Fachleute informieren und geben Heimatverein Wahrenholz Tipps im Umgang mit Flüchtlingssituation

Koch-Club als Integrationshilfe

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Reiner Meyer, Vorsitzender des Heimatvereins Wahrenholz, mit Jenny Reissig, Vorsitzende des Fördervereins Ehra-Lessien - ein Dorf ein Team. 

Wahrenholz. Mit Jenny Reissig, der ehemaligen Bürgermeisterin von Ehra-Lessien, hatte der Heimatverein Wahrenholz eine Referentin geladen, die von der Arbeit mit und für Flüchtlinge aus erster Hand berichtete.

Heute ist Reissig erste Vorsitzende des „Fördervereins Ehra-Lessien - ein Dorf ein Team“, um sich für verschiedene Belange der Gemeinde einzusetzen.

Die Ereignisse der folgenden Monate führten jedoch dazu, dass schnell die Betreuung und Integration von Flüchtlingen zur Hauptaufgabe des Vereins wurden. Nach turbulenten Zeiten sind aktuell 136 von insgesamt 250 Plätzen im Erstaufnahmelager in Lessien besetzt. Zur Integrationsarbeit des Vereins gehören der internationale Treff Mosaik ebenso wie die Hilfe bei Behördengängen und Arztbesuchen, die Vermittlung von Deutschkursen sowie die Zusammenarbeit mit Sportvereinen. So hat der TuS Ehra-Lessien eine zweite Herren-Mannschaft gebildet, bestehend aus Bewohnern der Flüchtlingswohnanlage (das IK berichtete). Diese nimmt in der Spielzeit 2017/2018 am Ligaspielbetrieb des NFV Kreises Gifhorn in der 3. Kreisklasse teil.

Die Bevölkerung hatte in der Anfangszeit erhebliche Berührungsängste mit den Flüchtlingen, so Reissig. Doch wichtig sei die kontinuierliche Zusammenarbeit und die Begegnung der Menschen miteinander. So ist die Flüchtlingsthematik heute ständiger Bestandteil des Dorfgesprächs, einer seit 2004 in Ehra-Lessien regelmäßig stattfindenden Bürgerversammlung. Auch rief Reissig einen Koch-Club ins Leben, in dem Menschen unterschiedlichster Nationen über die Lust am Kochen und Essen zueinander fänden. Wichtig sei immer, die einheimische Bevölkerung einzubinden und so Möglichkeiten zum Kontakt und zur Verständigung zu schaffen. Inzwischen wurden auch drei Flüchtlinge als Gemeindehelfer eingestellt.

Die aktuelle Situation im Landkreis Gifhorn erläuterten Audrey Grothe und Sascha Kühne von der vor kurzem neu gegründeten Stabsstelle Integration des Kreises: Zur Zeit befinden sich 61 Asylbewerber in der Samtgemeinde Wesendorf, davon sechs in der Gemeinde Wahrenholz. Der Großteil (41 Personen) ist in der Gemeinde Wesendorf untergebracht. Ziel der Stabsstelle sei es, so Grothe, die Ehrenamtlichen im Landkreis zu unterstützen. Dazu wurden kreisweit insgesamt vier runde Tische eingerichtet, um den Austausch zwischen Behörden, Vereinen, Initiativen und Ehrenamtlichen zu fördern und Anregungen und Tipps für die tägliche Arbeit mit Flüchtlingen zu geben. Da wo Ehrenamtliche überfordert seien, müssten auch Fachkräfte zum Einsatz kommen, z.B. Pädagogen, Psychologen und Sprachlehrer. Dieses zu koordinieren und zu unterstützen sei eine der wesentlichen Aufgaben der Stabsstelle Integration, betonte Grothe vom Landkreis Gifhorn.

Reiner Meyer, 1. Vorsitzender des Heimatvereins, machte deutlich, dass in der Geschichte immer wieder Menschen ihre angestammte Heimat verlassen haben, um in der Fremde eine neue Heimat zu finden. Er verwies auch auf das aktuelle Projekt des Niedersächsischen Heimatbundes „Heimatblicke - meine Heimat, deine Heimat, unsere Heimat!“, in dem die Heimatpflege den Neubürgern nähergebracht werden soll.

Von Marion Schuckart

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