„Immer noch scharf an der Kante“

Helmut Evers aus Wahrenholz: Düstere Aussichten für Milchbetriebe

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Helmut Evers, der auf der Internetplattform www.mykuhtube.de über das Leben der Milchkühe informiert, blickt skeptisch in die Zukunft der Landwirtschaft.

Wahrenholz. Die ersten Discounter senken die Milchpreise, heben aber die Preise für Butter an – für die Landwirte bedeutet das zum Teil ein Zittern um die Existenz.

Helmut Evers aus Wahrenholz sitzt als Vertreter für Milchvieh im Beirat des Landvolk-Kreisverbandes und erklärt im IK-Gespräch, warum die Milchpreise sinken, während Butterpreise steigen.

„Diese unterschiedlichen Preisentwicklungen sind in der Milchbranche verstärkt festzustellen“, sagt Evers. „Fetthaltige Produkte werden momentan viel stärker nachgefragt.“ Die Nachfrage werde durch die Spargel- und die beginnende Grillsaison noch befeuert. „Früher gab es überwiegend kleinere Molkereien, die alles gemacht haben“, weiß der Landwirt. „Heute haben sich die Molkereien spezialisiert. Und reine Trinkmilch-Molkerein könnten nun Schwierigkeiten bekommen.“

Damit die Landwirte nicht in eine Milchpreis-Krise wie vor anderthalb Jahre zurückfallen, würden die Molkerein darauf achten, den Erzeugern mindestens 30 Cent pro Liter zu zahlen. „2016 waren es 22 Cent, das war eine Katastrophe“, erinnert sich Evers. „35 Cent brauchen wir, um wirklich langfristig kalkulieren zu können, alles unter 30 Cent geht ernsthaft an die Substanz.“ Sorgen mache ihm die Preissenkung aber durchaus: „Wir sind immer noch ganz scharf an der Kante.“

Und auch die Aussichten seien alles andere als rosig: „Der Brexit könnte die deutsche Landwirtschaft teuer zu stehen kommen“, fürchtet Evers. Denn der EU-Haushalt müsse danach verschlankt werden – möglicherweise auf Kosten der Zuschüsse an die Landwirte. „Wir brauchen diese Ausgleichszahlungen“, betonte Evers. „Die sind in allen Kalkulationen berücksichtigt, von diesen Geldern sind wir absolut abhängig.“ Und auch andere Rahmenbedingungen geben Anlass zu pessimistischen Prognosen: „Die Niedrigzinsphase lockt Spekulanten an, die bei Banken für ihr Geld nichts mehr bekommen. Die zocken darauf, den Boden billig zu kaufen und teuer zu verpachten. Und das treibt die Boden- und Pachtpreise natürlich in die Höhe“, so der Wahrenholzer.

Von Dennis Klüting

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