Groß Oesingen: Kürzlich eröffnete Arztpraxis schließt schon wieder / Suche nach Nachfolger läuft

Hoffen auf ein „Weihnachtswunder“

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Die Groß Oesinger Arztpraxis muss ihre erst kürzlich wieder geöffneten Pforten bereits nächsten Donnerstag wieder schließen. Dr. Uwe Tippmar (l.) bestätigte, dass Dr. York Heidenreich die Gemeinschaftspraxis aus persönlichen Gründen verlasse. 

Groß Oesingen. Gut einen Monat hat die Arztpraxis in Groß Oesingen ihre Pforten wieder geöffnet, nun muss sie sie bereits wieder schließen:

Der dort behandelnde Arzt Dr. York Heidenreich verlässt die Gemeinschaftspraxis Tippmar/Kuba zum Ende des Jahres aus persönlichen Gründen, wie Dr. Uwe Tippmar im IK-Gespräch bestätigte.

Nächste Woche Donnerstag wird die Praxis wieder schließen müssen. „Wenn nicht noch ein Weihnachtswunder geschieht ...“, sagte Tippmar. „Wir wollen die Praxis auf jeden Fall wieder aufmachen. Wir müssen dafür nur eben einen Nachfolger finden.“ Dies könne sich schwierig gestalten, wie der Mediziner fürchtet. „Viele und gerade junge Kollegen wollen nicht aufs Land, die meisten strömen in die größeren Städte.“

„Die Leute sind empört und entsetzt. Viele müssen jetzt woanders hin“, sagte Gisela Tabera Barrientos aus Groß Oesingen, die sich auch gerade für die Praxis in ihrem Ort entschieden hatte. „Das kann nicht wahr sein“, ist sie enttäuscht.

Bürgermeister Jürgen Schulze fand es „sehr, sehr schade“, dass die Praxis bereits wieder schließen müsse. „Jetzt müssen wir wieder von vorne anfangen“, so Schulze. Er hofft dabei erneut auf die Unterstützung der Kassenärztlichen Vereinigung.

Dr. Uwe Köster, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsens, ist die Problematik nur zu gut bekannt: „Das ist ein komplexer Sachverhalt, bei dem mehrere Schwierigkeiten ineinandergreifen.“ Zum einen habe es einen Mentalitätswandel unter den Medizinstudenten gegeben, die überwiegend in der Stadt sozialisiert worden seien. „Die Work-Life-Balance ist darüber hinaus heute deutlich wichtiger geworden“, so Köster. „Die Studenten sind heute weniger bereit, den erhöhten persönlichen Anspruch eines Landarztes auf sich zu nehmen.“ Dazu kämen weitere Faktoren wie erhöhter bürokratischer Aufwand, der besonders kleineres Praxen zu schaffen mache. „Außerdem haben wir heutzutage mehr Teamplayer, die gerne mit anderen zusammen arbeiten möchten“, so Köster. „Also in einer größeren Gemeinschaftspraxis oder einem ärztlichen Versorgungszentrum.“

Von Paul Gerlach und Dennis Klüting

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