerien das Projekt 1,9 Millionen Euro kosten. Auch die Angler des Vereins leisten einen finanziellen Beitrag, zusätzlich zu ihrer Arbeit.

„Die ganze Aktion hat wunderbar geklappt“, freute sich Klefoth. „Wir haben alles gut geschafft.“ Noch bis 2021 wird der Erfolg des Projekts im See kontrolliert. „Wir haben ein engmaschiges Monitoring-Netz“, erklärte der Biologe. „Damit können wir die Entwicklung bei Fischen, wirbellosen Tieren und Amphibien im Auge behalten und mit den Werten vor der Maßnahme vergleichen.“

Von Burkhard Ohse und Dennis Klüting

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