Referentin Güner Balci bewegt und provoziert bei Neujahrsempfang der Samtgemeinde Wesendorf

„Leitkultur brauchen wir nicht“

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Güner Yasemin Balci ging in ihrem Vortrag gleich auf mehrere gesellschaftliche, kulturelle und religiöse Themen ein.

Wesendorf. Prall gefüllt war der große Sitzungssaal des Wesendorfer Rathauses am Samstagvormittag, als die Samtgemeinde Wesendorf zu ihrem Neujahrsempfang eingeladen hatte.

Neben Rück- und Ausblick sowie dem Dank an ehrenamtliche Wahlhelfer stand aber diesmal eine Gastrednerin im Mittelpunkt der Veranstaltung: Journalistin Güner Yasemin Balci referierte über Probleme jugendlicher Einwanderer, Diskriminierung von Frauen und über die Rolle von Kultur und Religion bei der Identitätsfindung.

Die 43-jährige Berlinerin schlug in ihrem Vortrag den Bogen zwischen mehreren wichtigen gesellschaftlichen Phänomenen mit verschiedenen Ursachen und Wirkungen. Sie schreckte dabei auch vor rigorosen und provokanten Aussagen nicht zurück: „Wenn es keine Diskussion mehr gibt, keinen Austausch, dann gibt es auch nur noch wenig, das uns verbindet.“

Balci ging besonders auf die Schwierigkeiten Jugendlicher mit Migrationshintergrund ein, bei denen oft deutlich werde, wie schwierig die Vereinbarung unterschiedlicher Wertevorstellungen sei. „Wenn sie in eine Gesellschaft mit so unterschiedlichen Werten kommen, dann bedeutet das auch, sich von etwas zu verabschieden“, so Balci. „Und das ist, je nach individuellem Hintergrund, gar nicht einfach.“

Darüber hinaus stünden gewisse Zwänge, unter denen besonders Jugendliche täglich leiden müssen, gar nicht auf der politischen Agenda. An diesem Punkt stellte Balci besonders die Zwangsheirat als Instrument zur Unterdrückung und Diskriminierung in den Fokus. Dabei prangerte sie die „Untätigkeit der Politik“ genauso an wie „das fehlgeleitete Pochen auf die Religionsfreiheit durch Linksliberale“ an.

„Eine deutsche Leitkultur haben und brauchen wir nicht“, sagte Balci. „Diese Gratwanderung zur Zufriedenheit aller ist die große Herausforderung unserer Zeit, der wir uns alle stellen müssen – dann werden unsere Unterschiede zu unseren Reichtümern.“

Samtgemeindebürgermeister René Weber wies in seiner Begrüßung auf die trotz vager Umsetzung der Elternbeitragsfreiheit für Kita-Plätze positive finanzielle Situation der Samtgemeinde und der Mitgliedsgemeinden hin. Er gab einen Ausblick auf die anstehenden Anschaffungen für Feuerwehren, Schulen und Kindertagesstätten. Er und sein Stellvertreter Herbert Pieper hoben das ehrenamtliche Engagement hervor, dass das gesellschaftliche Leben in der Samtgemeinde stark präge. Daher wurde den rund 50 Wahlhelfern, die sich seit über fünf Jahren wiederholt eingesetzt hatten, besonders gedankt.

Für die musikalische Begleitung sorgten der Feuerwehrmusikzug Betzhorn mit mehreren Liedern sowie Melanie Schulze, Angelika Döring und Ralf Eckstein mit dem Stück „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Auch die Sternsinger waren zu Gast und setzten sich gegen Kinderarbeit ein.

Von Dennis Klüting

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