Bewegender Vortrag von Ex-Fußballprofi

Michael Sternkopf in Groß Oesingen: Karriere mit Ängsten und Depression

Ex-Fußballprofi Michael Sternkopf
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Einen offenen Einblick in sein Seelenleben während der Fußball-Profi-Karriere gab Michael Sternkopf beim Vortrag bei der SELK in Groß Oesingen.
  • VonManfred Gades
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Groß Oesingen – Berühmt, reich, beliebt und beneidet. So stellt man sich im Allgemeinen einen Fußballstar vor. Das trifft wohl auch bei den meisten Profifußballern zu. Denn um in dem Geschäft erfolgreich zu sein, muss man ein knallharter Profi sein, der auch mit sportlichen und privaten Rückschlägen umgehen kann. Aber nicht jeder hat die Kraft dazu. Bei seinem Vortrag in der SELK-Gemeinde Groß Oesingen gab der ehemalige Profi Michael Sternkopf einen schonungslosen Einblick in sein Seelenleben während und nach seiner Karriere als Fußballer.

Aber der Reihe nach: Anfang der 1990er Jahre gehörte Sternkopf zu den größten Talenten der deutschen Bundesliga. Er spielte zunächst in seinem Heimatverein SV Nordwest Karlsruhe, wechselte mit 14 Jahren zum Karlsruher SC. Dort endete quasi seine Kindheit. Wenn seine Kumpels spielen oder in der Badeanstalt waren, musste er jeden Tag zum Training. Spielte in Kreis-, Bezirks- und Landesauswahlen, bekam sofort mit 18 Jahren einen Profivertrag unter Trainer Winfried „Winnie“ Schäfer.

Die großen Bayern aus München wurden schnell auf ihn aufmerksam und er wechselte für die damalige Rekordablöse von 3,4 Millionen Mark nach München. Dort lernte Sternkopf den Wettbewerb und knallharten Leistungsdruck so richtig kennen: „Bis dahin hatte sich meine Eltern um mich gekümmert und mich überall hingefahren. Bei den großen Vereinen wird den Spielern einfach alles abgenommen.“ Man habe nur auf dem Platz zu funktionieren, alles andere sei Nebensache. „Wenn‘s mal bei mir nicht so gut lief, hatte ich Angst. Angst vor den Fragen der Reporter, Angst vor den Berichten im Radio und Fernsehen und Angst vor den montäglichen Zeitungskommentaren.“ Schon in der Zeit nahm er Antidepressiva und hat auch schon mal einen Joint „gezogen“. Zu der Zeit machte ihm eine schwere Hüftverletzung zu schaffen. Bayern-Doc Dr. Hans Wilhelm Müller-Wohlfahrt diagnostizierte trocken: „Du wirst nie mehr Fußball spielen können. Das hat sich aber, Gott sein Dank, nicht komplett bewahrheitet.“ Er wechselte noch zu Borussia Mönchengladbach, zum SC Freiburg, zu Arminia Bielefeld und in die 3. Liga zu den Kickers Offenbach. An die ganz großen Leistungen zu Anfang seiner Bundesligazeit konnte er allerdings nicht mehr ganz anknüpfen.

Nach dem Ende seiner sportlichen Karriere versuchte sich Sternkopf im Sportmanagement. Er war bei den Kickers für Medienbetreuung zuständig. „Als Medienberater stand ich in der zweiten oder dritten Reihe. Da habe ich mich noch relativ wohl gefühlt. Als ich dann Sportdirektor wurde, waren meine Ängste sofort wieder da.“ So wurde er plötzlich für das sportliche Versagen einer ganzen Mannschaft verantwortlich gemacht. „Wieder kämpfte ich gegen Depressionen und Burnout. Wieder nahm ich Drogen, um der realen Welt zu entfliehen. Das war das Ende der sportlichen Karriere.“ Dass es dem Vater eines 14-jährigen Sohnes, der dreimal verheiratet war („Das passt auch zu meinem Leben“) wieder gut geht, verdanke er seinem Glauben an Gott. Zu diesem Glauben hat ihn die langjährige Freundschaft zum ehemaligen Kampfsportler und Bodyguard Michael Stahl (unter anderem Personenschützer von Muhammad Ali, Dirk Nowitzki und Dieter Bohlen) verholfen. „Michael fragte mich eines Tages: ‘Kennst du Jesus?’ Meine Antwort: ‘Na klar. Ich habe den Film Passion von Mel Gibson gesehen. Hat mich stark beeindruckt.’“

Von da an schickte ihm Stahl jeden Tag Bibelzitate, die immer genau seiner Gefühlslage entsprachen. „Im April 2018 lud ich Jesus in mein Herz ein und spüre von Tag zu Tag eine innere Befreiung von Ängsten, Zweifeln, Unruhe und anderen Dingen, die mich früher belastet und blockiert haben.“

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