Adventskonzert, Schloss-, Hof- und Turmblasen: Posaunenchor besteht seit 100 Jahren / 40 aktive Bläser

Von Groß Oesingen bis nach Afrika

In der Poststation kam die Instrumentenlieferung aus Markneuenkirchen ein. Dafür wurden 644 Mark bezahlt.

Groß Oesingen. Sie geben den Takt in Groß Oesingen an – und das nun schon seit 100 Jahren: die Bläser des Posaunenchors.

Ihre Musik ist untrennbar mit der Hermannsburger Erweckungsbewegung verbunden, denn 1849 gründete Theodor Harms in Hermannsburg den ersten Posaunenchor der Lüneburger Heide. Schnell kam auch in Groß Oesingen der Wunsch nach einem solchen Chor auf.

Im Herbst 1871 wurde der Blasmeister Ottermann einbestellt, um elf Musikanten auf Düwels Hof in Mahrenholz das Posaunenspiel beizubringen. Ab diesem Zeitpunkt bildete die örtliche Gottesdienstbegleitung den Schwerpunkt des Chores.

Der Posaunenchor Groß Oesingen besteht bereits seit 100 Jahren. Stürmische Zeiten prägten den Chor und seine Mitglieder. Doch der Posaunenchor etablierte sich und wuchs 1982 auf 43 Mitglieder an. Ein Erfolg, der sich vor allem auch durch die Ausbildung von Schülern und Jugendlichen einstellte. Fotos: privat

„Nachdem Theodor Harms 1878 von der Landeskirche abgesetzt wurde, folgten ihm in der Karfreitagswoche 17 Oesinger und beantragten den Ausschluss aus der hannoverschen Landeskirche. Warum? Für die Erweckungsbewegung war der Charakter des biblischen Wortes unantastbar. Weltliche Einflüsse in der Landeskirche wurden abgelehnt“, weiß Boris Neubrandt vom Posaunenchor. Die Kirchweihe der neuen kleinen Immanuelskirche wurde 1879 gefeiert – natürlich mit Posaunenklang. Dabei sollte es aber vorerst auch bleiben. Bewegte Zeiten für die Bläser.

Erst 1913 versammelten sich unter der Leitung von Pastor Bernstorf schließlich 15 Männer zur Gründungsversammlung des Posaunenchors und arbeiteten eine umfassende Satzung und einen Finanzierungsplan aus. 25 Pfennig Monatsbeitrag wurde veranschlagt.

Nach 33 Jahren war der Weg für einen Chor geebnet. Instrumente wurden bestellt. Über die Lieferung aus Markneuenkirchen lag große Euphorie in der Oesinger Luft, und ein kleines Vermögen wurde ausgegeben: 644 Mark. „Das Geld wurde beim Gemeindevorsteher Ernst Alpers angeliehen. Und zu der Zeit hatte man noch keinen einzigen Ton geblasen“, schmunzelt Neubrandt. Insgesamt wurden sieben Flügelhörner, drei Tenorhörner, ein Helikon und eine Zugposaune geliefert.

Von Groß Oesingen nach Afrika. Der Chor trat 2003 in Johannesburg, Bethlehem und Reitz auf.

Nicht nur die Instrumente gingen durch verschiedene Hände, sondern auch die Chorleitung wechselte häufiger. Trotzdem begleitete der Posaunenchor die Gottesdienste regelmäßig ab 1914 und zu den Kreisposaunenfesten. Auch der Zeit des Ersten Weltkriegs versuchten die Bläser zu trotzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmte das Posaunenfest die Auftritte des Chors, der ständig größer wurde. 1982 war der Chor auf 43 Mitglieder angewachsen. Ein Erfolg, der sich vor allem durch die Ausbildung von Jugendlichen und Schülern einstellte.

„Anfang der 90er Jahre etablierte sich das Adventskonzert. Dann kamen die Gemeindeadventsfeier, das Schlossblasen in Gifhorn, die Gottesdienste, das Hof- und schließlich auch Turmblasen hinzu“, freut sich Neubrandt über die Vielfältigkeit der Spielgelegenheiten. Der Chor hatte sich etabliert.

„Ein Meilenstein der Chorgeschichte sind auch die Reisen mit dem Instrument im Gepäck“, erklärt der Groß Oesinger Bläser und fügt an: „1994 und 2000 ging es mit vollbesetzem Reisebus zur Partnergemeinde in Wien. 2003 reiste eine 27-köpfige Reisegruppe sogar nach Afrika. Die Auftritte in Johannesburg, Bethlehem und Reitz sind heute immer noch Gesprächsstoff.“

Zwischen den Bläsern ist ein großer Zusammenhalt entstanden. 40 aktive Bläserinnen und Bläser bilden derzeit den Groß Oesinger Posaunenchor. In der Ausbildung befinden sich vier Jungbläser und auch vier Erwachsene.

Von Maike Scholz

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