Wahrenholz: Leistungspflügen mit Volksfest-Charakter / Zahlreiche Oldtimer und historische Gefährte ausgestellt

Auf Millimeter kommt es an

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Einer der Stahlstars beim Oldtimer-Leistungspflügen: ein alter Lanz Bulldog.

Wahrenholz. „Da haben die aber was auf die Beine gestellt. “ Das Urteil von Bürgermeisterin Friedhilde Evers musste man nur in einer Hinsicht korrigieren. Viel auf die Räder gestellt hatten die Schlepperfreunde Wahrenholz und Umgebung.

Weit mehr als zweihundert Oldtimer, die im Laufe des Sonnabends einfuhren, wollten bestaunt und bewertet werden.

Bei der Wahl des schönsten Oldtimers gab es eine von drei Gewinnmöglichkeiten für die Zuschauer: neben der Treckerjagd mit Fachfragen rund um die Schlepper und den Stimmzetteln für den Besten beim Pflügen. Denn auf dem Schlag von Jürgen Meyer am Ortsausgang Richtung Weißenberge mühten sich historische und moderne Schlepper aller Marken, gerade Furchen zu ziehen. Da hieß es, genau auszumessen, einzustellen und exakt gerade zu fahren. Denn das Jury-Team um Heinrich Pieper maß nach. Mit Zollstock wurde die Furchentiefe millimetergenau ermittelt, die Toleranz war da gering. „Picobello“ hieß es unter anderem bei Karl-Heinz Randt aus Oedesse, der eine schnurgerade Furche zog. „Teilnehmen darf in der Oldtimerklasse jeder, der ein Gefährt hat, das mindestens dreißig Jahre alt ist. Pflugscharen sind höchstens drei erlaubt“, erklärte Pieper.

Die Bedingungen auf dem abgeernteten Getreideacker von Jürgen Meyer waren optimal, auch das Wetter spielte mit, wie der Vereinsvorsitzende Olaf Balke erfreut feststellte. Dennoch war die Aufgabe für seinen 15er Deutz zu viel. Er fuhr sich fest, Nachbarschaftshilfe, wie in der Landwirtschaft üblich, nahte, der Kollege mit dem Unimog von der Furche nebenan befreite das festgefahrene Dieselross. „Hier sind die wenigsten Teilnehmer Landwirte. Bei manchen sieht man das auch“, sagte Pieper.

Nach jedem Durchgang, Spaltfurche, Zusammenschlag, Weiterpflügen und Auspflügen nach nationalen Kriterien, wurde gemessen und bewertet. Am Ende zählte auch der Gesamteindruck. Heinrich Pape aus Wahrenholz, ehemals als Landwirt tätig und im 80. Lebensjahr, war immer schon frühzeitig fertig. Die lange Berufserfahrung machte sich bemerkbar. „Im nächsten Jahr will ich aber nach zehn Jahren Leistungspflügen aufhören“, sagte der ehemalige Vereinsvorsitzende. „Für manche ist das fast mehr als ein Hobby. Eines unserer Vereinsmitglieder nimmt morgen früh auch an einem ähnlichen Wettbewerb in der Altmark teil“, beschrieb Balke den Ehrgeiz mancher Teilnehmer.

Geladen hatte man auch alle Trecker-Clubs im Umkreis von 80 Kilometern. Die Schlepperfreunde aus Wittingen, Knesebeck, Zahrenholz, Steinhorst oder vom Bulldog-Club Drömling ließen sich auch nicht lange bitten und fuhren mit ihren Trecker-Flotten auf. Bei der Oldtimerausstellung standen die alten, maschinellen Gefährte dann neben PKW-Oldtimern, die auf Hochglanz poliert waren und mit ihren Chromteilen reizten. Historische Löschfahrzeuge, Motorräder aus alten Zeiten, dazu Händler verschiedenster Waren sorgten für Volksfeststimmung.

Die Kinder hatten ebenfalls ihren Spaß und sausten mit dem fliegenden Teppich über den Kartoffelacker. Darüber hinaus gab es in der Scheune von Lothar Schulz rustikale, kulinarische Köstlichkeiten. Gegen Ende zeigte dazu Hans-Jürgen Schulze, wie man lange vor den Maschinen einen Acker pflügte. Er kam aus Kalbe an der Milde aus Sachsen-Anhalt und brachte seine Kaltblüter mit. Die starken Pferde zogen stoisch die Furchen in den Acker, ohne Diesel und laute Maschinengeräusche.

Von Burkhard Ohse

Bilder vom Spektakel

Leistungspflügen der Oldtimer-Klasse in Wahrenholz

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