Prüftechniker der Firma Roch testen Aufsatz- und Hirtenstableuchten / Verfahren ist weltweit einzigartig

EKG für Lichtmasten in Westerholz

Westerholz. Mit einem Minibagger und speziellen technischen Aufsatzgeräten waren Volker Lüthje und Christian Brückner gestern in Westerholz unterwegs. Ihre Mission lautete, rund 80 Leuchtmasten in Wesendorf und Umgebung auf deren Standsicherheit zu überprüfen.

Dabei verwendeten die beiden Prüftechniker, die im Auftrag der Lübecker Firma Roch Services arbeiten, Präzisionstechnik vom Feinsten.

Volker Lüthje weist einen Prüfkopf an einer Straßenlampe in die Spur. Dieser simuliert die Windlast, die auf dem Lampenkörper wirkt. Er berechnet zudem die einwirkenden Kräfte. Fotos: Althoff

Bevor die allerdings zum Einsatz kamen, fotografierte Lüthje zuerst einen Aufsatzmast. „Das mache ich, um zu kontrollieren, ob der Mast irgendwelche optische Mängel aufweist“, erklärte Lüthje. Danach berechnete er den Leuchtkörper auf Höhe und Durchmesser. Doch eine der wichtigsten Komponentendie in die Messung mit einfloss, war der Wind. „Den simulieren wir und geben eine berechnete Kraft ein. Diese legen wir auf den Mast an“, beschrieb Brückner, der im Minibagger saß und die Daten auf einen vor ihm befindlichen Laptop einspielte. Die Werte bekam er über einen Prüfkopf, der am oberen Teil des Baggers befestigt war. „Er leitet die Kräfte auf den Mast ein“, erläuterte Lüthje das Prinzip. Am unteren Teil des Baggers befand sich ein ähnlich markantes technisches Gerät. Ein Wegsensor erfasste die Auslenkung des Mastes. „Denn bei starkem Wind bewegt sich der Lampenmast und diese Bewegung messen wir“, beschrieb Brückner.

Das aufwendige Verfahren werde weltweit eingesetzt. „Es ist einzigartig, weil unsere Firma ein Patent darauf hat. Nur wir dürfen durch Aufzeichnungen belegen und beweisen, ob ein Mast Schäden hat oder nicht“, meinte Lüthje.

Insgesamt vier Prüfungen muss ein Leuchtkörper über sich ergehen lassen. Von zwei Seiten wenden sie jeweils eine Druck- und Zugprüfung an.

Mit den exakten Messungen können die beiden Prüftechniker zusätzlich detaillierte Aussagen über den Zustand treffen. „Wir können sagen, ob ein Leuchtmast haltbar oder umsturzgefährdet ist“, betont Brückner.

Das erkennt er anhand eines so genannten Kraft-Weg-Diagramms oder eines „Mast-EKG“. Außerdem signalisiert ihm das Diagramm, welche Windlast auf einen Lampenkörper stößt. Das macht Lüthje an einem Beispiel deutlich: „Wir prüfen mit der 1,5-fachen Windlast. Wir rechnen mit 8 Kilonewtonmeter, was ungefähr 800 Kilogramm entspricht. Und das mal 1,5. Dann hätten wir 1,2 Tonnen.“ Das sei schon eine große Dimension.

Ein Ablauf aller vier Prüfungen beansprucht etwa zehn Minuten. Danach geht es zur nächsten Lampe.

„Wenn die Werte in Ordnung sind, dann können wir eine Gewährleistung für sechs Jahre geben. Das bedeutet, für diesen Zeitraum hat der Leuchtmast dann erst einmal seine Ruhe“, sagt Lüthje.

Von Volker Althoff

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