„Das hat richtig gerappelt“

Hagel in Ummern: Hausbesitzer und Landwirte beklagen viele Schäden

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Wolfgang Wöhling zeigt auf eine Dachrinne, die vom Hagel durchlöchert worden ist.

Ummern – Samstagmorgen, etwa 5.30 Uhr: Von Westen her prasseln dicke Hagelkörner auf Ummern nieder. Viele Autos tragen Karosserieschäden davon, leichte Dachkonstruktionen gehen kaputt, in Feldern und Gärten werden Nutzpflanzen verheert.

Das gesamte Ausmaß des Schadens ist auch eine halbe Woche später noch völlig unklar.

Viel Luft nach oben: das Carport-Dach auf dem Grundstück von Wolfgang Wöhling.

„Das hat richtig gerappelt“, erinnert sich Wolfgang Wöhling. Er ist morgens vom Gewitter wachgeworden und hat die Hagelkörner auf dem Terrassengeländer und im Garten tanzen gesehen. „Das war richtig laut – und solche Hagelstärken habe ich noch nie erlebt“, sagt der 66-Jährige. Nach einer knappen Viertelstunde sei das Ganze dann vorbei gewesen. In Wöhlings Garten liegen nun die Plastikfetzen herum, die der Hagel aus einem Carport-Dach herausgeschossen hat. Durch das Dach sieht man jetzt viel blauen Himmel. Sein Auto und das seiner Ehefrau haben reichlich Dellen abbekommen, auf dem Dach, auf der Motorhaube. An der Tankstelle hat der Ummeraner gehört, dass allein im benachbarten Hohne 80 Fahrzeuge betroffen sein sollen.

Auch der Garten selbst hat gelitten. Wöhling zeigt auf den Kirschbaum: „Fast alle Kirschen sind runter – nur zwei sind auf dem Baum geblieben. Die dürfen sich jetzt die Vögel holen. Schade eigentlich.“ Getroffen hat es auch den Rhabarber: „Der ist platt wie eine Flunder.“ Und weist zahlreiche Durchschüsse auf. Immerhin: Wöhlings Terrassendach hat gehalten. Das ist auch aus Kunststoff, aber das Material soll bis zu fünf Zentimeter dicken Hagel unbeschadet überstehen. Hat es in diesem Fall auch getan. In der Landwirtschaft hat es den Mais am stärksten getroffen. „Jetzt warten alle auf den Schätzer von der Versicherung“, sagt Landvolk-Geschäftsführer Klaus-Dieter Böse. Schlimm erwischt habe es auch die Kartoffeln. Die werden wohl wieder ausschlagen, meint Böse, doch „die Qualität ist hin“. Bei den Zuckerrüben sind viele Blätter abgeschlagen, hier drohen ebenfalls Qualitätseinbußen. Das Getreide habe vielleicht noch am wenigsten abbekommen, gleichwohl sei wohl auch hier mit 20 bis 30 Prozent Ernteeinbußen zu rechnen, so Böse: „Das ist derzeit schwierig zu schätzen.“

Für die Versicherungen wird „Ludger“ – so heißt das Gewittertief vom Samstagmorgen – wohl eine teure Angelegenheit. Die VGH geht für sich laut Unternehmenssprecher Christian Worms in einer ersten Schätzung von 6 bis 8 Millionen Euro aus – das umfasst aber nur Schäden an Gebäuden, Fahrzeugen und ähnliches. Bis Dienstag waren 2000 Schäden erfasst worden, mit einer Schadenssumme von insgesamt 2,8 Millionen Euro. Der landwirtschaftliche Part ist da in beiden Fällen noch gar nicht eingerechnet – und bei anderen Versicherungen dürften ebenfalls zahlreiche Schadensmeldungen auflaufen. Ludger hatte eine Region getroffen, die von Hildesheim über die Region Hannover und Celle bis in den Kreis Uelzen reicht. Und eben auch nach Ummern.

VON HOLGER BODEN

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