„Win-Win-Lösung“ soll her

Teichgut: Fischwirt Werner Nabein bangt um Zukunft seines Betriebs

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Fischwirt Werner Nabein möchte mehr Flexibilität, wenn seine Fischteiche zum Landschaftsschutzgebiet werden sollen. „Wir können nicht jeden nötigen Handgriff erst mit den Behörden absprechen.“

Teichgut – In den Fischteichen von Werner Nabein in Teichgut gedeihen nicht nur Karpfen: Auch seltene Wasserpflanzen haben sich dort entwickelt. Der Landkreis Gifhorn will das 54 Hektar große Gebiet zum Landschaftsschutzgebiet (LSG) machen.

Für Nabein ist das prinzipiell kein Problem – doch einige konkrete Punkte der entsprechenden Verordnung bereiten ihm große Sorgen.

Das Verfahren ist komplex, die Gespräche laufen bereits seit Jahren. Die Besonderheit in diesem Fall: Der schützenswerte Zustand wurde durch die Bewirtschaftung der Teichanlagen verursacht – entsprechend ist sie essenziell für das Schutzgebiet. Nabein erklärt das so: „Der ‘Ist-Status’ soll fixiert werden.“ Dies sei aber aus seiner Sicht so nicht machbar: „Wir können nicht jeden nötigen Handgriff erst mit den Behörden absprechen.“ Darauf könnte es aber hinauslaufen: „Bauliche Anlagen an den Teichen im Landschaftsschutzgebiet sind zwar grundsätzlich verboten, aber über eine Ausnahme oder eine Befreiung genehmigungsfähig, wenn sie den Charakter des Gebietes nicht verändern“, teilte Gifhorns Kreisrat Mirco Schmidt auf IK-Anfrage mit. Die dem Restaurant nächstgelegenen Teiche sowie die Hof- und Gebäudeflächen seien aus dem LSG herausgenommen worden. Für Nabein ist das nur bedingt hilfreich. „Die Grenzen damals sind unsauber gezogen worden, eine Korrektur war nicht mehr möglich“, kritisiert er. „Und es wurde kein Millimeter zur Entwicklung gelassen.“

Ein anderes Problem ist die Wirtschaftlichkeit. „Für die Direktvermarktung würde eine Bewirtschaftung von zehn Hektar ausreichen“, sagt Nabein. Rein finanziell müsste er eine Teilstilllegung der Flächen in Betracht ziehen. „Es fehlt einfach ein Konzept, wie man die ganze Anlage als Landschaftsschutzgebiet zukunftsfähig betreiben kann“, sagte der Fischwirt.

Landkreis versucht zu vermitteln

Auch der Landkreis hat dieses Problem erkannt. „Der Landkreis hat mehrfach und intensiv mit dem Landwirtschafts- und dem Umweltministerium Kontakt gesucht, um analog zu den Regelungen für Grünland und Wald in Naturschutzgebieten auch einen Erschwernisausgleich für traditionelle Karpfenwirtschaften zu schaffen. Diese Initiative wurde abschlägig beschieden“, führt Schmidt aus. Als Resultat auf einen weiteren Vorstoß beim Ministerium stellte der Landkreis einen Antrag auf Förderung von Pflegemaßnahmen analog der Maßnahmen in Naturschutzgebieten. Ein Ergebnis liegt laut Schmidt aber noch nicht vor. „Das Ziel ist es gerade nicht, dass Herr Nabein den Betrieb aufgibt, sondern dass es eine Lösung gibt, die sowohl den Belangen des Naturschutzes als auch den Belangen des Eigentümers und Betreibers der Fischwirtschaft dient“, so der Kreisrat.

„Allein die Arbeitskosten für die Pflege betragen pro Jahr rund 66 000 Euro – ohne den Fischbestand“, führt Nabein aus. Dies habe er durch einen unabhängigen Gutachter ermitteln lassen. „Und ‘weitermachen wie bisher’ bedeutet, dass ich keine Anpassung am Markt mitmachen kann. Das wäre für jeden landwirtschaftlichen Betrieb der Tod.“

Nabeins Ziel: Mehr Flexibilität

Nabein erkennt die Bemühungen des Landkreises an, sieht sich aber auf Landesebene hängengelassen. „Die konstruktiven Dialoge der letzten Jahre sind ins Leere gelaufen.“ Die aktuelle Fassung sei für ihn nicht akzeptabel. Er hat sich Rechtsbeistand genommen und will mit dem Landesfischereiverband gegen die Verordnung vorgehen – möglicherweise auch vor Gericht. Seine Ziele für Veränderungen der Verordnung: Mehr Flexibilität bei der Gestaltung des Geländes, mehr Möglichkeiten, Marktentwicklungen mitzumachen sowie langfristige Perspektiven. „Wir können gerne zwei Teiche im Norden noch in das Landschaftsschutzgebiet mit aufnehmen und dafür aber an der Straße Entwicklungsraum schaffen“, so Nabein. Außerdem wünsche er sich eine größere Beteiligung an den Kosten für die Pflege. „Es muss sich doch eine Win-Win-Lösung finden lassen.“

VON DENNIS KLÜTING

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