Tierfänger Heino Krannich aus Zahrenholz

Mehr Distanz zu Wildtieren: „Wolf wird totgekuschelt“

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Heino krannich ist Experte, wenn es um das Betäuben und Einfangen von Tieren geht. Er fordert, dass der Mensch mehr Distanz zu Wildtieren wahren solle.

Zahrenholz. „In unserer anthropomorphen Gesellschaft geht es doch gar nicht mehr um die Gattung, die Menschen interessieren sich doch nur für das Einzeltier“, meint Heino Krannich. Der Zahrenholzer ist Experte, wenn es darum geht, Tiere zu betäuben und einzufangen.

Und er wünscht sich, dass die Menschen lernen, Distanz zu den Tieren zu wahren.

„Wenn die Tiere erst einmal lernen, dass von Menschen keine Gefahr ausgeht, dann dauert es nicht mehr lange, bis sie auch Nahrung vom Menschen annehmen“, warnt Krannich. „Dann verlernen sie, zu jagen, und warten nur noch auf ihr Futterpaket.“ Das könne für beide Seiten gefährliche Folgen haben. Denn wenn das Futter mal ausbleibe, müssten sich Wölfe auf anderen Weg Nahrung suchen. „Und Wölfe denken nicht wie Menschen. Die gehen den einfachsten, schnellsten Weg.“ Und der führe in diesem Fall in die nächste Nähe der Futterspender.

„Und den Wölfen schadet eine solche Entwicklung ebenso. Sie verlernen das Jagen“, erklärt der Tierfänger, der oft mit Umwelt- und Tierschutzorganisationen zusammenarbeitet. „Die lernen dann nicht mehr, aus einer Urinspur herauszuschnüffeln, dass eins der Tiere eine Nierenschwäche hat und leichtere Beute abgeben könnte.“

Kurti ist für Krannich ein Beispiel, wie der Mensch ein Tier verderben und ihm zum Verhängnis werden kann. Von solchen Einzeltieren gehe eine besonders hohe Gefahr aus. Daher hält der Zahrenholzer die Entscheidung, Kurti zu erschießen, für richtig. „Einen solchen Wolf kann man auf keinen Fall in einem Gehege in ein bestehendes Rudel integrieren“, ist er sich sicher. „Da hätte maximal Einzelhaft funktioniert.“

Krannich spricht sich im Umgang mit den Tieren für eine klare Linie aus: „Warum müssen wir Menschen immer alles angrabbeln, immer in die tiefsten Privatsphären der Tiere eindringen? Wir sollten die Tiere einfach möglichst in Ruhe lassen und Distanz wahren.“ Der Mensch müsse sich mit den Tieren etablieren und sehen, dass man auch mitein-ander leben kann. „Dabei muss es natürlich Grenzen geben“, betont der Tierfänger. „Und die müssen nachhaltig gezogen werden. Im Notfall auch mit Gewalt.“

Ob der Mensch allerdings in der Lage sei, mit diesen Tieren dauerhaft und konsequent umzugehen, daran hat Krannich so seine Zweifel: „Wir haben eine Modekrankheit: Gutmenschentum. Es muss jedes, aber auch wirklich jedes Leben gerettet werden, so dass manche Menschen ihre Hunde nicht mehr entwurmen, weil sie damit ja auch Tiere töten würden. Von veganem Hundefutter und Hunde-Rollstühlen mal ganz zu schweigen.“

Von Dennis Klüting

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