MdB Kathrin Rösel, ehemalige Erste Samtgemeinderätin Wesendorfs, spricht über Politik auf unterschiedlichen Ebenen

„Lange Wege von der Idee zur Umsetzung“

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Kathrin Rösel sitzt seit gut einem Jahr für den Wahlbezirk Heidekreis/Rotenburg im Bundestag. Zuvor war sie Erste Samtgemeinderätin in Wesendorf.

Berlin. Bis vor gut einem Jahr war Kathrin Rösel Erste Samtgemeinderätin in Wesendorf. Dann kam für sie der politische Karrieresprung: Reinhard Grindel wurde DFB-Präsident und legte sein Bundestagsmandat für den Heidekreis/Rotenburg nieder.

Seine Nachfolgerin: Kathrin Rösel. IK-Redakteur Dennis Klüting sprach mit ihr über die Unterschiede zwischen kommunaler und bundesweiter Politik.

Interview

IK: Frau Rösel, in die Tätigkeit als Erste Samtgemeinderätin in Wesendorf haben Sie sich – vielleicht auch durch Ihr Vorwissen als Amtsleiterin in Meinersen – ja schnell eingearbeitet. Wie leicht ist Ihnen der Einstieg in den Bundestag gefallen?

Kathrin Rösel: Die Einarbeitung in die Abläufe des Bundestages gelang mir ausgesprochen schnell. Das lag auch daran, dass ich tolle Kollegen – vor allem in meiner Landesgruppe – habe, die ich teilweise schon viele Jahre kenne und die mir bei allen Fragen stets zur Seite standen und stehen. Darüber hinaus wusste ich durch mein politisches Engagement, was mich erwartet und wie die Strukturen des Bundestages aussehen. In allererster Linie trug zum Gelingen des Einstiegs allerdings mein Team bei. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für meinen Amtsvorgänger – oft schon viele Jahre – arbeiteten, waren bereit, auch für mich weiter tätig zu sein. Somit konnte ich auf deren Fachwissen und Kenntnisse des von mir übernommenen Wahlkreises zurückgreifen. Darüber hinaus konnte ich noch eine wissenschaftliche Mitarbeiterin dazugewinnen – die übrigens aus Gifhorn stammt. Somit habe ich ein tolles Team, und das ist eine der Grundvoraussetzungen für das Gelingen der Arbeit.

IK: Wie hat Sie die Tätigkeit in der Samtgemeinde Wesendorf auf Ihre jetzige Arbeit vorbereitet?

Rösel: Die Arbeit als Erste Samtgemeinderätin und meine davor gewonnenen Berufserfahrungen auf unterschiedlichster kommunaler Ebene geben mir einen guten Blick auf die Herausforderungen und Aufgaben einer Kommune. Der Heidekreis und der Landkreis Rotenburg sind ähnlich strukturiert wie der Landkreis Gifhorn. Ich verstehe also sehr gut, wo vor Ort „der Schuh drückt“ und kann so meinen Auftrag, mich für diese Belange in Berlin einzusetzen, bestens erfüllen. Beispiel Kommunales Investitionsprogramm: hierfür stellen wir in Berlin Mittel für finanzschwache Kommunen bereit. Die Anfänge („KIP I“) habe ich noch als Erste Samtgemeinderätin in Wesendorf begleitet. Ich weiß also, wovon ich rede, wenn ich kritisiere, dass das Land unnötige Hürden für die Inanspruchnahme setzt – das ist nicht das, was wir in Berlin wollen.

IK: Was ist Ihrer Ansicht nach der größte Unterschied zwischen der Arbeit in der Samtgemeinde und im Bundestag?

Rösel: Es gibt viele Unterschiede zwischen der Arbeit auf kommunaler Ebene und der im Bundestag. Der größte: die langen Wege von der Idee zur Umsetzung. Wenn wir – wie in Meinersen – im April eines Jahres den Bau einer neuen Kindertagesstätte beschließen, konnten wir diese noch im September des gleichen Jahres einweihen. In Wesendorf haben wir den Kauf eines neuen Feuerwehrfahrzeuges beschlossen, und einige Monate später stand das Fahrzeug auf dem Hof. In Berlin sind die Entscheidungswege länger. Dennoch versuche ich, die Dinge, für die ich mich einsetze, schnellstmöglich zu realisieren. Auch hierbei helfen mir sowohl meine bisherigen beruflichen als auch politischen Erfahrungen. Und ganz klar: Im Bundestag werden viele globalere Themen bewegt und umgesetzt, und wir treffen Entscheidungen mit enormer Tragweite und Verantwortung – zum Beispiel über die Einsätze unserer Soldatinnen und Soldaten im Ausland und über sicherheitsrelevante Fragen im Inland.

IK: In Ihrer ganzen Laufbahn haben Sie sich für die Jugend engagiert. Bietet sich dafür im Rahmen Ihrer Tätigkeit nun auch Gelegenheit?

Rösel: Natürlich wäre ich aufgrund meines Studiums der Erziehungswissenschaft und meiner Berufserfahrung eher im Innen-, Familien- oder Bildungsausschuss „zu Hause“ – mal sehen, welche Perspektiven sich da ab September ergeben. Aber die Ausschussarbeit ist ja nicht alles. Ich kann meine Schwerpunkte im Wahlkreis schließlich unabhängig davon setzen. Neben der Landwirtschaft und der Bundeswehr – ich habe die großen Bundeswehrstandorte Munster und Rotenburg in meinem Wahlkreis – versuche ich so oft wie möglich, Bildungsinstitutionen zu besuchen.

IK: Und wie sieht es mit Ihrem Amt als Vorsitzende der Frauen Union im Bezirk Nordostniedersachsen aus?

Rösel: Leider haben Sie Recht – meine Arbeit als Bezirksvorsitzende der Frauen Union ist in den letzten Monaten etwas zu kurz gekommen. Daher werde ich zur nächsten Mitgliederversammlung mein Amt zur Verfügung stellen. Das heißt natürlich nicht, dass ich mich da nicht mehr engagiere, allerdings nicht mehr in der ersten Reihe. Mir ist es nach wie vor wichtig, dass Frauen in ihrem politischen Engagement gefördert werden.

IK: Gibt es einen Tipp, den Sie Frauen, die über einen Sprung in die Politik nachdenken, gern mit auf den Weg geben würden?

Rösel: Mein Tipp: selbstbewusst sein, sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen! Das ist in der männerdominierten Politikwelt nicht immer einfach.

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