Wesendorf: Endabdichtung soll in der Kreis-Mülldeponie im Jahr 2025 erreicht werden / Ziel: Kein Sickerwasser mehr

Ein System für die Ewigkeit?

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Torsten Möllenbernd ist Ingenieur für Abfallwirtschaft und beim Landkreis Gifhorn beschäftigt. Er zeigt, wo die neue Anlage basierend auf Aktivkohle hingebaut wird.

Wesendorf. Wir produzieren ihn alle und das tagtäglich: Müll. In Wesendorf wurde 1983 die Kreis-Mülldeponie eingerichtet. Seit dieser Zeit hat sich einiges getan – gerade in Sachen der Verringerung der umweltgefährdenden Schadstoffe in Form des Sickerwasser der Müllhalde.

Hausmüll, Sperrmüll und Gewerbemüll: die Überreste werden in Belastungsklassen eingeteilt.

„1983 gab es das Fassen des Sickerwassers mit Drainagerohren, welches dann in gedichteten Teichen gesammelt und wieder auf die Deponie gepumpt wurde“, erklärt Torsten Möllenbernd, Ingenieur für Abfallwirtschaft und beschäftigt beim Landkreis Gifhorn. „Damals dachte man, dass durch dieses Kreislaufsystem das Wasser wieder aufgebraucht wird.“ Ende der 80er Jahre wurde dann mit dem Bau einer Kläranlage begonnen, die 1991 in Betrieb ging. Zunächst gab es zwei Reinigungsstufen. Eine biologische Reinigungsstufe und eine Ozonanlage als zweite Stufe. In dieser wurde aus flüssigem Sauerstoff Ozon erzeugt. Ozon reagiert mit den Schadstoffen im Sickerwasser und zerstört diese Schadstoffe. „Bis vor kurzem hatte diese Anlage Bestand“, erklärt Möllenbernd.

Doch jetzt will man auf ein neues System umsteigen. Aktivkohle – so lautet zukünftig das Zauberwort in der Kläranlage. Das Besondere: „Die Schadstoffe haften an der Oberfläche der Aktivkohle – ähnlich wie an einem Schwamm. Dadurch werden die Schadstoffe zurückgehalten.“

Warum diese Anlage nicht schon vorher eingesetzt wurde? Möllenbernd weiß die Antwort: „Das ging vorher nicht, weil die Konzentration der Schadstoffe zu hoch war.“ Das sei jetzt nicht mehr der Fall, denn der Müll sei jetzt gealtert und verrottet. Seit dem 1. Juni 2005 wird nämlich kein Müll mehr in der Deponie gelagert, sondern nach Magdeburg in eine Müllverbrennungsanlage gefahren. Während die alte Anlage insgesamt 35 000 Kubikmeter pro Jahr an Sickerwasser fasste, soll die neue Anlage 15 000 Kubikmeter aufnehmen. Das sei ausreichend. „Wir werden nicht mehr so viel brauchen. Bis vor einem Jahr war nur der Plateau-Bereich der Deponie, also der Kuppelbereich, mit schwarzer Folie abgedeckt. Dann wurden auch noch die Randbereiche eingefasst. Insgesamt ist nun eine Oberfläche von 107 000 Quadratmetern mit schwarzer Folie abgedeckt“, informiert der Ingenieur. Die schwarze Folie bewirke, dass kein Regenwasser mehr nachkommen könne. Das Sickerwasser werde so automatisch verringert. „Doch wir wollen, dass die Verrottungsvorgänge schneller vorangehen und dafür benötigt man wiederum Wasser“, meint Möllenbernd.

Wichtig sei aber, dass durch Bewässerungsleitungen unterhalb der Folie gezielt Wasser eingegeben werden kann. „Der Niederschlag hingegen lässt sich nicht kontrollieren.“ Aber die Abdeckung mit schwarzer Folie sei wiederum nur ein Übergangszustand. Pflicht sei es nämlich, eine Deponie endabzudichten. „Ziel ist es, dass kein Sickerwasser und auch kein Gas mehr entsteht, damit der Müllberg unschädlich in der Landschaft stehen kann“, sagt Möllenbernd. „Ein Endabdichtungssystem für die Ewigkeit“, schmunzelt Möllenbernd im IK-Gespräch. Das bedeute, dass der Müllberg zusammensackt und es keine Gase und kein Sickerwasser mehr gibt. Das derzeit durch die Verrottung entstehende Gas wird durch insgesamt 30 Brunnen im Müllkörper abgesaugt, geht durch ein Blockheizkraftwerk und wird dann verstromt. Bis zur tatsächlichen Endabdichtung wird es allerdings noch ein bisschen dauern. Möllenbernd schätzt den Zeitpunkt auf 2025. Mit der neuen Anlage basierend auf Aktivkohle sei man aber „absolut auf dem richtigen und guten Weg“, so der Ingenieur und fügt an: „Das, was wir hier machen, wird vom Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig ebenfalls als gut befunden.“

Von Maike Scholz

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