Groß Oesingen: Wischmeyer und Olm vermissen Reservate für Herren

Hommage an den Mann

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Parodie mit der Gitarre: Hans-Werner Olm ist darin ein Meister und begeisterte damit am Freitagabend das Groß Oesinger Publikum.

Groß Oesingen. Glück hatten diejenigen am Freitagabend, die „die Omma“ nicht mitgebracht hatten. Denn darauf hätte man lieber verzichten sollen, meinten die beiden Protagonisten des Abends im Gasthaus Zur Linde.

Dietmar Wischmeyer und Hans-Werner Olm zogen vom Leder, und wer eine Eintrittskarte für das Programm „Altherrensommer“ gekauft hatte, wusste auch, was ihn erwartet.

Deutliche Worte, verschnörkelt und originell, ein klarer Blick auf die alltäglichen Abgründe etwa im Baumarkt – aber es war nicht nur witzig, sondern auch derb, makaber und ordinär, bisweilen auch alles zusammen. Dass das geht, dafür lieferten Wischmeyer und Olm Beweise am laufenden Band. Und es kam an, wie die Reaktionen des Publikums unschwer erkennen ließen.

Wenn es darum ging, zu beschreiben, wie Egon F., ein Mann im fortgeschrittenen Alter, ins Jägerstübchen wankt, um dort Irmgard W. für ein Schäferstündchen zu gewinnen, dann greifen Olm und Wischmeyer schon mal ganz nach unten bei der Beschreibung körperlicher Nachteile älterer, vollleibiger Menschen. Das Publikum im vollbesetzten Saal war begeistert und johlte bei vielleicht zutreffenden, aber nicht stubenreinen Ausdrücken.

Und auch Wischmeyer und Olm sind an diesem Freitagabend begeistert, und zwar vom Publikum. Denn „gestern in Vennenmoor war es Scheiße“, bekennen die beiden gleich zu Beginn. Hier in Groß Oesingen dagegen war es „nett“, auch wenn der Ort nur eine Station auf ihrer „International Global Player World Tour“ war, die in Afghanistan begann und über Usbekistan nun auch in Niedersachsen angekommen ist. Die ortsnahe Gülleband, die vor und nach den sprachlichen Ergüssen des Duos spielte, dürfte aber nur im Nordkreis ein Bonmot für das Publikum sein.

Nicht fehlen durften natürlich die Stars. Der kleine Tierfreund, der die Notwendigkeit der Beseitigung von Leichen auf der Wiese erklärte, oder Willi Deutschmann, der über seine „Alte, den fättän Brokkän“ schimpfte. Olm dagegen griff des öfteren zur Gitarre, parodierte Hannes Wader und Reinhard Mey und sang eine Hommage an den verstorbenen Jugendaufklärer Dr. Sommer.

Aber es gab auch gute Tipps. Filmzitate sollte man immer auf Lager haben, meinte Olm. „Verzichten Sie auf stumpfe Beleidigungen, zitieren Sie aus 100 Jahre Filmgeschichte!“ „Hier, Schatz, ist die Fernbedienung. Ich bin müde“, kommt eben nicht so gut wie „Möge die Macht mit dir sein“.

Dazu lamentierten beide über die fehlenden Reservate für Männer. „Wo soll man sich künftig noch einen schweinischen Witz erzählen oder Fachzeitschriften für Milchdrüsengigantismus lesen können?“, lautete die Frage angesichts der immer stärkeren Inbesitznahme männlicher Rückzugsgebiete durch die Frauen. Zumindest für den Freitagabend hatten Wischmeyer und Olm einen Ort für echte Männergeschichten gefunden: Groß Oesingen.

Von Burkhard Ohse

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