Familie wirft unterlassene Hilfeleistung vor – Oberschule weist Vorwürfe zurück

Wesendorf: Streit nach Schlägen auf dem Schulhof

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Nach mehreren Auseinandersetzungen hat nun eine Familie Anzeige gegen die Schulleitung der Wesendorfer Oberschule erstattet. Diese wiederum weist die Vorwürfe vehement zurück. 

Wesendorf – Mobbing, Böller und eine Schlägerei: alles Faktoren in einem Streit zwischen der Familie der Schülerin L. (15) und der Schulleitung der Oberschule Wesendorf.

Die Familie hat nun die Schulleitung verklagt: Sie soll Hilfeleistung unterlassen haben, nachdem L. von einer Mitschülerin zusammengeschlagen worden sei. Die Schulleitung weist die Vorwürfe vehement zurück.

Schon die Vorgeschichte weist einige Zwischenfälle auf: So wurde L. vor rund einem Jahr vor sechs Wochen des Unterrichts verwiesen, da sie von einem Lehrer mit einem Böller erwischt wurde. Laut L. war ihr dieser nur wenige Sekunden zuvor von einem Mitschüler zugesteckt worden. Die Schule behauptet dagegen, L. habe den Böller zünden wollen.

Nach einer unerlaubten „Spritztour“ im Wagen ihrer Eltern hatte L. die Namen ihrer vermeintlichen Freunde genannt – seitdem sei sie von den entsprechenden Mitschülern gemobbt worden, so die Familie. Dies gipfelte in einer Schlägerei mit einer Mitschülerin. L. wurde dabei angespuckt, die Angreiferin schlug ihr ins Gesicht, trat ihr in den Bauch, riss ihr Ohrringe heraus und biss ihr in den Daumen. Schließlich ging eine Lehrerin dazwischen.

Laut L. durfte sie ihre Mutter nicht anrufen. Weder Arzt noch Krankenwagen seien von den Lehrern oder der Schulleitung alarmiert wurden. L. gelang es dennoch, ihre Mutter zu benachrichtigen, die umgehend mit Polizei und Rettungswagen an die Schule kam. Sie wirft der Schulleitung unterlassene Hilfeleistung vor und hat auch eine entsprechende Anzeige erstattet.

Die Leitung der Oberschule weist die Vorwürfe vehement zurück. L. habe ihre Mutter anrufen dürfen und selbst nur um ein Pflaster gebeten. L. wurde in einen Trainingsraum gebracht, um sie räumlich von dem anderen Mädchen zu trennen. Zuvor sei L. von der anwesenden Lehrerin, der Schulleiterin, der Sekretärin und der Sozialpädagogin in Augenschein genommen, ihre Verletzungen seien als nicht so schwer eingestuft worden. Anders, als L. und ihre Mutter es darstellen, habe es außerdem Gespräche zu dem Vorfall mit den Beteiligten gegeben.

Wenige Tage nach der Schlägerei gab es einen erneuten Zwischenfall: Ein Böller explodierte an der Oberschule. Einige Schüler nannten L. als Schuldige, andere entlasteten sie. L. wurde der Schule verwiesen. Auch hier beschuldigte die Mutter die Schule, dabei nicht mit L. gesprochen zu haben. Und wieder weist die Schule den Vorwurf zurück – selbstverständlich habe es Gespräche gegeben. Gegen den Schulverweis hat die Familie Widerspruch eingelegt. Da außerdem eine Anzeige vorliege, müssen nun die strafrechtlichen Ermittlungen abgewartet werden, teilte die Landesschulbehörde auf Anfrage mit. Wenn die Ergebnisse vorliegen, müsse entschieden werden, ob wegen möglicher Pflichtverletzungen dienstrechtlich eingeschritten werden müsse. Ein Unterrichtsausschluss sei laut Behörde bis zu einer Dauer von maximal drei Monaten möglich. Im Rahmen einer Ordnungsmaßnahmenkonferenz sei den betroffenen Schülern sowie den Erziehungsberechtigten Gelegenheit zu geben, sich zu äußern.

L. und ihre Familie haben sich mittlerweile Rechtsbeistand gesucht – und auch eine andere Schule, die L. aufnehmen will.

Fälle von Mobbing würden an der Oberschule sehr ernst genommen, betonte die Landesschulbehörde. In Fällen wie dem von L. werde außerdem die Schulpsychologie der Landesschulbehörde eingeschaltet, welche die Schule, die Schüler und die Eltern unterstützen soll. Laut Landesschulbehörde verfügt die Oberschule über ein umfassendes Präventionskonzept, das unter anderem eine Schulsozialarbeiterin und zwei ausgebildete Schulmediatoren ebenso umfasse wie eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei, die etwa zum Thema Cybermobbing sensibilisiere.

VON DENNIS KLÜTING

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