Betzhorner Zahnarzt sieht sich durch IG-Med-Kritik nicht vertreten

„Nagen nicht am Hungertuch“

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Für junge Zahnärzte, die sich auf dem Land niederlassen, sieht der Betzhorner Zahnarzt Dr. Gerhard Kießler durchaus Chancen auf ein gutes Einkommen.

Betzhorn. Seit Jahren stagnierende Honorarsätze, zu viel Bürokratie, dazu der Zwang zu neuer Hardware für den Datentransfer: Das sind Kritikpunkte, gegen die die IG Med, die in Gründung befindliche Deutsche Ärztegewerkschaft und ihr Sprecher, der Wittinger Zahnarzt Dr. Rolf Mahlke, zu Felde ziehen.

Jetzt meldet sich ein Berufskollege Mahlkes aus dem Isenhagener Land zu Wort und sagt: „Diese Gewerkschaft spricht nicht für meine Interessen. “.

Der Betzhorner Zahnarzt Dr. Gerhard Kießler mag vor allem die Klagen über zu geringe Einnahmen nicht teilen. Er macht darauf aufmerksam, dass die Honorarverteilung in Niedersachsen an die landesweite Lohnsumme der Verdiener gekoppelt sei – und da sehe es angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Lage gut aus: „Grundsätzlich geht es uns im Moment nicht schlecht.“

Dr. Gerhard Kießler

Richtig sei, dass die Gebührenordnung für die zahnärztlichen Leistungen seit vielen Jahren mehr oder weniger eingefroren sei, und Gewinne seien daher nicht unbedingt steigerbar. Aber: „Es ist nicht so, dass wir Zahnärzte am Hungertuch nagen“, sagt Kießler, der stellvertretender Kreisstellenvorsitzender der Zahnärztekammer ist. Vermutlich komme es auf die individuellen Erwartungen eines jeden Zahnmediziners an, ob er sein Einkommen als attraktiv empfindet.

Vor diesem Hintergrund findet Kießler mit Blick auf die Diskussion über fehlenden medizinischen Nachwuchs, dass ein junger Zahnarzt auf dem Land durchaus gute Bedingungen vorfindet – auch wenn freilich zu beobachten sei, dass die meisten die große Stadt suchen: „In der Stadt ist er einer von vielen und vielleicht nach einiger Zeit vom Markt – hier auf dem Land ist das Auskommen relativ gesichert.“ Kießler ist 63 und will sich mittelfristig mit dem Thema Nachfolgersuche befassen.

Dass die IG Med sich unter Berufung auf Datenschutz-Bedenken gegen einen sogenannten Connector wehrt, der den Praxen künftig zum Datentransfer dienen soll, kann Kießler nicht nachvollziehen: „Ich sehe da kein Problem und kenne Kollegen, die gute Erfahrungen mit dem Connector gemacht haben.“ Der Digitalisierung könne man sich nicht verschließen.

Die Kritik der IG Med an zu viel Bürokratie kann der Betzhorner derweil durchaus teilen: Als er 1985 seine Praxis eröffnete, habe er „einfach losgelegt“. Das sei heute angesichts vieler Vorschriften und Auflagen – die auch die Kosten nach oben treiben – nicht mehr ganz so einfach.

Von Holger Boden

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