Gemeinde Wahrenholz zieht vorübergehend in historisches Gebäude

Die Mühle als Zwischenlösung

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Die Gemeinde Wahrenholz zieht in die Mühle – genauer gesagt, in das Erdgeschoss des angeschlossenen Wohnhauses.

Wahrenholz. Dass die Gemeinde Wahrenholz umziehen will, ist nichts neues. Schließlich ist die Errichtung eines Gemeindezentrums im Ortskern an der Alten Schmiede fester Bestandteil des Dorferneuerungsplans.

Neu ist, dass die Gemeindeverwaltung auf dem Weg zu diesem Ziel eine Zwischenstation in der historischen Wassermühle einlegt.

Das momentane Domizil, das Bürgerhaus, möchte die Samtgemeinde Wesendorf gern zur Nachmittagsbetreuung von Schulkindern nutzen. Das wiederum schließt eine Nutzung für Sitzungen aus. Bei diesem Thema war sich der Wahrenholzer Gemeinderat bei einer vergangenen Sitzung nicht einig geworden, und hatte das Thema von der Tagesordnung genommen. Nun wurde neu beraten und bei der Sitzung am Mittwochabend herrschte Einigkeit: Die Samtgemeinde darf die Räumlichkeiten nutzen.

Da es bis zum geplanten Einzug im Dorfzentrum noch gut zwei Jahre dauern kann, braucht die Gemeinde eine vorübergehende Bleibe: Die historische Wassermühle, die die Gemeinde im Sommer vergangenen Jahres käuflich erworben hatte.

Bürgerhaus, Post, Mühle und Schmiede

Ein „Gebäudekarussell“ dreht sich nun also in Wahrenholz: Das Bürgerhaus will die Gemeinde nicht nur für Nachmittagsbetreuung zur Verfügung stellen, sondern gleich der Samtgemeinde zum Kauf anbieten. Ihren Sitz will die Gemeinde langfristig in die Alte Schmiede verlegen, als Zwischenlösung soll die historische Wassermühle genutzt werden – genauer gesagt, das Wohngebäude. Dies beschloss der Gemeinderat einstimmig in seiner Sitzung am Mittwochabend. Auch bei dieser Sitzung freute sich Bürgermeister Herbert Pieper, rund 15 interessierte Einwohner begrüßen zu können.

Das Bürgerhaus

Das momentane Bürgerhaus in Wahrenholz soll der Samtgemeinde Wesendorf zum Kauf angeboten werden. Der Sitzungsraum soll zur Nachmittagsbetreuung genutzt werden.

Angestoßen wurde die Thematik dadurch, dass die Samtgemeinde Wesendorf an die Gemeinde Wahrenholz mit der Bitte herangetreten war, den Sitzungsraum des Bürgerhauses zur Nachmittagsbetreuung von Schulkindern nutzen zu können. Dies lässt aber eine gleichzeitige Nutzung für Sitzungen und Versammlungen nicht zu – der Gemeinderat wurde sich seiner vorherigen Sitzung nicht einig, ob, in welcher Form und wie die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden können – der Punkt wurde von der Tagesordnung genommen. Am Mittwochabend war sich der Gemeinderat einig: Nicht nur der Sitzungsraum soll zur Verfügung gestellt werden, die Gemeinde will der Samtgemeinde gleich das ganze Haus zum Kauf anbieten. Diese hatte in der Vergangenheit bereits Interesse bekundet, da auf dem Schulgelände keine Baumöglichkeiten bestehen und über die Einrichtung einer Mensa nachgedacht wird. Schon für die Nachmittagsbetreuung soll es eine Ausgabeküche geben. Um zu verhindern, dass die Kaufverhandlungen künstlich in die Länge gezogen werden können, wenn die Umnutzung des Raumes erst mal beschlossen sei, einigte sich der Gemeinderat darauf, der Umnutzung vorerst für ein Schuljahr zustimmen. „Es ist der richtige Schritt, der Samtgemeinde das komplette Gebäude anzubieten und nicht nur scheibchenweise“, betonte Ratsherr und stellvertretender Bürgermeister Ernst Pape (UfW). Denn die Zeit dränge, die Samtgemeinde müsse bis Monatsende Bescheid haben – andernfalls müsse sie Eltern Absagen für die Nachmittagsbetreuung erteilen. Mit dem einstimmigen Beschluss des Gemeinderats war klar: Die Gemeinde muss sich andere Räumlichkeiten suchen. Das angepeilte Gemeindezentrum in der Dorfmitte (Alte Schmiede) könne jedoch noch nicht angegangen werden. Eine Zwischenlösung muss her.

Die Mühle

Die historische Wassermühle befindet sich seit Sommer 2016 im Besitz der Gemeinde Wahrenholz. Nun soll das Erdgeschoss des Wohngebäudes als temporärer Sitz der Gemeindeverwaltung genutzt werden – und auch die Post soll dort vorübergehend einziehen. „Denn die muss für die Abrissarbeiten an der Alten Schmiede auch umziehen“, erklärte Bürgermeister Herbert Pieper. Die Schmiede soll schon zum Sommer in die Räumlichkeiten umsiedeln, die Gemeinde will bis zum Jahresende folgen. Ein erstes Gespräch mit der Unteren Denkmalschutzbehörde habe es bereits gegeben. „Die Bedingungen dort sind generell akzeptabel. Natürlich fallen Sanierungsarbeiten an“, erklärte Pieper. „Aber da es sich nur um eine Zwischennutzung handelt, wollen wir diese mit kleinen Mitteln umsetzen, wie wir es auch in diesem Jahr schon im Bürgerhaus getan haben.“ Die Kosten sollen sich auf einen vergleichbaren Betrag belaufen, etwa 10 000 Euro. Die neuen Möbel im Bürgerhaus können mit in die neuen Räumlichkeiten übernommen werden. Ausschuss- und Gemeinderatssitzungen sollen dann im Veranstaltungsraum im ersten Obergeschoss der Mühle stattfinden. „Der ist leider nicht behindertengerecht“, bedauerte der Bürgermeister. „Aber das ist unser momentaner Sitzungsraum ja auch nicht. Dafür ist das Gemeindebüro dann ebenerdig.“ Bei Bedarf könne für eine Sitzung auch der Wahrenholzer Schützensaal genutzt werden. Parkmöglichkeiten seien auf dem Hof ausreichend vorhanden. „Das ist auch für die Post nicht unwichtig“, erklärte Pieper. Das Mühlengebäude wird auch weiterhin von den Mühlenfreunden für Führungen genutzt, auch auf das Mühlenfest soll der Umzug der Gemeinde keinerlei Auswirkungen haben. Die Ratsherren Rüdiger Krafft (SPD), Jakob Drees (Grüne) und Ernst Pape hoben hervor, dass die Zwischennutzung der Wassermühle durch die Gemeinde auf keinen Fall einer dauerhaften Nachnutzung im Wege stehen dürfe. Statt dessen solle die Übergangszeit genutzt werden, ein entsprechendes Konzept zu erarbeiten.

Die Schmiede

Langfristig möchte die Gemeinde Wahrenholz ein Gemeindezentrum mitten im Dorf an der Alten Schmiede beziehen.

Erklärtes Ziel der Gemeinde bleibt es weiterhin, sich dauerhaft in der Dorfmitte, im Komplex der Alten Schmiede, niederzulassen. Da Abriss- und Bauarbeiten Teil des Dorferneuerungsplans sind, rechnet die Gemeinde Wahrenholz damit, in gut zwei Jahren dort einziehen zu können.

Von Dennis Klüting

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