Eine Landwirtschaftsfamilie aus Schönewörde will ins ganz große Geflügelgeschäft

Strauße statt Milchvieh

+
Strauße auf der Weide in Schönewörde. Ihre Hauptnahrung ist Gras. Diese Tiere sind elf Monate alt.

Schönewörde. „Mit einem Fußtritt könnte er einen Löwen töten“, sagt Landwirt Karl-Heinz Kröger aus Schönewördeund streichelt dabei seinem Straußenhahn über das dunkle Gefieder. Kröger – Gummistiefel, weißer Hemingway-Bart – steht zwischen seinen Straußen.

In der Hand hält er einen Eimer mit Körnern und füttert seine Tiere: drei Hennen und ein Hahn, elf Monate alt und über zwei Meter groß. Kröger hat sie als Küken gekauft und aufgezogen.

Landwirt Karl-Heinz Kröger zwischen seinen Tieren im Unterstand. Der ist wichtig, um die Tiere vor Hitze und Nässe zu schützen.

Er bewirtschaftet den Hof zusammen mit seinen Söhnen Benjamin und David Kröger. Eigentlich ist Kröger senior im Ruhestand, aber ans Aufhören denkt er nicht. Seine Söhne sind Nebenerwerbslandwirte. Benjamin Kröger arbeitet im Controlling, sein Bruder als technischer Angestellter, aber die Landwirtschaft lässt sie nicht los. Gemeinsam haben sie auf einem Hektar Weideland ein Gatter mit einem großen Unterstand errichtet, mehr als fünf Meter hoch. Strauße statt Milchkühe. Vielleicht ist das die Zukunft der kleinen landwirtschaftlichen Betriebe. Die Krögers haben aber auch noch Rinder: Charolais. Ein junger Stier mit rotgoldenem Fell brüllt aus einer geöffneten Stallung, weiße Kühe stehen auf der Weide.

„Das machen wir aber nur noch nebenbei“, erzählt David Kröger. Er reicht den Tieren eine Handvoll langes, dunklegrünes Gras durch das Gatter. Die Strauße sehen ihn und rennen mit großen Schritten auf ihn zu. „Sie sind wirklich sehr schnell, 70 Kilometer pro Stunde“, sagt er. Die Hennen zupfen Kröger das Gras aus der Hand, blicken ihn dabei mit ihren riesigen dunklen Augen an. Wenn sie schlucken, schiebt sich eine dünne Haut über ihre Augen.

„Noch sind sie friedlich“, brummt Kröger senior. Sobald der Hahn geschlechtsreif wird, muss man aufpassen, besonders in der Brunft. Dann werden sich der Schnabel und Füße rot färben, um anderen Hähnen Kampfbereitschaft zu signaliseren. Aber soweit ist es noch nicht. „Frühstens in zwei Jahren“, schätzt Benjamin Kröger. Bis dahin wollen sie Küken dazu kaufen, vielleicht das Gatter erweitern.

„Wir werden es langsam angehen lassen und sehen, wie sich die Nachfrage entwickelt“, gibt David Kröger die Marschrichtung vor. Er möchte in kleinen Schritten gehen, denkt aber langfristig. Eine professionelle Selbstvermarktung des Fleisches und der Eier könnte in der Zukunft ein lukratives Geschäft werden. Feinschmecker zahlen etwa 25 Euro für ein Kilogramm Straußenfilet aus Deutschland. Und ein Straußenei entspricht 25 Hühnereiern.

Bärbel Rogoschik, Biologin und Geschäftsführerin des NABU-Artenschutzzentrums in Leiferde, findet die Haltung von Straußen nicht unbedenklich. „Es sind keine Haustiere, sie vertragen keine Dauernässe. Und der Strauß wird gefährlich, wenn er Junge hat. Er greift an, wenn sein Nachwuchs bedroht wird“, warnt Rogoschick. Gerade Kinder dürfen nicht unbefugt in ein Straußengatter eindringen und sich den Küken nähern, wenn die Elterntiere in der Nähe sind. „Falls bei der Haltung wirklich alles richtig gemacht wird, kann es gehen,“ sagt sie. Als Biologin bleibt sie aber grundsätzlich skeptisch.

Die Krögers möchten, dass es den Tieren gut geht. Deshalb ist der weiträumige Unterstand wichtig, denn Strauße brauchen nicht nur Trockenheit, sondern sind im Gegensatz zur landläufigen Meinung auch hitzeempfindlich. Ohne Schatten überhitzen vor allem die Jungtiere.

Im Juli werden die Krögers wahrscheinlich wieder Küken kaufen und aufziehen. Bis dahin wollen sie auf der Wiese eine große Sandkuhle einrichten, damit die Vögel scharren und Staubbäder nehmen können. „Die Tiere sollen sich wohlfühlen“, sagt Kröger senior und lockt die Strauße mit seiner Körnermischung an. Vorsichtig picken sie ihm die Körner aus der Hand.

Von Constantin Lummitsch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare