Groß Oesingen: Ein ganzes Dorf widersetzt sich dem Naziregime und rettet den Juden Julius Katz

Eine unglaubliche Geschichte

Oma Krause, gespielt von Ulrike Müller, mit dem Juden Julius Katz (Peter Tarnow) vor der Molkerei. Fotos: Feith

nf Groß Oesingen. Packend und ergreifen schlüpften die 17 Laiendarsteller des Heimatvereins in die Rollen des Bühnenstückes „Groß Oesingen und der Jude Julius Katz“ von Jürgen Rohde aus Hankensbüttel.

Zwei voll besetzte Vorstellungen mit rund 500 Besuchern auf dem Saal im Gasthaus Zur Linde zeigten der Theatergruppe, dass selbst Jahrzehnte nach dieser Begebenheit die Thematik längst nicht uninteressant geworden ist.

„Diese Geschichte muss einfach weiter erzählt werden, Menschlichkeit hat den höchsten Stellenwert. Uns ging es allen darum ein Stück Dorfgeschichte, die einen guten Ausgang gefunden hatte, darzustellen“, sagte Boris Neubrandt höchst zufrieden nach den beiden Aufführungen. Mit fantastischem Bildmaterial und einem beeindruckenden technischen Bühnenbild wurde die unglaubliche Geschichte des Juden Katz (Peter Tarnow) während der Kriegsjahre von 1939 bis 1945 auf die Bühne im Gasthaus Zur Linde gebracht – ein Name der seit vielen Jahrzehnten immer wieder in den Erzählungen der Oesinger auftaucht.

Der junge Winfried Buhr mit seinem Vater.

Wer war dieser Mann, der so besonders war, dass ein ganzes Dorf sich dem Naziregime widersetzte und alles tat, um sein Leben und das seiner Frau Hanni zu schützen. „Er war einfach der einzige Sattler hier im Dorf. Früher lief nun mal alles per Pferd, und da war dieser Beruf wichtig, um ein Dorf am Leben zu halten, wir brauchten unseren Juden“, erzählte die 82-jährige Marianne Dierks aus Klein Oesingen.Als „kriegswichtig eingestuft“ nannte man das zu der Zeit, in dem landwirtschaftlich geprägten Ort Oesingen. „Er war Onkel Julius von nebenan“, sagte Winfried Buhr, der viele Jahre gleich nebenan in der Molkereistraße wohnte. Er erinnert sich noch genau an die Schikanen, die er seitens des Lehrers Speidel ertragen musste. „Nach meiner Auffassung muss er eine Persönlichkeit hier gewesen sein, nicht ohne Grund wurde er zweimal Vorsitzender des Sportvereins“, sagte Rolf Mahlzahn selbst ehemaliger Vorsitzender des Sportvereins. „Was ich geschrieben habe, waren nur Buchstaben, denen die Oesinger Leben gegeben haben“, freute sich Jürgen Rohde, und ist begeistert über die gelungene Premiere seines Stückes, dass er anhand von zahlreichen Übermittlungen von Zeitzeugen und Nachkommen der Nachkriegszeit geschrieben hatte.

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