Gegen das Aussetzen

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Der Stall vor dem Haus wird täglich auf abgegebene Kleintiere kontrolliert. Damit wollen Lorraine Ruther und ihr Ehemann Mario verhindern, dass Nager einfach ausgesetzt werden.

Groß Oesingen - Von André Pohlmann. Zwei Widderkaninchen waren die jüngsten Funde in dem Stall, den Lorraine und Mario Ruther vor ihrer Garage am Hainbuchenfeld in Groß Oesingen aufgestellt haben. Wer sie dort hinein gesetzt hat, wissen die beiden nicht. Und das ist auch gut so, denn das Ehepaar betreibt eine so genannte Kleintierklappe. Ein Zettel mit dem Namen und Alter der Tiere sowie ein paar Angabe zu ihrem Gesundheitzustand fanden sie, als die beiden Langohren kurz nach Weihnachten in einem der Ställe fanden.

Ganz ähnlich der Idee der Babyklappe können hier Kaninchen, Meerschweinchen, Mäuse, Hamster und andere kleine Haustiere – insbesonder Nager – anonym abgegeben werden. Lediglich Katzen, die gelegentlich auch schon in der Kleintierklappe abgegeben wurden, kann Ruther aufgrund der begrenzten finanziellen Möglichkeiten und der Ausstattung ihrer Auffangstation nicht aufnehmen. Mit der Klappe wollen die Groß Oesinger die Möglichkeit bieten, ein Tier, für das der Besitzer nicht mehr selbst sorgen kann, in sichere und verlässliche Obhut zu geben. Besonders im Sommer werden immer wieder Tiere ausgesetzt. Meist finden sie sich dabei in der freien Natur wieder, doch als reine Haustiere haben sie gar nicht die Fähigkeit entwickelt, um dort zu überleben. „Wir haben uns gefragt, was man tun kann, um dem entgegen zu wirken“, sagt Lorraine Ruther. Daraus entstand die Idee der Kleintierklappe, die sie vor rund acht Monaten als private Initiative ins Leben rief.

Aber nicht nur anonym, auch dann, wenn Menschen offen zu ihnen kommen, weil sie mit ihrem Haustier nicht mehr zurecht kommen, bieten die Ruthers ihre Hilfe an, um dem Tier ein neues Zuhause zu vermitteln. „Das sind einerseits Tiere, die nicht gewollt sind“, erläutert die Tierfreundin. Andererseits komme es immer öfter vor, das Familien, die unverschuldet in Not geraten sind aufgrund eines Umzugs in eine kleinere Wohnung dem Tier keinen angemessenen Platz mehr bieten können.

Wenn sie ein Tier in der Kleintierklappe findet, prüft Lorraine Ruther zunächst seinen Gesundheitszustand. Eine Woche muss der Vierbeiner dann zunächst in Quarantäne verbringen. Schließlich sollen die anderen Tiere in der Auffangstation nicht durch Milben oder andere Krankheiten gefährdet werden. Sofern sie sich vertragen, dürfen sie dann zu ihren Artgenossen und werden gleichzeitig im Internet auf der Seite http://www.sos-nagerdorf.de zur Vermittlung an neue Besitzer angeboten. Zwar berechnet sie für die Vermittlung eine Schutzgebühr, um die eigenen Kosten zu decken, doch als Tierhandel möchte sie ihre Tätigkeit nicht verstanden wissen. Wer sich für ein Tier interessiert, bekommt von den Ruthers vor allem erst einmal den Rat, sich ausgiebig darüber zu informieren, was für die Haltung, Pflege des neuen Hausgenossen notwendig ist. Je mehr der zukünftige Besitzer schon vorher darüber weiß, was mit dem Tier auf ihn zukommt, desto seltener muss ein Tier überhaupt abgegeben werden, hofft Ruther.

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