65 Landwirte nehmen am „Runden Tisch“ in Wesendorf teil: Ohne Kontrollen keine Zuschüsse

Milchbauern weiterhin unter Druck

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Prost? Die Milchbauern in der Region sehen sich weiter in keiner einfachen Lage.

Wesendorf. Landwirte, die jährlich Zuschüsse aus EU-Töpfen beantragen und in Anspruch nehmen, werden seit geraumer Zeit durch „Vor-Ort-Kontrollen“ (VOK) des Prüfdienstes der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LKN) immer intensivier überprüft.

Daher beschäftigte sich mit diesem Thema auch der „Runde Tisch Milch“ am Mittwochvormittag in der Wahrenholzer Wassermühle. Daran nahmen unter anderem der Geschäftsführer des Landvolk-Kreisverbandes Gifhorn-Wolfsburg, Klaus-Dieter Böse, 65 Landwirte und Milcherzeuger aus der Region teil.

Referent war Jürgen Meyer, Vor-Ort-Prüfer vom Prüfdienst der LKN / Prüfdienste Uelzen. Er sollte den Landwirten die Regularien der Kontrollen näher bringen. Meyer erläuterte, dass die Prüfungen aufgrund diverser EU-Verordnungen stattfinden müssen – denn dort, wo Geld fließt, muss geprüft werden.

Geprüft werden sämtliche Flächenanträge und Verpflichtungen, die ein Betrieb mit dem Antrag eingeht. Und neben dem Prüfdienst der LKN kontrollieren auch die Veterinärämter der Landkreise sowie das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit die landwirtschaftlichen Betriebe, betonte der Referent. Dabei merkte er an, dass die VOK unangekündigt durchgeführt werden. „Wenn Betriebe die VOK nicht gestatten, führt das zur Ablehnung aller Anträge für das jeweilige Jahr“, sagte Meyer.

Bei den VOK werden vor allem auch Belegkontrollen durchgeführt, zu denen unter anderem Nährstoffvergleiche, Bestandsregister (Kennzeichnungskontrollen/Ohrmarken), EU-Inspektionsberichte sowie Pacht- und Nutzungsverträge bei Fremdbeweidung gehören. „Ferner gehören zu den Standard-Prüfkriterien unter anderem der Pflanzen-, Grundwasser-, Vogel- und Tierschutz sowie die FFH-Richtlinie für die Haltung von Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen und die Lebensmittelsicherheit“, betonte der Referent.

Die Bewertung von Verstößen richtet sich nach den Stufen „leicht“, „mittel“ und „schwer“ und führt zu Prämienabzug bis zu fünf Prozent. „Bei Wiederholungsverstößen innerhalb von zwei Jahren muss der Betrieb im Falle von Vorsatz sogar mit Kürzungen von 20 Prozent rechnen“, sagte Meyer.

Eine Auswertung aus dem Jahr 2015 ergab, dass bei 368 erfassten und geprüften Betrieben 14 Beanstandungen auftraten, was 3,8 Prozent entspricht. Eine wesentliche Rolle spielt bei den Tierhaltungsbetrieben nach wie vor die Lagerung und das Ausbringen von Gülle, Jauche und Mist. Zahlreiche Landwirte übten heftige Kritik unter anderem an der Mistlagerung unter Planen, wo sich vielerorts immer wieder Rattennester bilden.

Eine weitere Kritik der Bauern: Sie empfinden Bemessungsgrundlagen der landwirtschaftlichen Nutzflächen oft als falsch. Durch diese Bewertung werde die Zuwendung von Fördermitteln beschnitten, sagten einige Landwirte. „Immer wieder habe ich nach der GPS-Bemessung von Jahr zu Jahr weniger Fläche“, beklagte sich ein Landwirt aus Ummern und fragte, woran das liegen könne. Der Wahrenholzer Milcherzeuger Helmut Evers sieht in den „Vor-Ort-Kontrollen“ eine zusätzliche Erschwernis, weil „man als Betriebsleiter immer mehr mit Verwaltungstätigkeiten konfrontiert wird, die in einem Familienbetrieb kaum noch zu leisten sind“.

Von Hans-Jürgen Ollech

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