Wesendorf: Lange Herstellungsdauer für medizinische Alternative / Methode von Samuel Hahnemann

Homöopathie – mehr als ein Placebo?

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Vielen sind homöopathische Mittel bekannt. Der Begründer der Homöopathie, Samuel Hahnemann, suchte damals eine Alternative zum Medikament mit seinen Nebenwirkungen.

Wesendorf. Die kleinen Fläschchen sind meist aus braunem Glas. Kleine Kügelchen befinden sich darin: Homöopathische Mittel sind selbst jenen bekannt, die nicht an die Wirkung glauben.

Die Behandlungsmethode wird in der Medizin zwar als eine mögliche Alternative angesehen, bleibt aber gleichzeitig auch eine höchst umstrittene.

„Der Begründer Samuel Hahnemann hat sich Gedanken zu einer Alternative für Medikamente und deren Nebenwirkungen gemacht“, erklärt Ahmed El-Hawari, Inhaber der Wesendorfer Zentrumsapotheke. „Gleiches mit Gleichem behandeln“, sei das Motto und die Idee hinter der Homöopathie gewesen.

In einer Anamnese wird also herausgefunden, was das Leiden bedingt. Die Ursache wird dann mit stark verdünnten Mitteln behandelt. Das jeweilige Mittel wird so ausgesucht, dass es bei Gesunden in höherer Dosis ähnliche Krankheitssymptome verursacht. „Der Trick ist also die Verdünnung von Giften. Dadurch soll eine Heilwirkung einsetzen“, erläutert El-Hawari. Symptome von Fieber ähneln zum Beispiel jenen, die durch die Tollkirsche ausgelöst werden.

„Die Herstellung dauert allerdings sehr lange – durch die Verdünnung, also das Potenzieren“, meint der Apotheker, der auch in Naturheilverfahren und Homöopathie ausgebildet ist.

Ahmed El-Hawari

Wo nichts drin ist, kann nichts wirken, sagt der reine Naturwissenschaftler, und da liegt auch die Skepsis. „Eine gewisse Kopfsache ist dabei“, weiß El-Hawari. „Dass es funktioniert, kann man aber auch beweisen, weil es auch an Tieren funktioniert. Beim Menschen könnte man argumentieren, dass ein Placeboeffekt greift, bei Tieren aber nicht. Es steckt also schon mehr dahinter“, ist er überzeugt. Vor allem sei es ein anderer Denkansatz, weil Ähnlichkeiten von Krankheit und Wirkung herausgefiltert werden, bis sich das richtige homöopathische Mittel herauskristallisiere. In flüssiger Form, Tabletten oder auch Globuli.

„Viele Mütter kommen durch ihre Kinder das erste Mal in Kontakt mit homöopatischen Mitteln. Klar ist für El-Hawari aber auch: Bei einem schweren Krankheitsbild können solche Mittel nicht helfen. Bei einem chemischen Stoff jedoch, also einem Medikament, könne man sich zu 100 Prozent sicher sein, dass es hilft, weil es den Stoffwechsel ganz anders angreife. „Das ist wichtig, gerade auch dann, wenn im Krankheitsfall eine schnelle Linderung der Symptome im Vordergrund steht“, erklärt er.

Und es gebe auch Tabu-Bereiche der Homöopathie: „Bluthochdruck kann zum Beispiel nicht mit homöopathischen Mitteln behandelt werden, so auch ausgeprägte Krankheiten oder Depressionen. Man muss fairerweise auch die Grenzen erkennen“, sagt der Apotheker.

Das sieht auch Dr. Thomas Drescher aus Wesendorf so: „Wenn es um entscheidende Dinge geht, dann hat Homöopathie keine Bedeutung.“ Sie funktioniere wohl eher bei der Aktivierung von körpereigenen Ressourcen. Wichtig ist laut Drescher auch: „Die Verwendung eines homöopathischen Mittels wird nicht anhand eines Beipackzettels angegeben.“ Dementsprechend seien auch keine Nebenwirkungen angegeben. Seiner Meinung nach heiße es dann: „Dieses Mittel kann ihnen helfen, wenn sie glauben, dass es ihnen hilft.“

Es gebe nicht nur den einen Weg, da sind sich El-Hawari und Drescher einig. Einig sind sie sich auch, dass die Homöopathie erfahrene Leute benötigt, die helfen, und das sei schwierig. Homöopathie bedeute Erfahrung, und diese Erfahrungen müsse man sich erst aneignen. „Klassische Homöopathie gibt es nicht so häufig, weil viel Erfahrungswissen dahintersteckt. Es gibt viele Ansätze, ein Problem zu lösen und jeder Mensch ist anders“, gibt El-Hawari zu bedenken. Der Apotheker schaut auch auf die Wirtschaftlichkeit. Es bedürfe einer langen Beratung, und es werde auf günstige Mittel zurückgegriffen.

Wichtig ist ihm auch die Abgrenzung von der Pflanzentherapie. Der Unterschied sei vielen gar nicht bewusst, doch pflanzliche Mittel seien komplett unterschiedlich zu homöopathischen Mitteln. „Die Pflanzentherapie hat Inhaltsstoffe, aber eben aus der Pflanzenwelt. Es ist ein Vielstoffgemisch“, zeigt er den Unterschied auf.

Übrigens: Auch die Krankenkassen haben sich für die Homöopathie geöffnet. Teilweise übernehmen sie die Kosten. Das ist jedoch von Krankenkasse zu Krankenkasse verschieden. Kinder bis zu 12 Jahren bekommen die Mittel bezahlt.

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