Ein Assistent im Rahmen der Inklusion pro Grundschulklasse

Modellschule für Wesendorf

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Jörg Bratz (v.l.), Christina Branka, Maik Zilling und Rolf Amelsberg freuen sich auf das Modellprojekt.

Wesendorf – Ab dem kommenden Schuljahr startet in den neuen drei ersten Klassen der Grundschule Am Lerchenberg in Wesendorf das Pilotprojekt „Klassenassistenz“.

Statt eventuell mehrerer Schulassistenten, die Schülern mit Behinderung im Rahmen der Inklusion an die Seite gestellt werden, soll es dann genau einen Schulassistenten pro Klasse geben. Der ist dann Ansprechpartner für alle.

Mit dem neuen System, das nach zwei Jahren evaluiert werden soll und nach vier Jahren abgeschlossen sein wird, will der Landkreis Schüler vor allem vor einer Stigmatisierung bewahren. Denn derzeit, so erklärt Abteilungsleiterin Christina Branka, muss für einen Schüler mit Einschränkungen eine Schulassistenz beantragt werden. Es folgt ein bei seelischen oder emotionalen Einschränkungen langer Gang durch verschiedene Behörden, der bis zu sechs Monaten dauern kann. „Dann erst wird entschieden, ob es einen Schulassistenten gibt, aber das richtet sich nicht nach der Behinderung, sondern nach dem Hilfebedarf“, fügt Kreisrat Rolf Amelsberg hinzu. Bei Schülern mit körperlichen Einschränkungen ist das Verfahren einfacher und geht in der Regel schneller. Die Stigmatisierung bleibt.

Das neue Projekt, das exemplarisch in Wesendorf erprobt und mit einer Doktorarbeit begleitet wird, hat auch das Placet des Behindertenbeirats. „Trotzdem bleibt der Anspruch auf eine eigene Schulassistenz in jedem Einzelfall“, sagt Schulleiter Jörg Bratz. Sofern die Eltern das in Anspruch nehmen, wird es wie bisher gehandhabt. „Es gilt also, Überzeugungsarbeit bei den Eltern zu leisten“, erklärt Bratz. Mit dem Modell Klassenassistenz werden auch die Ressourcen besser genutzt, der Schulassistent bleibt die gesamte Zeit bei der Klasse, so Bratz weiter. Die umfassenden Bemühungen, zusätzliche Kräfte in der Schule zu bündeln und der daraus resultierende erheblich gestiegene finanzielle Aufwand hatte bisher aus Sicht der beteiligten Fachleute nicht im selben Maße zur qualitativen Verbesserung der schulischen Teilhabe der betroffenen Schüler geführt, so Bratz.

Seit 2012 war der Bedarf an Schulbegleitungen und die damit verbundenen Kosten im Kreis kontinuierlich gestiegen, ebenso stieg der Verwaltungsaufwand. „Mit dem neuen Modell müssen sich Kinder keinen Begutachtungen unterziehen, nehmen frei von Stigmatisierung eigenständig und selbstbestimmt am Unterricht teil, für den Fachbereich Jugend und Soziales sinken mittelfristig die Kosten und der Verwaltungsaufwand sowie die Arbeit der unterschiedlichen Fachrichtungen werden durch eine strukturiertere Zusammenarbeit im Sinne der betroffenen Kinder verbessert“, fasst Fachbereichsleiter Jugend, Maik Zilling, die Vorteile zusammen. Mit dem Projekt ist der Landkreis eine Kooperationskommune im Bundesmodell.

VON BURKHARD OHSE

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